Donnerstag, 5. März 2015

Sibiu, du schöne Stadt

Ach Sibiu, oder Hermannstadt auf Deutsch, ist schon ein echt hübsches Städtchen. Zwei wunderbare Tage verbrachte ich letztes Wochenende da, denen man die Dienstreise, die der Kern des Ausflugs war, gar nicht anmerkte.


Sibiu ist von Timisoara mit dem Zug in ca. 7 Stunden zu erreichen. 2 Direktverbindungen gibt es täglich. Da ich auf Dienstreise war, durfte ich glücklicherweise einen Tag auf Arbeit fehlen und konnte am Freitag früh um acht starten. Ansonsten ist ein Wochenendausflug wirklich ein bisschen schwierig. Man hätte dann ziemlich genau einen Tag in der Stadt, wenn man am Samstag um acht starten würde, um 15 Uhr da wäre und am nächsten Tag um 15 Uhr zurück fährt und gegen elf Uhr nachts wieder in Timisoara landen würde. Ein bisschen wenig Aufenthalt für eine recht lange Fahrtdauer - aber vielleicht etwas für Leute, die in Zügen gut schlafen können.


Ich hatte also zwei Übernachtungen, und wenn ich auch am Samstag fast den ganzen Tag beschäftigt war, lohnte es sich vollkommen. Ich bin in der riesigen Wohnung von einer Arbeitskollegin und Freundin und ihrem Freund untergekommen. Die zwei waren nicht nur extrem nette Gesellschaft, sondern kümmerten sich auch ganz wunderbar um mich. Da ich Hermannstadt schon kenne, musste ich keine Museen besuchen oder Stadtmauer erkunden oder Kirchen anschauen - ich erkundete vor allem das kulinarische Sibiu ein wenig und lernte den lokalen Flohmarkt kennen

Mehrere Tipps kann ich weitergeben von diesem Aufenthalt:

In die Schiller-Buchhandlung am Piata Mare schaue ich eigentlich bei jedem Besuch in Hermannstadt herein. Und zwar eigentlich gar nicht so sehr wegen der Bücher, sondern wegen diesem Ständer mit Karten. Rumänienkarten und Wanderkarten für die verschiedensten Regionen. Jedes Mal suche ich, ob ich etwas für das Banat finde. Und diesmal bin ich sowas von fündig geworden - eine Radwanderkarte für das Banater Bergland mit insgesamt 28 Tourenvorschlägen.


Das Café Lili's an der Piata Mica ist ein schnuffeliges Lokal mit Kuchen, Speisen- und Frühstücksangebot. Auf zum Teil riesigen Sesseln und neben riesigen Gemälden, die Lili, scheinbar den kleinen Hund der Besitzer, zeigen, kann man sich niederlassen und wenn man Glück hat und am Fenster sitzt, sogar den Piata Mica betrachten. Das Lili's ist wie alle Lokale recht verraucht, aber am Sonntagmorgen hatten wir beispielsweise Glück und saßen sogar eine Weile, bis es zu frisch wurde, am offenen Fenster. Das Frühstücksangebot ist keine Offenbarung, aber solide. Imkerhonig oder selbstgemachte Marmelade sucht man vergeblich, aber der Obstsalat mit Joghurt und Müsli war lecker. Croissants gab es aber zum Beispiel zum Sonntagmorgen keine, das französische Frühstück fiel also aus.

Das Café L'Atelier am Piata Mare bietet an einigen Plätzen eine wunderbare Sicht auf den Platz durch die großen Fenster. Leckere Limonaden gibt es auch, und wenn man allein kommt, hat man sicher genug Beschäftigung damit, die Leute auf dem Platz zu beobachten. Auch schön in den Abendstunden, wenn die Gebäude am Platz schön angeleuchtet sind.
 

