Sonntag, 27. Juli 2014

Montenegros Küste entdecken - Tag 2


Am Morgen des zweiten Tages unseres Urlaubs in Montenegro befanden wir uns in Petrovac na Moru. Wir wachten nur weniger Meter entfernt vom Strand in einem kleinen Zimmer mit Bad auf. Zunächst steuerten wir ein Frühstück von einem der Bäcker an der Promenade an. Dann liehen wir gestärkt ein Tretboot, um zu der Insel direkt vor der Bucht zu gelangen, auf der eine kleine Kirche steht. Das war ein Stück zu treten, lohnte sich aber vollkommen. Es gibt eine Anlegestelle mit Seil, wo man das Tretboot festbinden kann. Auf der Insel erklimmt man einige Stufen, dann steht man vor der verschlossenen Kapelle.

Man kann an einem Strick ziehen, um zur Freude der ganzen Bucht die Glocke erschallen zu lassen, was mein Reisebegleiter auch eifrig tat. Ich schaute mich um und genoss es einfach, den zweiten Tag am montenegrinischen Mittelmeer zu sein. Von der kleinen Felsinsel hat man einen fantastischen Blick über die ganze Bucht. Das azurblaue Wasser schillert rund um die Insel und auch Richtung Küste. Auf dem Weg zurück sprangen wir vom Tretboot aus hinein und badeten ein wenig. Von der Insel direkt ins Wasser zu waten, empfiehlt sich nicht, denn schwarze kastanienartige Gebilde unter Wasser an den Felsen deuten auch hier an, dass man nur allzu leicht in einen Seeigel treten könnte. 

Wieder am Strand gaben wir unser Tretboot ab und machten uns schnell auf zur Bootsanlegestelle. Dort brachten wir in Erfahrung, ob wir irgendwie mit dem Boot nach Budva gelangen konnten. Wir wollten lieber Wasser-Taxi fahren als Linienbus. Ein Ausflug an der Küstenlinie erschien uns reizvoll und wir wollten zumindest mal den Preis erfragen. Wenn es zu teuer wäre, könnte man immer noch Bus fahren. Sechs Euro pro Person sollte es schließlich kosten, wir würden auf eine Tour zur Insel St. Nicholas mitgenommen werden und in Budva herausgelassen. Ein bisschen Zeit hatten wir noch, ehe es losging und so versorgten wir uns noch mit einem schnellen Mittagessen bestehend aus Gebäckstück respektive Pizza. 

Das Boot, das wir nahmen war glücklicherweise mit einem Dach versehen, zudem mit einem Boden, der zum Teil aus Glas war, so dass man die Unterwasserwelt beobachten konnte, jedoch nur, wenn das Boot entsprechend langsam fuhr. Es war auch voll besetzt und wir hatten Glück, noch zwei gute Plätze zu erwischen. Wir fotografierten viel und genossen den Fahrtwind und den Ausblick. Die Ansagen in schlechtem Englisch verstanden wir nicht wirklich. Auf dem Weg nach St. Nicholas ging es auch an St. Stefan vorbei. Dies ist die berühmte Hotelinsel, in deren Hotels Stars und Sternchen absteigen und die man nur besuchen darf, wenn man Gast der Nobelherbergen ist. Sie fehlt praktisch auf keinem Prospekt und in keinem Werbefilm von Montenegro. Vermutlich ist die Sicht darauf von der Küste sogar besser, aber auch hier machten wir ein paar Bilder. Dann ging es weiter nach St. Nicholas. 
Die Insel verfügt über viel Strand und ist ein beliebtes Ausflugsziel von Budva. Irgendwie sieht sie ein bisschen wie ein gekenterter Tanker aus. Also wie irgendetwas riesiges, was kurz vor der Küste umgekippt ist und nun halb herauragt aus dem Wasser. Als wir die Insel ansteuerten verließen fast alle das Boot. Ich bekam es schon mit der Angst zu tun, denn wie sollten wir denn von der Insel an Land gelangen, wenn wir auch rausmüssten? Wir konnten aber an Bord bleiben und erhielten eine leider nur wenige Minuten dauernde exlusive Überfahrt nach Budva. Die Stadt schien wirklich schön. Vom Landungssteg schlugen wir einfach eine beliebige Richtung ein. Als wir die Strandpromenade aber schon komplett durchquert hatten, beschlossen wir, doch mal in Erfahrung zu bringen, wo die Unterkunft sei, in der wir reserviert hatten. Bei einer Post gab es kostenloses W-Lan und so hatten wir uns flugs orientiert. Nachdem wir dann ewig einen Berg in ein Wohngebiet hochgekraxelt waren, beschlossen wir, uns einfach durchzufragen. Das führte dann auch zu mehr Erfolg und wir fanden das etwas versteckt gelegene Hostel. 

