Mittwoch, 25. Februar 2015

Ein Wochenende in Budapest



Ich war ja nun schon oft in Budapest. Meistens auf der Durchreise, aber auch schon mal ein paar Tage um auszuspannen oder auch im Archiv zu wühlen, als ich noch Geschichtsstudentin war. Nun sollte es mal wieder nach Budapest gehen und zwar für ein schönes Wochenende zu zweit. Ich ließ mich überraschen und wurde auch sehr positiv überrascht. Wieder mal entdeckte ich ganz andere Seiten an Budapest als die mir bereits bekannten.


Wir starteten kurz vor Sonnenaufgang. Von Timisoara nach Budapest kommt man sehr bequem und ohne Umsteigen mit dem Zug. Vom Gara de Nord in Timisoara geht es zum Keleti Palaudvar in Budapest. Von dort kann man bequem mit der Metro fast überall hin gelangen. Wir hatten ein schönes Hotel mit angeschlossenem Schwimmbad und Sauna in Pest, in der Nähe des Nyugati Bahnhofs. Das Zimmer war ziemlich schick, der Wellnessbereich recht schön und es gab für einen kleinen Aufpreis Frühstück aufs Zimmer und zwar reichlich. Soweit also schon mal eine solide Basis geschaffen für zwei Tage Budapest Erkundung. Am ersten Tag machten wir uns auf, um etwas im Parisi 6 zu essen, ein sehr gut bewertetes vegetarisches Restaurant. Zu unserer Überraschung handelte es sich gar nicht um ein rein vegetarisches Restaurant, was aber kein Problem war. Die Preise und das Essen waren ok, wenn auch nichts außergewöhnliches. Mein Begleiter hatte ein bisschen Pech mit seinen Nudeln mit Tomatenpesto, denn es waren einfach Nudeln mit Cocktailtomaten und Basilikum sowie vermutlich etwas Olivenöl. Der Nachtisch, ein Schokoladensouffle war aber sehr lecker. Etwas unverschämt kam es mir vor, per Hand "+ 10% tip = xxx" zu notieren. Ich gebe zwar meist Trinkgeld, werde aber ungern dazu gezwungen, denn ich möchte schon noch gern entscheiden können, wie viel mir der Service wert war.

Als weiterer Punkt stand die Margareteninsel auf dem Plan. Aufgrund des schönen Wetters, war sie voller Jogger, die ihre sportlichen Körper vorführten. Es ist auch wirklich eine gute Möglichkeit, in der Stadt zu laufen. Wir entschieden uns aber für ein kleines Automobil, das per Tretkraft betrieben wurde. So umfuhren wir die Insel in einer Stunde einmal komplett und legten auch noch eine kurze Pause bei einer angeblichen Klosterruine ein. Sportlich betätigt hatten wir uns also auch noch. Die Kombination aus herrlichem Wetter, kleinem grünen Gefährt und schöner Insel bescherte uns eine aufregende Stunde am Nachmittag. 


Nachdem wir noch das Hotelschwimmbad getestet hatten, machten wir uns auf zum Room Escape Game. Ich hatte ja schon einmal vom Exit Game in Timisoara berichtet und das Prinzip in Budapest war ähnlich - nur, dass es hier keine Geschichte und keine so lange Vorrede gab. Betritt man die Wohnung, ist man bereits mitten im Spiel und es geht gleich los. Insgesamt hat man dann neben dem Flur noch drei Räume, in die man mit Hilfe von verschiedenen Schlüsseln gelangt, die man finden muss. Und obwohl wir nur zu zweit waren, haben wir es tatsächlich geschafft, das Rätsel zu lösen.