 Das Restaurant La Cuptor in der Strada 9 Mai. Ein nicht zu sehr auf Touristen und die Leerung ihrer Taschen ausgerichtetes Lokal, mit für Rumänien, zumindest für mich, ungewöhnlich exquisiten Angebot. In Hermannstadt mag man noch das ein oder andere feine Lokal finden, in Temeswar fällt mir da jetzt abgesehen vom Sky Restaurant nichts ein. Ich war jedenfalls positiv überrascht - ich hatte die Vorspeise Polenta mit Ziegenkäse bestellt und bekam eine Platte, auf der ein Turm aus Käse- und Polentatalern neben verschiedenen Kleinigkeiten angerichtet war, dekoriert mit einer Spur Meersalz. Das Auge isst mit, ich fand es sehr gut. Das Auge hat leider bei der Einrichtung des Lokals ein wenig zu leiden, irgendwie passt alles nicht so recht zusammen und ein einheitlicher Stil fehlt komplett. Das Restaurant ist sehr neu und hat erst eröffnet, aber schon jetzt ist es irgendwie ein eigenwilliger Mix verschiedener Einrichtungsaccessoires. Noch ein Punkt, den ich eher negativ fand: Es gab kein rumänisches Bier auf der Karte. Ich hatte am Ende ein gezapftes Staropramen, auch sehr gut. Die Preise sind für Rumänien gehoben, aber für deutsche Standards sehr ok.

Ja, das ist ein Kofferraum...

Der Flohmarkt! In Sibiu heißt dieser Piata Obor und ist wieder ganz anders, als der in Timisoara und der in Cluj. Da scheint jede Stadt so ihre Besonderheiten zu haben. Aber auch hier, eine Mischung aus Second Hand Klamotten, Haushaltsauflösungen, Fahrrädern. Daneben gibt es, anders als auf dem Flavia in Timisoara, auch Tiere und Autos. Wahlweise auch Tiere aus Autos. Der Trödel kam mir in Sibiu nicht so ramschig vor und die Stände übersichtlicher. Nur so ein persönlicher Eindruck. Ich fand ein deutschsprachiges Scrabble-Spiel, was mich eh total von dem Flohmarkt überzeugte. Ob es tatsächlich komplett ist, habe ich noch gar nicht geschaut.







Montag, 2. März 2015

Vorfrühlingsglück - ein sonniger Samstag in Timisoara

In Timisoara ist es bereits Ende Februar schon ziemlich mild. Hier im Banat dauert der Winter meistens nicht so lange und ist weniger streng als in anderen Regionen Rumäniens. Wenn man sich wie ich darauf freut, endlich wieder draußen was zu unternehmen, ist es natürlich toll, wenn an einem lauen Februarsamstag um die zwölf Grad Celsius vorherrschen. Und so habe ich den Samstag vor einer Woche genutzt.


Nach einem Frühstück mit Smoothie und Haferbrei – meine Lieblings-Morgenkombination im Moment, startete ich zum Flohmarkt. Ich wollte nach einer Jacke Ausschau halten und auch sonst, einfach mal sehen, was mir so über den Weg läuft. In Temeswar gibt es, soweit mir bekannt, drei Flohmärkte am Wochenende. Einmal der Ocsko – Er befindet sich am Stadtrand hinter dem Stadtteil Mehala vom Zentrum ausgesehen. Man erreicht ihn mit dem Bus Nummer 13 vom Piata Marasti. Dann gibt es noch Piata Flavia und Piata Aurora. Diese zwei Märkte sind direkt nebeneinander und am Besten mit der Straßenbahn Nummer 9 oder 7 (Haltestelle Transilvania) zu erreichen. Auf dem Piata Flavia gibt es fast alles – von deutscher Importschokolade und Joghurt, über pseudo-antike Möbel, bis hin zu Wohnungsauflösungen aus Deutschland, Second Hand Klamotten und Schuhen. Der Aurora-Markt ist nur Kleidung und Schuhen vorbehalten. Samstags ist der Eintritt im Flavia kostenlos, am Sonntag kostet es ein paar Lei. Bei Aurora zahlt man zwei Lei Eintritt (50 Cent). Ich stöberte ein wenig nach Jacken, und probierte sogar einige, aber das meiste was ich fand, war zu klein, zu hässlich, zu abgeranzt – irgendwas war immer. Dann sprang mir eine schwarze Softshell-Jacke in den Blick, sogar in meiner Größe – perfekt. Unübersehbar handelte es sich um eine Werbejacke einer deutschen Biermarke. Auf dem Kragen war eine Stickerei angebracht, an allen Reißverschlüssen baumelten kleine stilisierte „K“s zur Verzierung und ein großes K auch auf die Brust gedruckt. Und wenn ich mir auch nie so eine Jacke in Deutschland zulegen würde – wobei, zu dem Preis und fürs Radfahren in der Freizeit vielleicht schon – hier fand ich es so witzig, dass ich jetzt in meiner Freizeit, zum Wandern und Radfahren für das Team „Köstritzer“ unterwegs bin. Schwarzbier habe ich aber meist keins dabei.