 
Nach dem Duschen gingen wir noch die Altstadt erkunden und besuchten die Festung. Hier gab einen wunderschönen Ausblick über die Küste und Budva.Das Abendessen nahmen wir schließlich in einem traditionellen Restaurant ganz in der Nähe unserer Unterkunft zu uns. Der Service war mal wieder vortrefflich, das Essen lecker und der Rakija gut. Nachher schlenderten wir noch am Yachthafen und in der Altstadt herum, denn bei Nacht sah alles noch einmal ganz anders aus. 


Sonntag, 20. Juli 2014

Auf geht's nach Montenegro! Tag 0 + 1

Anreise

Eigentlich wollten wir mit dem Zug von Belgrad nach Bar oder Sutomore fahren. Da aber der Zug derzeit eine Umleitung fährt und bereits um 18:05 startet und ich erst 16 Uhr von der Arbeit wegkonnte, mussten wir nach einer Alternative suchen, denn wir mussten ja auch noch von Temeswar aus bis Belgrad kommen. Also wollten wir stattdessen von Belgrad den Nachtbus nehmen. Timisoara – Belgrad ist ohne eigenes Auto hauptsächlich auf zwei Wegen möglich: mit Shuttle Bus von Gea Tours oder mit dem Zug und Umsteigen in Vrsac. Da der Zug sehr lang braucht und nur zwei mal täglich fährt, bestellten wir eine Woche vorher ein Shuttle von Gea Tours. Einen Tag vor Abreise wurde uns das bestätigt, wenn auch eine Stunde früher als wir ursprünglich fahren wollten. Eigentlich sollte es schneller gehen als mit dem Zug, weil wir aber ewig einen vierten Fahrgast ohne Mobiltelefon an Busbahnhöfen und Tankstellen suchten und uns dann noch kurz verfuhren, dauerte es auch fast vier Stunden.

Auf zum Meer!
Angekommen in Belgrad hasteten wir zum Busbahnhof, um ein Ticket für den Nachtbus zu erwerben. Reservierungen aus dem Ausland sind scheinbar nicht möglich, daher muss man sein Ticket dort kaufen. Allerdings klappt das scheinbar gut, wenn man ein paar Stunden vorher da ist. Wir hätten in zwei verschiedenen Bussen zwei Plätze bekommen können und wir waren nur etwa zwei Stunden vorher da. Beim Fahrkartenschalter im Busbahnhof kann man nur mit Serbischen Dinar zahlen, es gibt aber eigentlich direkt im Busbahnhof einen Bankomaten und Wechselstuben. Der Bankomat funktioniertenur leider nicht, wir fanden den nächsten im Bahnhof, der sehr nah am Busbahnhof liegt. Beim Einsteigen in den Bus wurden noch einmal 100 Dinar pro Gepäckstück fällig, was im Laderaum verstaut wurde.

Der Bus tuckerte Richtung Küste und war glücklicherweise nicht allzu voll, so dass wir in der zweiten Hälfte der Reise je zwei Sitze in Anspruch nehmen können und uns in der (laut meinem Reisegefährten) Stellung „toter Hund“ zum Schlafen legen konnten. Die Fahrt ist mir irgendwie als etwas unwirklich im Gedächtnis geblieben. Es war schon bei Abfahrt ziemlich dunkel, kurz darauf konnte man gar nichts mehr sehen. Wir waren die einzigen Nicht-Jugoslawen im Bus, so schien es zumindest. Bei Sonnenaufgang fuhren wir durch atemberaubende montenegrinische Gebirgslandschaften, leider fielen mir die Augen vor Müdigkeit immer wieder zu. Irgendwann hatten wir dann tatsächlich Podgorica erreicht, und dann war es am Skadar-See vorbei nicht mehr weit bis runter zur Küste. Gleich an der ersten Haltestelle an der Küste sprangen wir aus dem Reisebus und warfen die Rucksäcke nach einem kurzen Fußmarsch an den Strand von Sutomore.