Tag zwei brach an und wir begaben uns nach einem ausgedehnten Frühstück per Zimmerservice - ich wollte das schon immer mal machen - auf einen kleinen Stadtspaziergang. Wir waren nicht lange unterwegs und drehten bald um, denn wir wollten ja noch baden gehen. Budapest bietet ja eine ganze Reihe an Bädern österreichischer oder türkischer Architektur. Im Szecheny Bad war ich schon einige Male gewesen, nun wollte ich mal in ein türkisches. Wir hatten uns das Rudas vorgenommen, aber als wir dort ankamen, mussten wir feststellen, dass sie keine Leute mehr reinließen. Überfüllt. Wir überlegten noch, nachts zu gehen, denn das Bad hatte auch von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens noch mal geöffnet, aber dann entschieden wir uns dagegen. Sicher würde es auch dann voll sein. Mit dem Bus fuhren wir in Richtung unserer Unterkunft, stiegen aber unterwegs beim Kiraly Bad aus. Das Bad ist ebenfalls ein türkisches, allerdings ein wenig heruntergekommener und wohl seit Jahren nicht renoviert. Die Preise sind entsprechende billiger und es gibt weniger Becken. Wir waren ziemlich müde und fertig und nur zufrieden damit, irgendwo im heißen Wasser liegen zu können. Ich fand das Bad sehr schön, besonders das runde Becken mit der Kuppel. Außerdem besuchten wir Sauna und Dampfbad und lungerten zum Schluss auch ein wenig im Jacuzzi rum.


Nach dem Baden waren wir hungrig. Bloß gut, dass wir eine Idee hatten, wie wir das ändern konnten. Wir besuchten das Napfenyes Etterem, ein vegetarisches Restaurant. Diesmal lagen wir absolut richtig, nur leider nicht damit, an einem Samstagabend keine Reservierung zu haben. Wir warteten ein wenig und bekamen dann einen Platz, an dem wir eine Stunde Zeit hatten, unser Essen zu bestellen und zu uns zu nehmen - die Zeit reichte uns zum Glück, sogar mit Dessert. Ich hatte die Linsensuppe aus dem Tagesmenü und gegrillte Seitanstückchen mit gegrilltem Gemüse und Sojajoghurt-Dip - es war traumhaft. Zum Nachttisch gab es noch Somloer Nockerln, so heißt das wohl auf Deutsch, natürlich auch vegan. Ich platzte fast, aber ebenso vor Zufriedenheit wie vom vollen Bauch.

An unserem dritten und leider auch dem letzten Tag hatten wir noch einmal Zeit, ein wenig durch die Stadt zu spazieren. Trotz reichlichem Frühstück und Abendessen am Vortag besuchten wir noch das Lotz Terem Bookcafe in der Alexandra-Buchhandlung am Andrassy-Boulevard. Es gab leckere heiße Schoki und großartige Torten. Das alles in einem Ambiente wie in einem Kaffeehaus der Habsburger-Zeit. Unbedingt einen Besuch wert!

Es war wirklich ein wunderbarer Ausflug und so ein verlängertes Wochenende lohnt sich von Temeswar mit nur wenigen Stunden Anfahrt vollkommen - aber vermutlich auch von Wien oder München. Ich habe ein paar neue Sachen an der Stadt entdeckt, die ich bisher noch nicht kannte oder nicht so kannte. 



Tipps für Aktivitäten in Budapest:
Auf der Margareteninsel ein Fahrrad leihen oder ein anderes Tretfahrzeug, oder sich Zeit nehmen, um Spazieren zu gehen.
In eines der Bäder gehen, dabei auch dem unscheinbaren Kiraly Bad eine Chance geben.
Escape Game macht überall Spaß, aber in Budapest gibt es wohl sehr viele verschiedene. Also, wenn man Lust darauf hat, es macht richtig viel Spaß.

Essen und Trinken:
Napfenyes Etterem - super leckeres vegetarisches Essen, aber besser vorher reservieren!
Lotz Terem Bookcafe in der Alexandra-Buchhandlung auf der Andrassy-Straße. Hier gibt es leckere Kuchen und Kaffee in schönem Ambiente.