Die Jacke war gekauft und wollte ausgefahren werden. Mein Drahtesel stand nach einer etwas missglückten Tour vor zwei Wochen, als sich schon mal so etwas wie schönes Wetter ankündigte, total verdreckt in meinem Flur rum. Ich hatte mich damals für eine Route über Feldwege entschieden, die aber bei matschigem Wetter vor allem in sumpfartige Feuchtgebiete führten. Irgendwann konnte ich in einer schienenbeinhohen Pfütze mein Rad im Schlamm nicht mehr manövrieren und hatte Absteigen müssen. Das Resultat waren schlammdurchtränkte Schuhe und nasse Füße auf der ganzen Heimfahrt gewesen. Und eben ein ziemlich dreckiges Fahrrad. Froh, dass der meiste Dreck nun abfallen würde, trug ich mein Mountainbike also die Treppen aus dem vierten Stock herunter und machte mich in Richtung Serbien auf. Kein Scherz! An der Bega entlang, dem langsam-dahinsickernden Kanal, der durch Temeswar und weiter Richtung Serbien führt, wurde seit Herbst letzten Jahres eine Radpiste angelegt. Ich war schon ein paar Mal dagewesen und auch vor der Fertigstellung bis zur serbischen Grenze einmal bis zum Ende, ich glaube das waren damals so 20km einfach, gefahren. Inzwischen ist die Strecke wohl 37km lang bis zur Grenze und im Sommer soll wohl sogar ein saisonaler Grenzkontrollpunkt für Radtouristen eingerichtet werden. Diesmal fuhr ich nur bis Sanmihaiu Roman und drehte wieder um. Jedoch sah ich schon hier, dass man gearbeitet hatte. Zum Beispiel muss man nicht mehr wie im letzten Jahr sein Fahrrad über die Bahnstrecke und die Gleise tragen sondern es gibt eine Unterführung am Fluss entlang. Auch wurden mehrere Schranken aufgestellt, damit die Strecke nicht mehr von Autofahrern benutzt wird. Diese Schranken haben aber den Nachteil, dass der Radfahrer auch nicht durch kommt, sondern sich daran vorbeischlängeln muss, also kurz den Radweg verlassen. Bei viel Betrieb werden diese Stellen sicher zum Nadelöhr werden, außerdem führt es den Radweg etwas ad absurdum. Es war wichtig und notwendig, eine Sperre aufzustellen, Poller wären aber in jedem Falle besser gewesen.

Nach meiner Radtour ruhte ich noch ein wenig aus, ehe es dann abends zu einem Jazzkonzert im Hostel Costel ging. Dieses gemütliche Hostel – ich habe nie hier genächtigt, aber schon ein paar Mal im Garten gesessen – ist eine Institution in Temeswar. Die Besitzer sind immer wieder an Veranstaltungen beteiligt und haben nun offensichtlich eine Konzertreihe in einem der Schlafsäle ins Leben gerufen. Letzten Samstag stand ein Jazz-Duo auf dem Plan, zusammengesetzt aus den Pianisten zwei der bedeutendsten Temeswarer Jazzbands – Spanache Trio und Jazzybit. Teodor Pop und Sebastian Spanache improvisierten und battleten sich zum Teil förmlich am Klavier. Wir waren früh gekommen und hatten somit freie Platzwahl – ich schlug eines der Hochbetten vor, aufgrund der guten Sicht. Wir blieben die einzigen mit dieser Idee, die Mehrheit der Zuhörer begnügte sich mit einem Platz im Hintergrund und auf den unteren Etagen. Das Konzert war ganz große Klasse, auch wenn ein wenig lang. Offensichtlich verlor nicht nur ich, sondern einige der Zuhörer nach zwei Stunden ein wenig die Geduld, was an der allgemeinen Unruhe zu spüren war. Man merkte den Jungs an den Keyboards echt an, dass sie Spaß am Musizieren hatten, aber zum Schluss wurde das Privatvergnügen, miteinander zu Jammen, etwas zu langwierig fürs Publikum. Das nächste Mal also vielleicht einfach privat fortsetzen...