Der erste Urlaubstag startet perfekt

Der Urlaub begann wie wir es uns vorgestellt hatten – noch vor neun Uhr badeten wir im Mittelmeer. Unsere Rucksäcke lagen faul am Strand rum, wir mampften daneben ein paar Leckereien vom Bäcker und stürzten uns in die Fluten. Nachdem ich erfolglos eine öffentliche Toilette gesucht hatte und nur ein ekliges Dixieklo gefunden hatte, liehen wir uns noch ein Tretboot und schipperten ein wenig auf dem Meer herum. Zahlreiche Felsen wollten erkundet werden, wobei ich mich aufgrund der scharfen Kanten an den Steinen und der Seeigel nicht darauf traute. Die Seeigel sah man im klaren Wasser sehr gut, aber vielleicht gab es doch noch irgendwo versteckte tückische oder solche, die aus dem Hinterhalt angriffen. Meine zarten Zehen blieben an Bord. Vom Boot ins Wasser zu springen machte dafür umso mehr Spaß, weil man nicht erst durch harte Kiesel oder anschmiegsame Algen musste, ehe man schwimmen konnte. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir uns ein Tretboot mieteten.

Die montenegrinische Flagge in Petrovac
Wir genossen in Sutomore noch Milkshakes und Eis, dann ging es weiter nach Petrovac. Sutomore an sich war kein besonders schöner Ort gewesen und auch der Strand war kein Hingucker. Der Ort war eben vor allem touristisch, man sah kein Gebäude, das nicht touristisch genutzt wurde, vor allem an der Küstenmeile. Von der Bushaltestelle bis zum Strand zog sich ein Tourimarkt. In Petrovac angekommen stellten wir fest – hier ist es schön. Die Häuser waren stilvoller, die Hotels eher Villen als Klötze, es gab so etwas wie historische Bausubstanz. 

Der Weg ist gefährlich...
Nachdem wir unser Zimmer direkt am Strand bezogen hatten, brachen wir noch zu einer Bucht auf, die als Geheimtipp galt. Ein absoluter Geheimtipp ist es wohl kaum mehr, das verrät auch die Baustelle eines Riesenhotels, die die Bucht verschandelt, aber immerhin hat man hier relativ seine Ruhe, verglichen zum Sardinenliegen am Hauptstrand von Petrovac. Man erreicht die Bucht nach einem Spaziergang in Richtung eines Klosters, der auch durch einige unbeleuchtete Tunnel führt. Hier ist es angebracht, Licht mitzunehmen, an einigen Stellen sieht man tatsächlich die Hand vor Augen nicht mehr. Bevor man das Kloster erreicht, gibt es einen tollen Strand, wo sich nur wenige Leute aufhalten. Mal sehen, wie lange das noch so ist. Auf dem Weg kommt man an einer noch fantastischeren Bucht vorbei, diese ist aber eigentlich nur vom Meer aus oder an der Küste entlang auf den Felsen vor der Küste zu erreichen. Mit dem Tretboot würde es sicher auch gehen, aber sicher eine Weile dauern. Nachdem wir den Rückweg angetreten hatten gingen wir am Abend an der Petrovacer Promenade noch fürstlich und mit vortrefflicher Bedienung speisen. 

Am Ende entschädigt die Aussicht aber vollkommen.
Und der Strand erst! Leider nicht mehr lange so...


Samstag, 19. Juli 2014

Berge und Meer – Montenegro im Juli 2014

Nach einigen Jahren sehnsuchtsvollen Schmachtens habe ich es endlich geschafft, das Land zu besuchen, dass ich so lange sehen wollte. Montenegro erfüllte die übertriebenen Erwartungen, die ich daran hatte, vollkommen. Klar ging auch mal was schief, aber im Großen und Ganzen war es ein fantastischer Urlaub.



Wir starteten von Temeswar über Belgrad nach Sutomore, dann immer an der Küste entlang zuerst nach Petrovac na Moru, dann Budva und Kotor. Schließlich gab es noch einen Abstecher nach Cetinje, oder besser gesagt zum Lovcen Nationalpark, um dann am letzten Tag über Podgorica nach Virpazar zum Skadar-See zu fahren. Die detaillierte Reisebeschreibung folgt in mehreren Posts...