Mittwoch, 4. Februar 2015

Irgendwo in Rumänien - Der alte Mann von nebenan

Mein Nachbar ist echt ein netter Typ. Er bezahlt die Nebenkosten für mich, wenn der Hausverwalter klingelt und ich nicht da bin. Denn so etwas wird in Rumänien persönlich und in bar bezahlt. Also muss man möglichst da sein, wenn der gute Hausverwalter vorbei kommt. Meine Nachbarn in meinem alten Block kannte ich kaum. Neben mir war so eine verrückte alte Katzenlady und unter mir scheinbar eine Opernsängerin. Denn man hörte sie ab und zu beim Proben. Nun wäre der stinkende Typ von nebenan auch nicht gerade jemand, den ich gern kennenlernen würde in einem normalen Leben. Aber hey, in Rumänien ist das eben irgendwie ein ziemlich normaler Nachbar. Und wie sich herausstellt eben sogar noch ein sehr netter.

Auf den ersten Blick denkt man, er ist Alkoholiker. Damit hat man auch sicher nicht ganz unrecht. Seine Klamotten immer ziemlich eklig, er stinkt und wenn er die Tür zu seiner Wohnung öffnet, riecht es nach dreißig Jahre nicht renovierter - und nicht gelüfteter - Raucherwohnung. Muffig, nach alten Leuten und einer Menge Zigarettenqualm. Er dünstet all das natürlich auch aus, wo immer er ist. Deswegen ist es eine Kür, ihn ja nicht herein zu lassen. Aber auch gar nicht so einfach. Wie er es schafft, ist mir nicht ganz klar, aber schwupps ist er über die Schwelle. Ob ich die Gasrechnung schon aus dem Briefkasten geholt habe. Das Geld für die Nebenkosten könne ich ihm bezahlen, wann immer ich es hätte. Wo ich gewesen sei. Er sei ja Ungar, aus Maramuresch. Und dann sagt er zwei Sätze auf Ungarisch. Im Rumänischen haben wir scheinbar ein ähnliches Sprachlevel, wir beiden. In der Körperhygiene rangieren wir nicht nur auf einem anderen Niveau, sondern in einem anderen Sonnensystem. Jetzt steht er also da und brabbelt unverständliches, sagt alles dreimal und kriegt nicht mit, wie man sich panisch nach einer Möglichkeit umsieht, ihn schnell wieder loszuwerden. Schon als er auf der Schwelle stand und es tatsächlich schaffte, seinen Körper in den Wohnungsflur zu manövrieren, mischte sich in das Erstaunen über dieses Überschreiten der Privatsphäre das blanke Entsetzen in den Blick. Danke, danke, ist ja nett, dass sie die Nebenkosten ausgelegt haben, aber jetzt raus aus meiner Wohnung, möchte man schreien. Und jetzt hat er tatsächlich seine Hand ausgestreckt und einen an der Schulter berührt. Angefasstwerden von fremden Menschen konnte ich ja noch nie leiden. Irgendwann begreift er es scheinbar, das er gehen sollte, oder ihm wird einfach langweilig und er dreht ab. Nochmal danke sagen, dann die Tür zu, abschließen und alle Fenster der Wohnung aufreißen. Es stinkt barbarisch.

Das Kuriose ist, dieser Mensch, den Mann auf der Straße für einen Penner halten würde, legt Monat für Monat die Nebenkosten in Höhe von zehn bis fünfzehn Euro aus. Er beschwert sich sogar noch beim Blockverwalter, wenn diese ihm zu hoch scheinen für das nette Mädchen von nebenan.

Samstag, 17. Januar 2015

Budapest - Baby it may hold you and all the trains will go away...

George Ezra hat ja sein güldenes Haus auf dem Budapester Hügel und vermutlich auch einen Privatjet oder wenigsten Helikopter dazu. Wenn man nun aber zu den Unglücklichen gehört, die auf einen Zug angewiesen sind, wird es schon schwieriger. Ein Ticket für internationale Verbindungen zu bekommen war nie einfach und schnell, meines Erachtens. Ich erinnere mich an die Glaskabinen, die es noch vor einem Jahr oder so gab, in denen die Beamten hockten. Auch da musste man schon eine Nummer ziehen. Und dann hieß es warten. Mit verzweifelten Menschen, die einen Anschlusszug brauchten und zwar möglichst schnell. Zeitweise gab es dann zusätzlich noch eine Servicekraft, die half, wenn man nur eine Verbindungsauskunft oder ähnliches benötigte. 

