Donnerstag, 25. Februar 2016

Winterschlaf beendet



Seit Ende November bin ich nun hier in Halle an der schönen Saale. Bis vor zwei Wochen spielte sich mein Leben aber fast nur zwischen Arbeit, Wohnung, regelmäßigen Fahrten in die Urheimat und den Harz sowie gelegentlichen Treffen mit Freunden in Leipzig ab. Mir war klar, dass sich das ändern muss, wenn ich hier Fuß fassen will. Wie lerne ich in einer neuen Stadt neue Leute kennen? Diese nicht ganz einfache Frage stellte sich also nun auch mir. Keine Studiengruppe und keine WG würden mir helfen und mit den Arbeitskollegen komme ich zwar sehr gut klar, aber abends zusammen Bier trinken zu gehen, käme mir trotzdem seltsam vor. Also, was tun?

Meine erste Idee war, über Couchsurfing Leute kennenzulernen. Bei Couchsurfing-Treffen kommen Leute zusammen, die ähnlich ticken und gemeinsame Gesprächsthemen ergeben sich meist schnell. Nur so ein Treffen muss erstmal stattfinden und das ist in Halle so eine Sache. Ein Serbe, der grad Freiwilligendienst in Halle macht, postete sogar mal eine Veranstaltung, aber am Ende stand ich mit ihm allein da, wir tranken ein Bier zusammen und danach hat er sich nicht wieder gemeldet. Ob das an meiner Gesellschaft lag, sei dahin gestellt. Dann gab es noch ein paar Leute bei Couchsurfing, die sich meist montags trafen, um zusammen ins Kino zu gehen und Filme in Originalsprache mit Untertiteln zu schauen. Montags wollte einfach irgendwie nicht klappen. Dieser Weg schien also irgendwie nicht so zu funktionieren.

Irgendwie braucht es ja immer Mut, allein irgendwo hinzugehen. Aber hat man die Hemmschwelle dann erst einmal überwunden, ist man irgendwie ja auch gezwungen, mit anderen Menschen zu interagieren. Ich nahm also all meinen Mut zusammen und ging zu einem Tanzworkshop. Und doch noch zur Couchsurfing-Kino-Verabredung. Und zu einem Votrag. Und zu einem Fototreffen im Makerspace. Und zu einem Brettspielabend. Und zu einem Film-Abend. Und zu einer WG-Party, auf der ich niemanden kannte, dachte ich zumindest. Die Couchsurferin, die zum gemeinsamen Kinobesuch eingeladen hatte, lud mich nämlich eine Woche später ein, mit zu einer WG-Party zu kommen. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete und war ein wenig nervös. Doch ich begegnete nicht nur jemanden, mit dem ich beim Tanzworkshop vor über einer Woche noch getanzt hatte. Das witzigste war, dass ich jemanden traf, mit dem ich 2012 Erasmus in Rumänien gemacht hatte.
Er: "Kennen wir uns nicht?"
Ich: "Nein, ich glaube nicht."
Er: "Wir waren doch zusammen beim Modeselektor-Konzert in Bukarest."
Ich: "Das ist ja krass. Wohnst du in Halle?"
Der ehemalige Erasmus-Kollege wohnt nicht nur in Halle, er hat auch zum Beispiel den Makerspace mit aufgebaut, den ich eine Woche zuvor besucht hatte und bietet dort Fototouren durch Halle an. Irgendwie ist also Halle entweder verdammt klein oder es reicht eigentlich, eine handvoll Leute zu kennen, dann hat man die wichtigsten Sachen abgedeckt.

Während ich also bis in den Februar hinein oft nach der Arbeit wie ein auf den Rücken gefallener Käfer kaum von der Couch hockam, habe ich nun ein paar Anknüpfungspunkte, um gar nicht erst in die Gemütlichkeit der Couch zu sinken. Wenn was passieren soll zwischen Schlafen, Essen und Arbeiten, muss ich selbst dafür sorgen. Gerade bin ich so energiegeladen, dass ich sogar meine Laufschuhe aus der Versenkung geholt und bereits die kürzeste Route bis zur Saale ausfindig gemacht habe, wo ich längere Lauftouren unternehmen könnte, wenn erst die Kondition und Fitness stimmen. Ich lass es aber langsam angehen, schließlich habe ich viel zu lange überhaupt keinen Sport gemacht. 

Neben den Dingen, die hier in Halle passieren, bin ich auch mehr denn je dem Geschehen in einer kleinen Gemeinschaft im Harz verbunden und auch das gibt mir sehr viel Energie, wenn es auch an anderer Stelle an meinen Zeit- und Kraftressourcen knabbert. Was da passiert, ist aber noch einmal eine vollkommen andere Geschichte und ich brauche noch etwas Zeit, um das hier zu teilen. Aber auch das passt gut zu dem Motto: Raus aus der Winterstarre, ein bisschen mehr Leben eben.

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