Samstag, 28. Juni 2014

Totalausfall

Obwohl heftige Gewitter über Temeswar tosten, ist das nicht der Grund, warum ich keinen Strom hatte. Mein sogenannter „Sicherungskasten“ hatte sich mit einem Durchschmorren eines Kabels verabschiedet. Nicht, dass daraufhin irgendeine Sicherung rausgeflogen wäre. Nach kurzer Zeit Funkstille und einem ziemlich ekligen Geruch in der Luft, war der Strom wieder da.

Vorher

Ich fand das Ganze erwartungsgemäß nicht so toll. Ich rief meinen Vermieter an, der meinte „Sicherungen rausdrehen“. Zu diesem Zeitpunkt war ich auf keinen Fall willens, den „Sicherungskasten“ auch noch irgendwie anzufassen. Also einen Elektriker-Notdienst anrufen. Der meinte, es könne nichts mehr passieren. Hatte aber ja auch den Stromkasten nicht gesehen. Die Hauptsicherung für die Wohnung suchen. Dazu die Verwalterin rausklingeln. Die kommt angeschlappt – es ist schließlich schon abends um neun, und klingelt erstmal noch weitere Nachbarn raus. Ob uns jemand helfen könnte, ob jemand Ahnung hätte? Schließlich drehte ein berherzter Anwohner aus dem 7. Stock die Hauptsicherung raus. Gut und nun? Ich packte mir ein paar Sachen ein, um woanders zu übernachten.

Am nächsten Tag kam ich wieder in die Wohnung und sah das Chaos – das Eis aus dem Eisfach im Kühlschrank war abgetaut und hatte die unmittelbare Umgebung des Kühlschranks unter Wasser gesetzt, inklusive einiger Lebensmittel im Kühlschrank. Ich wischte auf, schmiss die Lebensmittel aus dem Kühlschrank weg, wusch ab und machte mich wieder zu meiner Schlafgelegenheit auf. Zwischenzeitlich drehte ich die Sicherung noch kurz rein, um Mails zu checken. Der Strom funktionierte natürlich noch, es hatte ja bloß einen kleinen Kabelbrand gegeben. Beim nochmaligem Rausdrehen der Sicherung aber fiel mir selbige auf den Boden und das Porzellan platzte ab. Wovon redet die da, werdet ihr euch fragen, die diese alten Sicherungen zum Reinschrauben gar nicht mehr kennen. Glaubt mir, ich wüsste lieber auch nicht, von was ich rede.

Ein Handwerker war jedenfalls besorgt, um fünf am nächsten Tag sollte er kommen, die Rechnung würde ich von der Miete abziehen. Doch dann der Anruf vom Vermieter – er wolle selbst jemanden organisieren. Mein Vermieter wurde mitmJack Nicholson in „The Shining“ verglichen. Keine Ahnung, wie der aussieht, aber stellt euch einfach einen abgeranzten, versoffenen, stinkigen Rumä... Moment, stellt euch einen abgeranzten, versoffenen, stinkigen Typen von der Imbissbude im Problemviertel vor. Jetzt gebt ihm noch dunkle, an den Seiten schüttere und eklig fettige Haare. Als Accessoire könnt ihr ihm noch eine löchrige alte Reisetasche in die Hand drücken oder eine Plastiktüte. Japp. Also, nun stellt euch vor, was für einen Elektriker dieser Typ wohl kennt. Mich beschäftigte die Frage ein wenig, bis der Elektriker dann da stand.

Bis er da stand, dauerte es geschlagene zweieinhalb Stunden. Mein Vermieter kam kurz nach drei. Kündigte dann gleich an, dass der Typ kurz nach vier kommen würde. Aus irgendeinem Grund wurde es dann doch erst fünf. Kurz vor fünf wiederum brach draußen ein heftiges Gewitter los. Also konnte er natürlich nicht kommen. Inzwischen fragte ich mich, ob er tatsächlich mit dem Auto kommen würde oder mit dem Dreirad. Warum konnte er nicht trotz Regens fahren?