Nicht alle Samstage hier sind so ereignisreich, manchmal hänge ich auch den ganzen Tag faul rum. Aber was ich sagen will – Timisoara hat durchaus Potential. Gerade jetzt im Frühling sprießen an allen Ecken nicht nur die Frühlingsblüher sondern auch die Ideen, scheint es. Im Moment entstehen so viele kreative Projekte, bei denen man Lust bekommt, hineinzuschnuppern, dass keine Langeweile aufkommt.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Ein Wochenende in Budapest



Ich war ja nun schon oft in Budapest. Meistens auf der Durchreise, aber auch schon mal ein paar Tage um auszuspannen oder auch im Archiv zu wühlen, als ich noch Geschichtsstudentin war. Nun sollte es mal wieder nach Budapest gehen und zwar für ein schönes Wochenende zu zweit. Ich ließ mich überraschen und wurde auch sehr positiv überrascht. Wieder mal entdeckte ich ganz andere Seiten an Budapest als die mir bereits bekannten.


Wir starteten kurz vor Sonnenaufgang. Von Timisoara nach Budapest kommt man sehr bequem und ohne Umsteigen mit dem Zug. Vom Gara de Nord in Timisoara geht es zum Keleti Palaudvar in Budapest. Von dort kann man bequem mit der Metro fast überall hin gelangen. Wir hatten ein schönes Hotel mit angeschlossenem Schwimmbad und Sauna in Pest, in der Nähe des Nyugati Bahnhofs. Das Zimmer war ziemlich schick, der Wellnessbereich recht schön und es gab für einen kleinen Aufpreis Frühstück aufs Zimmer und zwar reichlich. Soweit also schon mal eine solide Basis geschaffen für zwei Tage Budapest Erkundung. Am ersten Tag machten wir uns auf, um etwas im Parisi 6 zu essen, ein sehr gut bewertetes vegetarisches Restaurant. Zu unserer Überraschung handelte es sich gar nicht um ein rein vegetarisches Restaurant, was aber kein Problem war. Die Preise und das Essen waren ok, wenn auch nichts außergewöhnliches. Mein Begleiter hatte ein bisschen Pech mit seinen Nudeln mit Tomatenpesto, denn es waren einfach Nudeln mit Cocktailtomaten und Basilikum sowie vermutlich etwas Olivenöl. Der Nachtisch, ein Schokoladensouffle war aber sehr lecker. Etwas unverschämt kam es mir vor, per Hand "+ 10% tip = xxx" zu notieren. Ich gebe zwar meist Trinkgeld, werde aber ungern dazu gezwungen, denn ich möchte schon noch gern entscheiden können, wie viel mir der Service wert war.

Als weiterer Punkt stand die Margareteninsel auf dem Plan. Aufgrund des schönen Wetters, war sie voller Jogger, die ihre sportlichen Körper vorführten. Es ist auch wirklich eine gute Möglichkeit, in der Stadt zu laufen. Wir entschieden uns aber für ein kleines Automobil, das per Tretkraft betrieben wurde. So umfuhren wir die Insel in einer Stunde einmal komplett und legten auch noch eine kurze Pause bei einer angeblichen Klosterruine ein. Sportlich betätigt hatten wir uns also auch noch. Die Kombination aus herrlichem Wetter, kleinem grünen Gefährt und schöner Insel bescherte uns eine aufregende Stunde am Nachmittag. 


Nachdem wir noch das Hotelschwimmbad getestet hatten, machten wir uns auf zum Room Escape Game. Ich hatte ja schon einmal vom Exit Game in Timisoara berichtet und das Prinzip in Budapest war ähnlich - nur, dass es hier keine Geschichte und keine so lange Vorrede gab. Betritt man die Wohnung, ist man bereits mitten im Spiel und es geht gleich los. Insgesamt hat man dann neben dem Flur noch drei Räume, in die man mit Hilfe von verschiedenen Schlüsseln gelangt, die man finden muss. Und obwohl wir nur zu zweit waren, haben wir es tatsächlich geschafft, das Rätsel zu lösen.