Ich habe ja schon mal eine Nacht in Budapest zugebracht, weil der Zug eine Stunde eher als auf bahn.de, der allgemeinen Referenz für Verbindungen in ganz Europa, angegeben war. Das war vor zweieinhalb Jahren und die Geschichte ist im Nachhinein ganz lustig. Das von Budapest nach Rumänien zu kommen nicht unproblematisch ist, hat sich aber scheinbar immer noch nicht geändert. Die Schalter für die Fahrkarten wurden wieder an eine andere Stelle verlegt. Die Fahrkarten für nationale Verbindungen bekommt man im Untergeschoss des Bahnhofes. Für internationale Verbindungen erwirbt man sie inzwischen in einer alten Schalterhalle auf der linken Seite des Bahnhofs etwas weiter hinten, wenn man vom Haupteingang kommt. Dort sind dann an einem durchschnittlichen, kalten regnerischen Januarsamstag drei Schalter mehr oder weniger geöffnet. Die Damen machen natürlich auch häufiger Päuschen oder müssen mal kurz weg. Man zieht eine Nummer und stellt dann mit erschrecken fest, dass noch etwa 40 Nummern vor einem sind. Und wartet. 

Glücklicherweise verlieren einige Menschen die Geduld und warten nicht auf ihre Nummer oder sie ziehen mehrere, so dass es zeitweise schneller vorangeht. Dennoch, hätten wir nicht unsere Nummer auch noch verloren, hätten wir anderthalb Stunden warten dürfen. Samstagabend ab 21 Uhr. Wir haben dann eine neue Nummer gezogen und weiter gewartet, aber glücklicherweise war ein netter Mensch, der zwei Nummern hatte, so nett, uns eine abzugeben. Die Schalterbeamten bei den internationalen Verbindungen unterscheiden sich scheinbar von den anderen dadurch, dass sie Englisch mindestens auf dem Level A1 beherrschen. Mehr aber sicher nicht. Für einen Ort und eine Zeit sollte das ja auch reichen, auch wenn man mehrere Menschen in Diskussionen mit Schalterbeamten verstrickt sah, die scheinbar zu rein gar nichts führten. Die allgemeine Stimmung in der Schalterhalle - angespannt, gereizt, genervt und verzweifelt - je nach Wartezeit. 

Als wir dann endlich dran waren, mussten wir zusehen, wie die Verkäuferin uns das Ticket per Hand ausfüllte und in Tabellen den Preis nachschlug. Es gab keinen Computer an ihrem Arbeitsplatz. Im Hintergrund konnte man aber zwei Rechner sehen. Einer war unbesetzt, aber Facebook war geöffnet. Das erklärte auch das zeitweilige Verschwinden der Beamten für kurze "Pausen". Am anderen spielte jemand Candy Crush oder irgendsoetwas. Wäre das Schalterfensterchen nicht so klein gewesen, ich wäre der Dame auf ihren Schreibtisch gesprungen vor Wut. Oder hätte sie durchgezerrt auf meine Seite. Ich hatte die ganze Zeit versucht, Verständnis zu zeigen und gemeint, es liege halt an der Organisation der ungarischen Bahn und nicht an den Mitarbeitern, aber mein Geduldsfaden war nun endgültig gerissen. Es dauerte natürlich per Hand auch einige Minuten, bis das Ticket ausgestellt war, aber das ließ ich ich mal meinen Reisegefährten machen, der noch genug Nerven aufbrachte. Ich meine, selbst in Rumänien funktioniert bereits alles digital und ich bekomme ein ausgedrucktes Ticket, auch für internationale Verbindungen.