Also weiter warten. Innerlich fing ich schon an zu zweifeln, ob überhaupt nohc jemand auftauchen würde. Mein Vermieter, mit dem ich inzwischen über Rumänien gequatscht hatte und der sich schon das zweite Bier am Kiosk geholt hatte, meinte auch: „Ich hoffe er kommt.“, was mich nicht sonderlich beruhigte. Als er dann dastand, war ich zunächst positiv überrascht. Zwei ordentlich angezogene Typen mittleren Alters mit einem Werkzeugkoffer. Sie bauten den Sicherungskasten ab und stellten fest, dass das durchgeschmorte Kabel das von der Klingel sei. Da es durchgeschmort war, als ich die Waschmaschine gestartet habe, erschien mir das sehr logisch. Sie fanden noch ein weiteres fehlendes Stück Kabel und wollten dies nun irgendwie überbrücken. Neuer Sicherungskasten: Pustekuchen. 

Nachher.

Mein Vermieter wühlte in einer Kiste, die in der Küche rumstand und allerlei lustige Sachen enthielt - alte Duschschläuche und alte Stromkabel zum Beispiel. Prompt wurde eines der Stromkabel auf die passende Länge gekürzt und um den Sicherungskasten herumimprovisiert. Hauptsicherung wieder rein gedreht, fertig. So einfach kann das in Rumänien sein. Ich habe immer noch Angst, dass mir die Wohnung abfackelt, aber immerhin habe ich nun wieder Strom.

Später am Abend zeigte mir noch Manu Chao, wie man kreativ mit Stromausfällen umgeht und Hunderte Konzertgäste, dass man die gute Laune nicht verlieren sollte:



Donnerstag, 26. Juni 2014

Manu Chao in Temeswar

Sea lo que sea.
Pase lo que paso. 
Proxima estacion: Esperanza.


Ich war gestern auf dem Konzert von Manu Chao am Dorfmuseum (Muzeul Satului) in Timisoara und es war einfach großartig. Ich bin jetzt sicher nicht der größte Fan, hatte mir aber dennoch die Karte vor Wochen gekauft, weil ich sicher war, dass es fantastisch werden würde. Ich meine, die Musik schreit einfach nach Open Air, nach Party, nach ausgelassenem Tanzen. 

Schick, nicht?
Dabei schien die Party schon fast gefährdet. Den ganzen Tag regnete es in Strömen, zudem war ein Kabel an meinem Sicherungskasten durchgebrannt, so dass ich mit meinem ranzigen Vermieter dasaß und auf einen Elektriker wartete, den er kannte. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, die ich auch noch erzählen werde. Ich sah mich also noch nicht vor der Bühne rumhüpfen. Schließlich gingen die Elektriker aber wieder und ich fing an, mich Matschepampe-gerecht anzuziehen. Das bedeutete Wanderstiefel, Strumpfhose und Jeansshorts, Tanktop, Longsleeve und Pulli. In meinem festivalgeeigneten Bauchtäschchen verstaute ich neben dem nötigen Kram eine zurechtgeschnittene Mülltüte, dann konnte es losgehen. Ich war für alles gerüstet. Es konnte losgehen.


Wir entschieden uns, aufgrund des Regens ein Taxi zu nehmen. Als wir zum Taxistand aufbrachen, stellte ich fest, dass die Karte noch in der Wohnung lag, aber noch war massig Zeit, also nochmal zurück. Der Einlass war herrlich unkompliziert - ohne Taschenkontrolle. Ein paar Mädels rissen einfach die Ecke vom Ticket ab, das war's. Schließlich standen wir eine halbe Stunde vor Konzertbeginn da, konnten in Ruhe noch ein Bier holen und quatschten schließlich noch ganz nett mit Bekannten. 

 
Kurz nach neun begann dann Manu Chao. Hier gab es die nächste Überraschung nach der fehlenden Taschenkontrolle - keine Vorband. Der Meister legte gleich los und machte seine Sache auch sehr gut. Ich fing praktisch sofort an zu tanzen und rumzuspringen. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, wie lange er spielte, aber bestimmt locker über eine Stunde. Irgendwann regnete es auch mal ein bisschen stärker, da zogen wir unsere Müllsäcke an. Dann machte er sich von der Bühne, um sich wieder rausklatschen zu lassen. Die Zugabe war fast noch besser. Dann wiederholte sich das ganze. Der alte Herr (er ist immerhin vor kurzem 53 geworden!) spielte eine Zugabe nach der anderen, heizte die Leute an, machte Stimmung, sprang auf der Bühne rum. Die Show war Wahnsinn, das Konzert war Wahnsinn. Obwohl wir nicht mehr konnten, blieben wir drei Stunden, bis zur dritten Zugabe oder so. Wir tanzten noch ein wenig auf der Wiese ein ganzes Stück weg von der Bühne, wo wir massig Platz hatten. Dann gegen zwölf traten wir doch den Heimweg an. Es war genug gewesen und man konnte wirklich nicht wissen, wie lange es noch gehen würde.