Tag zwei brach an und wir begaben uns nach einem ausgedehnten Frühstück per Zimmerservice - ich wollte das schon immer mal machen - auf einen kleinen Stadtspaziergang. Wir waren nicht lange unterwegs und drehten bald um, denn wir wollten ja noch baden gehen. Budapest bietet ja eine ganze Reihe an Bädern österreichischer oder türkischer Architektur. Im Szecheny Bad war ich schon einige Male gewesen, nun wollte ich mal in ein türkisches. Wir hatten uns das Rudas vorgenommen, aber als wir dort ankamen, mussten wir feststellen, dass sie keine Leute mehr reinließen. Überfüllt. Wir überlegten noch, nachts zu gehen, denn das Bad hatte auch von 22 Uhr bis 4 Uhr morgens noch mal geöffnet, aber dann entschieden wir uns dagegen. Sicher würde es auch dann voll sein. Mit dem Bus fuhren wir in Richtung unserer Unterkunft, stiegen aber unterwegs beim Kiraly Bad aus. Das Bad ist ebenfalls ein türkisches, allerdings ein wenig heruntergekommener und wohl seit Jahren nicht renoviert. Die Preise sind entsprechende billiger und es gibt weniger Becken. Wir waren ziemlich müde und fertig und nur zufrieden damit, irgendwo im heißen Wasser liegen zu können. Ich fand das Bad sehr schön, besonders das runde Becken mit der Kuppel. Außerdem besuchten wir Sauna und Dampfbad und lungerten zum Schluss auch ein wenig im Jacuzzi rum.


Nach dem Baden waren wir hungrig. Bloß gut, dass wir eine Idee hatten, wie wir das ändern konnten. Wir besuchten das Napfenyes Etterem, ein vegetarisches Restaurant. Diesmal lagen wir absolut richtig, nur leider nicht damit, an einem Samstagabend keine Reservierung zu haben. Wir warteten ein wenig und bekamen dann einen Platz, an dem wir eine Stunde Zeit hatten, unser Essen zu bestellen und zu uns zu nehmen - die Zeit reichte uns zum Glück, sogar mit Dessert. Ich hatte die Linsensuppe aus dem Tagesmenü und gegrillte Seitanstückchen mit gegrilltem Gemüse und Sojajoghurt-Dip - es war traumhaft. Zum Nachttisch gab es noch Somloer Nockerln, so heißt das wohl auf Deutsch, natürlich auch vegan. Ich platzte fast, aber ebenso vor Zufriedenheit wie vom vollen Bauch.

An unserem dritten und leider auch dem letzten Tag hatten wir noch einmal Zeit, ein wenig durch die Stadt zu spazieren. Trotz reichlichem Frühstück und Abendessen am Vortag besuchten wir noch das Lotz Terem Bookcafe in der Alexandra-Buchhandlung am Andrassy-Boulevard. Es gab leckere heiße Schoki und großartige Torten. Das alles in einem Ambiente wie in einem Kaffeehaus der Habsburger-Zeit. Unbedingt einen Besuch wert!

Es war wirklich ein wunderbarer Ausflug und so ein verlängertes Wochenende lohnt sich von Temeswar mit nur wenigen Stunden Anfahrt vollkommen - aber vermutlich auch von Wien oder München. Ich habe ein paar neue Sachen an der Stadt entdeckt, die ich bisher noch nicht kannte oder nicht so kannte. 



Tipps für Aktivitäten in Budapest:
Auf der Margareteninsel ein Fahrrad leihen oder ein anderes Tretfahrzeug, oder sich Zeit nehmen, um Spazieren zu gehen.
In eines der Bäder gehen, dabei auch dem unscheinbaren Kiraly Bad eine Chance geben.
Escape Game macht überall Spaß, aber in Budapest gibt es wohl sehr viele verschiedene. Also, wenn man Lust darauf hat, es macht richtig viel Spaß.

Essen und Trinken:
Napfenyes Etterem - super leckeres vegetarisches Essen, aber besser vorher reservieren!
Lotz Terem Bookcafe in der Alexandra-Buchhandlung auf der Andrassy-Straße. Hier gibt es leckere Kuchen und Kaffee in schönem Ambiente.


Mittwoch, 4. Februar 2015

Irgendwo in Rumänien - Der alte Mann von nebenan

Mein Nachbar ist echt ein netter Typ. Er bezahlt die Nebenkosten für mich, wenn der Hausverwalter klingelt und ich nicht da bin. Denn so etwas wird in Rumänien persönlich und in bar bezahlt. Also muss man möglichst da sein, wenn der gute Hausverwalter vorbei kommt. Meine Nachbarn in meinem alten Block kannte ich kaum. Neben mir war so eine verrückte alte Katzenlady und unter mir scheinbar eine Opernsängerin. Denn man hörte sie ab und zu beim Proben. Nun wäre der stinkende Typ von nebenan auch nicht gerade jemand, den ich gern kennenlernen würde in einem normalen Leben. Aber hey, in Rumänien ist das eben irgendwie ein ziemlich normaler Nachbar. Und wie sich herausstellt eben sogar noch ein sehr netter.