Die Lehre daraus ist: Online-Tickets kaufen, soweit es geht. Die gibt es auch für internationale Züge und man muss sie an einem Abholautomaten in der Haupthalle des Budapester Bahnhofs ausdrucken lassen. Ich habe das schon mal gemacht und es funktioniert gut. Ansonsten Zeit mitbringen. Für einen Anschlusszug, der in einer halben Stunde fährt, bekommt man unter Umständen kein Ticket mehr. Eine weitere Möglichkeit: Wartenummer ziehen und je nachdem, wie viele Nummern vor einem sind und wieviele Leute schon warten, erstmal in der Unterkunft einchecken oder was essen gehen. Oder aufteilen beim Warten. 

Ansonsten kann ich Budapest sehr empfehlen. Ich liebe die Stadt und ich würde jedem empfehlen, mal hinzufahren. Mit dem Zug ist es super einfach und schnell - bis auf die Fahrkarten.


Dienstag, 13. Januar 2015

Exit Game Timisoara - entkomme aus dem Büro des kommunistischen Parteisekretärs!

Neulich kam die Idee auf, doch endlich mal Exit Games in Timisoara auszuprobieren. Ein Exit Game ist ein Raum, in dem man sich mit einer Gruppe von zwei bis fünf Personen befindet und aus dem man mithilfe von Hinweisen versuchen muss, wieder herauszukommen bzw. bei dem man versuchen muss, ein Rätsel zu lösen. Eine Art Exit Game gab es also schon zweimal in meiner Wohnung, als verschiedene Personen die Badtür hinter sich absperrten. Der Riegel verkeilt sich nur leider manchmal, so dass man länger als "nur mal kurz" verschwindet. In einem organisierten Exit Game hat man meist eine Stunde Zeit. Läuft die Zeit ab, hat man verloren. Schafft man es in weniger als 60min, hat man gewonnen. In meinem Bad darf man solange bleiben, wie man will, bzw. bis ich dann mal auf Toilette muss.


So ein Exit Game kann man nur einmal spielen, weil man dann weiß, wie es funktioniert und es würde keinen Spaß mehr machen. Um keine Hinweise zu geben, will ich deshalb hier nicht auf Einzelheiten eingehen. Zu meiner Badtür kann ich aber die Lösung verraten - man benötigt mindestens einen Komplizen, der einem von draußen eine Gabel unter der Tür durchschiebt, mit welcher man den Riegel versucht zurück zu schieben. In Timisoara gibt es, abgesehen von meinem Bad, noch eine Location mit zwei Räumen - einem einfacheren und einem schwierigeren. Wir haben mit dem einfachen angefangen - dem Büro des Parteisekretärs. Daneben gibt es noch die Bombe - dort muss, wie der Name schon sagt, eine imaginäre Bombe entschärft werden. Beim Parteibüro ist das Setting folgendes - man ist, während der Parteisekretär kurz weg ist, in das Parteibüro hineingeschlüpft. Die Tür wurde daraufhin leider versperrt und nun hat man eine Stunde, bis der Schreibtischtäter wieder kommt, um einen standesrechtlich exekutieren zu lassen. Um herauszukommen hat man eine Art Schaltkreis mit zweimal 37 Möglichkeiten, die man irgendwie verbinden muss, um die Tür zu öffnen. Doch zunächst muss man an die nötigen Kabel gelangen und an die Information, wie der Schaltkreis verbunden werden muss. Auf dem Weg dahin, gilt es kleinere Rätsel zu lösen, Codes für Zahlenschlösser zu finden und Schlüssl für einfache Schlösser. 

 Wir haben 52 Minuten gebraucht. Man muss eingestehen, dass der Typ, der das Exit Game betreibt, die ganze Zeit zuschaut, wie man sich abmüht, aber auch ab und zu Hinweise gibt, wenn man sich in die falsche Richtung verrennt. Alles in allem haben wir es aber echt gut gemeistert. Und das, obwohl ich anfangs meine Zweifel hatte, ob es mit diesem Team klappen würde - ich kannte die Leute nicht sehr gut und manchmal kam es mir vor, als würden alle nur wie ein Hühnerhaufen durch die Gegend rennen. Handy zu benutzen ist übrigens verboten - bringt aber im Endeffekt auch nichts. Für alle Fälle gibt es Stift und Papier. Ganz analog also - wie zu Zeiten der kommunistischen Partei.