Es ist schade, dass es so geregnet hatte, denn bestimmt hat das viele potenzielle Besucher abgeschreckt. Ich fand es natürlich nicht schlecht, dass es nicht rappelvoll war, aber für die Organisatoren, die auch das Weltmusikfestival im Herbst organisieren, ist es natürlich schlecht, denn eventuell haben sie große finanzielle Verluste. Auf jeden Fall war es ein magischer Abend. Die, die sich haben abschrecken lassen, haben definitiv etwas verpasst. Die Location am Dorfmuseum ist auch cool. Vor der Bühne ist die Fläche mit Platten ausgelegt, so dass es kein Herumspringen im Schlamm geben muss. Dahinter ist eine Wiese mit ein paar Bäumen - bei mehreren tausend Leuten ist da die Sicht bestimmt nicht so gut, aber gemütlich ist es allemal.

Samstag, 21. Juni 2014

Vorfreude - endlich Montenegro

Seit ich James Bond - Casino Royal gesehen habe, will ich nach Montenegro. Irgendwie verband ich 2006 oder 2007 nur Krieg und Zerstörung mit Ex-Jugoslawien. Als ich dann das schöne Casino Royal sah, wurde ich sofort neugierig und googlete ein wenig. Neben den Szenen aus dem Film, die eigentlich in Tschechien und eventuell in Österreich und der Schweiz gedreht waren, überzeugten mich die Bilder, die ich fand, sofort. Mir war sofort klar, dass ich da mal hin will. Über die Jahre ist die Idee immer konkreter geworden und ich habe schon einige Male geplant, tatsächlich hinzufahren. Geworden ist daraus nie etwas. Jetzt ist die Planung konkret. Die Reiseroute festgelegt, die Hotels gebucht. Ich erstelle imaginäre Packlisten , kaufe mir Wanderschuhe, lese im Reiseführer. Wenn es nach mir ginge, würde ich mich morgen auf den Weg machen. Noch muss ich mich aber zehn Tage gedulden. Am 1. Juli geht es los. Übrigens das erste Mal in meinem Leben mit pinken Schuhe. Ok, vielleicht hatte ich als Kleinkind mal rosa Schuhe, also sagen wir, das erste Mal in meinem halbwegs erwachsenen Leben. Es war das einzige Modell was gut passte und das gab es leider in keiner anderen Farbe.


Dienstag, 10. Juni 2014

Familienbesuch und Abenteuer offroad

Mein Bruder ist nach Temeswar gekommen, was mich sehr gefreut hat. Ich wollte ihm ein wenig Rumänien und Temeswar zeigen. Obwohl ich auch arbeiten musste, haben wir eine Menge unternommen. Die Hauptattraktion war wohl der Ausflug nach Lindenfeld.

 Mein Bruder kam am Freitag an und wir starteten sogleich zu einer kleinen Stadterkundung. Abends gingen wir noch ins Aethernativ und später auf ein Konzert im La Capite. Am nächsten Tag war ausschlafen angesagt. Danach stand der erste Ausflug an - einfach ein wenig durch die Gegend fahren auf der Suche nach vulkanisch-sprudelnden Schlammlöcher. Ich nehme es vorweg - wir fanden sie nicht. Was wir fanden war ein Brunnen mit Mineralwasser - irre, wenn man sich Sprudelwasser aus dem Brunnen schöpft - und ein paar sumpfige Wiesen. Wie sich am nächsten Tag herausstellte hatten wir es außerdem geschafft, uns bei der Tour über die Feldwege einen Platten zu fahren. Armer Karl. Aber so kam ich schließlich auch zu meinem ersten Kontakt mit dem Vulcanizare [Reifenflickerei] 50m von meiner Arbeitsstelle. Ruck zuck waren zwei neue Reifen drauf und das hat noch nicht mal viel gekostet. Am Samstagabend war zudem ein Rugby-Spiel. Es war zugleich das erste Rugbyspiel, dass ich in meinem Leben besuchte und das erste mal, dass ich ein Stadion betrat (Musikveranstaltungen ausgeschlossen). Ich feuerte natürlich unsere Jungs, das heißt, das Temeswarer Team an. Und die holten auch den Sieg. Sie sind ja auch Rumänienmeister im Rugby.