Auf den ersten Blick denkt man, er ist Alkoholiker. Damit hat man auch sicher nicht ganz unrecht. Seine Klamotten immer ziemlich eklig, er stinkt und wenn er die Tür zu seiner Wohnung öffnet, riecht es nach dreißig Jahre nicht renovierter - und nicht gelüfteter - Raucherwohnung. Muffig, nach alten Leuten und einer Menge Zigarettenqualm. Er dünstet all das natürlich auch aus, wo immer er ist. Deswegen ist es eine Kür, ihn ja nicht herein zu lassen. Aber auch gar nicht so einfach. Wie er es schafft, ist mir nicht ganz klar, aber schwupps ist er über die Schwelle. Ob ich die Gasrechnung schon aus dem Briefkasten geholt habe. Das Geld für die Nebenkosten könne ich ihm bezahlen, wann immer ich es hätte. Wo ich gewesen sei. Er sei ja Ungar, aus Maramuresch. Und dann sagt er zwei Sätze auf Ungarisch. Im Rumänischen haben wir scheinbar ein ähnliches Sprachlevel, wir beiden. In der Körperhygiene rangieren wir nicht nur auf einem anderen Niveau, sondern in einem anderen Sonnensystem. Jetzt steht er also da und brabbelt unverständliches, sagt alles dreimal und kriegt nicht mit, wie man sich panisch nach einer Möglichkeit umsieht, ihn schnell wieder loszuwerden. Schon als er auf der Schwelle stand und es tatsächlich schaffte, seinen Körper in den Wohnungsflur zu manövrieren, mischte sich in das Erstaunen über dieses Überschreiten der Privatsphäre das blanke Entsetzen in den Blick. Danke, danke, ist ja nett, dass sie die Nebenkosten ausgelegt haben, aber jetzt raus aus meiner Wohnung, möchte man schreien. Und jetzt hat er tatsächlich seine Hand ausgestreckt und einen an der Schulter berührt. Angefasstwerden von fremden Menschen konnte ich ja noch nie leiden. Irgendwann begreift er es scheinbar, das er gehen sollte, oder ihm wird einfach langweilig und er dreht ab. Nochmal danke sagen, dann die Tür zu, abschließen und alle Fenster der Wohnung aufreißen. Es stinkt barbarisch.

Das Kuriose ist, dieser Mensch, den Mann auf der Straße für einen Penner halten würde, legt Monat für Monat die Nebenkosten in Höhe von zehn bis fünfzehn Euro aus. Er beschwert sich sogar noch beim Blockverwalter, wenn diese ihm zu hoch scheinen für das nette Mädchen von nebenan.

Samstag, 17. Januar 2015

Budapest - Baby it may hold you and all the trains will go away...

George Ezra hat ja sein güldenes Haus auf dem Budapester Hügel und vermutlich auch einen Privatjet oder wenigsten Helikopter dazu. Wenn man nun aber zu den Unglücklichen gehört, die auf einen Zug angewiesen sind, wird es schon schwieriger. Ein Ticket für internationale Verbindungen zu bekommen war nie einfach und schnell, meines Erachtens. Ich erinnere mich an die Glaskabinen, die es noch vor einem Jahr oder so gab, in denen die Beamten hockten. Auch da musste man schon eine Nummer ziehen. Und dann hieß es warten. Mit verzweifelten Menschen, die einen Anschlusszug brauchten und zwar möglichst schnell. Zeitweise gab es dann zusätzlich noch eine Servicekraft, die half, wenn man nur eine Verbindungsauskunft oder ähnliches benötigte. 

Ich habe ja schon mal eine Nacht in Budapest zugebracht, weil der Zug eine Stunde eher als auf bahn.de, der allgemeinen Referenz für Verbindungen in ganz Europa, angegeben war. Das war vor zweieinhalb Jahren und die Geschichte ist im Nachhinein ganz lustig. Das von Budapest nach Rumänien zu kommen nicht unproblematisch ist, hat sich aber scheinbar immer noch nicht geändert. Die Schalter für die Fahrkarten wurden wieder an eine andere Stelle verlegt. Die Fahrkarten für nationale Verbindungen bekommt man im Untergeschoss des Bahnhofes. Für internationale Verbindungen erwirbt man sie inzwischen in einer alten Schalterhalle auf der linken Seite des Bahnhofs etwas weiter hinten, wenn man vom Haupteingang kommt. Dort sind dann an einem durchschnittlichen, kalten regnerischen Januarsamstag drei Schalter mehr oder weniger geöffnet. Die Damen machen natürlich auch häufiger Päuschen oder müssen mal kurz weg. Man zieht eine Nummer und stellt dann mit erschrecken fest, dass noch etwa 40 Nummern vor einem sind. Und wartet. 