Es ist jedenfalls super unterhaltsam. Ich würde so ein Exit Game jederzeit wieder spielen - leider kann man das ja nur einmal. Aber es gibt noch viele andere Städte, in denen es Exit Games - auch "Room Escape Challenges" gibt. Wahrscheinlich steht bald mal eine Reise nach Budapest oder Belgrad an...

Bilder: www.exitgames.ro / https://www.facebook.com/exitgamesro/

Montag, 5. Januar 2015

Ein neues Jahr, neue Chancen?

Das neue Jahr ist schon wieder fünf Tage alt. Ich sitze zuhause und gönne mir noch einen Tag Entspannung, bevor ich morgen wieder auf Arbeit gehe. Die Arbeit macht mir Spaß und ich freue mich auch darauf, meine Kollegen wieder zu sehen und meine Projekte weiterzuführen. Es ist schön, wieder hier zu sein in Timisoara. Dennoch habe ich über Weihnachten gemerkt, dass ich nicht weitermachen sollte. Ich behalte mir vor, diese Meinung noch einmal fundamental zu ändern, aber im Moment fühlt es sich so an, als sollte ich nach dem Sommer zurück in die alte Heimat. Mein Arbeitsvertrag läuft noch bis Ende August. Es ist nicht so, dass ich Rumänien satt hätte. Es ist eher so, dass ich das Gefühl habe, dass ich mal wieder ein Weilchen "zuhause" sein sollte. Jetzt kann man natürlich Wetten abschließen, wie lange ich es da dann aushalte. Ich sehe mich noch nicht mehrere Monate auf meinem Hintern sitzen. 


Als ich zuhause war, haben schon ein paar Leute gefragt, wann ich wiederkomme. Es ist wahnsinnig schön, den Wunsch zu hören, ich solle mich doch wieder in ihrer Nähe niederlassen. Da ich auch sehr gern in ihrer Nähe wäre, scheint es vernünftig, das auch umzusetzen. Während mir schon wieder hundert Ideen durch den Kopf schießen, müssen praktische Fragen natürlich noch warten. Aber während ich das hier so für mich beschließe, fühlt es sich gut an. Auch wenn ich weiß, dass es weh tun wird, die Menschen, die mir hier lieb geworden sind, hinter mir zu lassen.  


Also wieder ein bisschen Veränderung dieses Jahr. Auch wenn es noch fast ein dreiviertel Jahr dauert. Wäre ja sonst auch langweilig. Während andere sich nach Routine sehnen, muss ich mich in ein neues Abenteuer stürzen.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Weihnachten altfel

Altfel ist rumänisch für anders. Weihnachten in Rumänien ist anders. Auf den ersten Blick würde ich sagen mehr blinkende Lichter, mehr Kitsch und mehr Konsum. Aber das stimmt nicht ganz. In Deutschland habe ich nie Leute erlebt, die ein Spektakel auf der Straße aufgeführt haben oder nachts Lieder singend um die Häuser gezogen sind. Irgendwie scheint es also doch auch Herz zu haben.