Nach einem lockeren Sonntag und einem ebenso ruhigen Montag - wir grillten mit Kollegen auf der Terasse des Hostel Costel - wurde es am Dienstag wieder spannend. Wir wollten nach Garâna / Wolfsberg fahren, um von da aus nach Lindenfeld zu wandern. Das Wetter sollte ganz gut sein und der Plan ging auch ganz gut auf. Wieder einmal übernachteten wir im gemütlichen La Rascruce, wo wir auch sehr gut zu Abend aßen.

Lindenfeld


Am Morgen gegen zehn Uhr trotteten wir los. Gute Laune, schöner Sonnenschein und ein Dorfhund als Begleitung. Wir liefen erstmal ein ganzes Stück, bis wir aus Wolfsberg raus waren. Dann mussten wir vorbei an mehreren böse bellenden Hunden und nach einer ganzen Weile entlang des Waldrands ging es schließlich durch den Wald. Es war hügelig und der Weg war schlecht, die Laune dementsprechend nicht mehr ganz so toll. Schließlich kamen wir endlich wieder aus dem Wald raus. 10km waren wir gegangen. Und standen vor drei oder vier gefährlich klingenden Hütehunden, die uns nicht vorbei lassen wollten. Ohne große Diskussionen drehten wir um - die ganzen 10km zurück. Einen anderen Weg gab es nicht.
Da wir Lindenfeld unbedingt machen wollten, beschlossen wir, nach unserer Ankunft in Wolfsberg noch einen zweiten Versuch zu starten und mit dem Auto nach Lindenfeld zu fahren. Es sollte eine Route geben. Sie führt von Westen über das Dorf Poiana an Lindenfeld heran. Der Weg ist extremst schlecht. Zunächst einmal verfuhren wir uns, weil wir eine Abzweigung, bei der wir das Auto einmal komplett hätten wenden müssen, ignorierten. Wir liefen einen Waldweg für ein paar Kilometer entlang. Inzwischen wurde es schon dunkel und uns klar, dass da nichts mehr kommen würde. Also zurück. Beim zweiten Versuch nahmen wir die Abzweigung und Karl quälte sich im ersten Gang und mit surrender Lüftung die Feldwege hoch. Noch einmal hielten wir zu früh, fragten Schäfer und fuhren schließlich ganz nah ran.
Zunächst war die Enttäuschung groß. Wirklich nur ein paar Mauerreste waren von ein paar Häusern geblieben, ein paar eingeknickte Zäune und alte Obstbäume. Wir sahen schließlich den Friedhof und liefen darauf zu. Dort trafen wir einen Schäfer, der ein Lamm suchte. Er erklärte uns, wo ungefähr die Kirche lag, die wir dann auch fanden. An der Straße mit der Kirche waren außerdem zwei neugebaute Häuser, beide noch nicht ganz fertig und mehrere zusammengefallene Häuser. Eines hatte noch ein Dach, dass aber eingefallen war, ein anderes wirkte noch recht intakt und jemand hatte auch ein Vorhängeschloss an der Tür angebracht. Der Schäfer hatte bei seiner Suche Unterstützung bekommen - ein älteres Schaf rannte blökend den Weg auf und ab, was vom Mäen des Lamms irgendwo im Gebüsch beantwortet wurde. Schließlich fand er es im Kirchhof.  Der Schäfer erklärte uns, das fast fertige neugebaute Haus gehöre jemanden aus Caransebes. Es wirkte, als sollte es vielleicht einmal eine Pension werden. Das andere neue, von dem nur Mauern standen, gehörte jemandem aus Deutschland. Als wir wieder gingen, bemerkten wir noch eine Kuh, die ihren Kopf aus einem improvisierten Schuppen steckte. Das Dorf schien den Hirten und ihren Tieren zu gehören.

Gegen 23 Uhr waren wir zurück in Temeswar. Am nächsten Tag gingen wir noch zum Poetry Slam, der vom Deutschen Kulturzentrum veranstaltet wurde und am letzten Tag noch zum Bierfest. Ich war ganz schön müde von der Woche, aber es war dennoch eine sehr schöne Zeit gewesen. Ich bin froh, dass ich nun endlich Lindenfeld gesehen habe.