Glücklicherweise verlieren einige Menschen die Geduld und warten nicht auf ihre Nummer oder sie ziehen mehrere, so dass es zeitweise schneller vorangeht. Dennoch, hätten wir nicht unsere Nummer auch noch verloren, hätten wir anderthalb Stunden warten dürfen. Samstagabend ab 21 Uhr. Wir haben dann eine neue Nummer gezogen und weiter gewartet, aber glücklicherweise war ein netter Mensch, der zwei Nummern hatte, so nett, uns eine abzugeben. Die Schalterbeamten bei den internationalen Verbindungen unterscheiden sich scheinbar von den anderen dadurch, dass sie Englisch mindestens auf dem Level A1 beherrschen. Mehr aber sicher nicht. Für einen Ort und eine Zeit sollte das ja auch reichen, auch wenn man mehrere Menschen in Diskussionen mit Schalterbeamten verstrickt sah, die scheinbar zu rein gar nichts führten. Die allgemeine Stimmung in der Schalterhalle - angespannt, gereizt, genervt und verzweifelt - je nach Wartezeit. 

Als wir dann endlich dran waren, mussten wir zusehen, wie die Verkäuferin uns das Ticket per Hand ausfüllte und in Tabellen den Preis nachschlug. Es gab keinen Computer an ihrem Arbeitsplatz. Im Hintergrund konnte man aber zwei Rechner sehen. Einer war unbesetzt, aber Facebook war geöffnet. Das erklärte auch das zeitweilige Verschwinden der Beamten für kurze "Pausen". Am anderen spielte jemand Candy Crush oder irgendsoetwas. Wäre das Schalterfensterchen nicht so klein gewesen, ich wäre der Dame auf ihren Schreibtisch gesprungen vor Wut. Oder hätte sie durchgezerrt auf meine Seite. Ich hatte die ganze Zeit versucht, Verständnis zu zeigen und gemeint, es liege halt an der Organisation der ungarischen Bahn und nicht an den Mitarbeitern, aber mein Geduldsfaden war nun endgültig gerissen. Es dauerte natürlich per Hand auch einige Minuten, bis das Ticket ausgestellt war, aber das ließ ich ich mal meinen Reisegefährten machen, der noch genug Nerven aufbrachte. Ich meine, selbst in Rumänien funktioniert bereits alles digital und ich bekomme ein ausgedrucktes Ticket, auch für internationale Verbindungen.

Die Lehre daraus ist: Online-Tickets kaufen, soweit es geht. Die gibt es auch für internationale Züge und man muss sie an einem Abholautomaten in der Haupthalle des Budapester Bahnhofs ausdrucken lassen. Ich habe das schon mal gemacht und es funktioniert gut. Ansonsten Zeit mitbringen. Für einen Anschlusszug, der in einer halben Stunde fährt, bekommt man unter Umständen kein Ticket mehr. Eine weitere Möglichkeit: Wartenummer ziehen und je nachdem, wie viele Nummern vor einem sind und wieviele Leute schon warten, erstmal in der Unterkunft einchecken oder was essen gehen. Oder aufteilen beim Warten. 

Ansonsten kann ich Budapest sehr empfehlen. Ich liebe die Stadt und ich würde jedem empfehlen, mal hinzufahren. Mit dem Zug ist es super einfach und schnell - bis auf die Fahrkarten.


Dienstag, 13. Januar 2015

Exit Game Timisoara - entkomme aus dem Büro des kommunistischen Parteisekretärs!