Ich habe den Entschluss, den ich seit Jahren hege, Weihnachten ja nicht zu Hause zu verbringen, erstmals umgesetzt. Habe bei einer rumänischen Familie Weihnachten gefeiert. Und hier gibt es schon das erste Problem – was ist im Banat eigentlich rumänisch? Die Familie jedenfalls eine typische Banater Mischung, mit ungarischen, deutschen und rumänischen Anteilen. Ein typisch rumänisches Weihnachtsfest durfte ich zudem nicht erwarten, weil die Hausfrau aus gesundheitlichen Gründen Diät halten muss und somit Krautwickel und Sahnetorten für alle unter den Tisch fielen – darüber war ich aber gar nicht böse. Also war es in jeder Hinsicht anders als gedacht. Es gab kein Protokoll, keine Zwänge, keine Essenszeiten, keine Kirche, keine Gäste. Nur vier Personen, die einen Tag lang auf der faulen Haut lagen, so gut es eben ging. Es wurde natürlich viel gegessen und viel genascht zwischendurch, Geschenke gab es auch, aber irgendwie fand ich es alles sehr enstpannt. Kein „Oh, ist der Baum aber schön, so gleichmäßig gewachsen“ - zu meiner Freude gab es keinen echten Baum. 


Behinderte Weihnachtsbäume

Das alles ist natürlich ein sehr persönlicher Eindruck, aber es war ein sehr schönes Weihnachten. Heiligabend gibt es keinen Kartoffelsalat sondern Nudeln mit Mohn und Zucker. Den lärmenden Zigeunern, die verkleidet vorbeiziehen muss man etwas geben, wenn man das Fenster öffnet und herausschaut. Am zweiten Weihnachtsfeiertag haben die Geschäfte wieder offen, damit der Rumäne seiner Lieblingsbeschäftigung – Konsum – nachgehen kann. Viel mehr Erkenntnisse habe ich auch nicht aus meinem ersten halbwegs rumänischen Weihnachtsfest gezogen.


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Leben auf der Dauerbaustelle


Temeswar ist eine einzige Baustelle. Sobald man in der Innenstadt zu tun hat, kann man seine frisch geputzten Schuhe vergessen. Wenn es regnet, klebt der Dreck an den Strumpfhosen oder Hosenbeinen, an den Stiefeln und Turnschuhen sowieso. In den Läden schleppen die Leute den Schmutz herein, in den Cafés... ganz Temeswar ist wie von einer feinen Dreckschicht überzogen.

Klar, wer Fortschritt möchte, muss in den sauren Apfel beißen, dass eben Späne fallen, wo gehobelt wird. Aber das Hobeln sollte von Anfang an zwei Jahre dauern, findet in der gesamten Innenstadt gleichzeitig statt und verzögert sich ständig. Denn sobald man mit dem Spaten in die Erde sticht, trifft man hier in der Stadt auf irgendwelches antikes Gerümpel, dass die Römer, die Daker, die Osmanen oder im Zweifelsfall die Habsburger hier gelassen haben. Ich als Historikerin verstehe natürlich, dass man sich das auch ansehen sollte und es ordentlich konservieren muss, aber im Endeffekt bedeutet es für mich, als Bewohnerin dieser Stadt, noch länger über irgendwelche Holzplanken an den Bauarbeitern vorbei zu balancieren.

Dazu kommt die Absurdität. Da wird mit dem Presslufthammer vor ein paar Wochen gegossener Beton wieder aufgerissen. Oder an der neuen Brücke der zwei Monate alte Fußweg mit großen Kratern versehen. Zwischen den Abraumhalden wirkt die Kunstinstallation, als gehöre das so. Die Vögel suchen wohl nach dem Sinn, aber der ist in den Erdhügeln auch nicht zu erkennen. 
Foto: Eye in the Sky
Für viele Lokale in der Innenstadt bedeutete die Dauerbaustelle bereits das Aus. Rumänien ist dynamisch, so ist es nicht - ständig entstehen an anderer Stelle neue Lokale. Aber das was einst einer der schönsten und belebtesten Plätze der Stadt war, ist nun seit über einem Jahr Dauerbaustelle. Dafür ist ein anderer Platz fast fertig, der Piata Libertatii / Freiheitsplatz. Ziegelrotes glattes Betonpflaster mit Altstadtpflaster zu Ringen um eine der ältesten Statuen der Stadt angeordnet ist so ziemlich der Gipfel des schlechten Geschmacks. Den Fotografen von Eye in the Sky hat es zu der Feststellung verleitet: Heute auf dem "Roten" Platz, ehemals Freiheitsplatz.