Neulich kam die Idee auf, doch endlich mal Exit Games in Timisoara auszuprobieren. Ein Exit Game ist ein Raum, in dem man sich mit einer Gruppe von zwei bis fünf Personen befindet und aus dem man mithilfe von Hinweisen versuchen muss, wieder herauszukommen bzw. bei dem man versuchen muss, ein Rätsel zu lösen. Eine Art Exit Game gab es also schon zweimal in meiner Wohnung, als verschiedene Personen die Badtür hinter sich absperrten. Der Riegel verkeilt sich nur leider manchmal, so dass man länger als "nur mal kurz" verschwindet. In einem organisierten Exit Game hat man meist eine Stunde Zeit. Läuft die Zeit ab, hat man verloren. Schafft man es in weniger als 60min, hat man gewonnen. In meinem Bad darf man solange bleiben, wie man will, bzw. bis ich dann mal auf Toilette muss.


So ein Exit Game kann man nur einmal spielen, weil man dann weiß, wie es funktioniert und es würde keinen Spaß mehr machen. Um keine Hinweise zu geben, will ich deshalb hier nicht auf Einzelheiten eingehen. Zu meiner Badtür kann ich aber die Lösung verraten - man benötigt mindestens einen Komplizen, der einem von draußen eine Gabel unter der Tür durchschiebt, mit welcher man den Riegel versucht zurück zu schieben. In Timisoara gibt es, abgesehen von meinem Bad, noch eine Location mit zwei Räumen - einem einfacheren und einem schwierigeren. Wir haben mit dem einfachen angefangen - dem Büro des Parteisekretärs. Daneben gibt es noch die Bombe - dort muss, wie der Name schon sagt, eine imaginäre Bombe entschärft werden. Beim Parteibüro ist das Setting folgendes - man ist, während der Parteisekretär kurz weg ist, in das Parteibüro hineingeschlüpft. Die Tür wurde daraufhin leider versperrt und nun hat man eine Stunde, bis der Schreibtischtäter wieder kommt, um einen standesrechtlich exekutieren zu lassen. Um herauszukommen hat man eine Art Schaltkreis mit zweimal 37 Möglichkeiten, die man irgendwie verbinden muss, um die Tür zu öffnen. Doch zunächst muss man an die nötigen Kabel gelangen und an die Information, wie der Schaltkreis verbunden werden muss. Auf dem Weg dahin, gilt es kleinere Rätsel zu lösen, Codes für Zahlenschlösser zu finden und Schlüssl für einfache Schlösser. 

 Wir haben 52 Minuten gebraucht. Man muss eingestehen, dass der Typ, der das Exit Game betreibt, die ganze Zeit zuschaut, wie man sich abmüht, aber auch ab und zu Hinweise gibt, wenn man sich in die falsche Richtung verrennt. Alles in allem haben wir es aber echt gut gemeistert. Und das, obwohl ich anfangs meine Zweifel hatte, ob es mit diesem Team klappen würde - ich kannte die Leute nicht sehr gut und manchmal kam es mir vor, als würden alle nur wie ein Hühnerhaufen durch die Gegend rennen. Handy zu benutzen ist übrigens verboten - bringt aber im Endeffekt auch nichts. Für alle Fälle gibt es Stift und Papier. Ganz analog also - wie zu Zeiten der kommunistischen Partei.

Es ist jedenfalls super unterhaltsam. Ich würde so ein Exit Game jederzeit wieder spielen - leider kann man das ja nur einmal. Aber es gibt noch viele andere Städte, in denen es Exit Games - auch "Room Escape Challenges" gibt. Wahrscheinlich steht bald mal eine Reise nach Budapest oder Belgrad an...

Bilder: www.exitgames.ro / https://www.facebook.com/exitgamesro/

Montag, 5. Januar 2015

Ein neues Jahr, neue Chancen?

Das neue Jahr ist schon wieder fünf Tage alt. Ich sitze zuhause und gönne mir noch einen Tag Entspannung, bevor ich morgen wieder auf Arbeit gehe. Die Arbeit macht mir Spaß und ich freue mich auch darauf, meine Kollegen wieder zu sehen und meine Projekte weiterzuführen. Es ist schön, wieder hier zu sein in Timisoara. Dennoch habe ich über Weihnachten gemerkt, dass ich nicht weitermachen sollte. Ich behalte mir vor, diese Meinung noch einmal fundamental zu ändern, aber im Moment fühlt es sich so an, als sollte ich nach dem Sommer zurück in die alte Heimat. Mein Arbeitsvertrag läuft noch bis Ende August. Es ist nicht so, dass ich Rumänien satt hätte. Es ist eher so, dass ich das Gefühl habe, dass ich mal wieder ein Weilchen "zuhause" sein sollte. Jetzt kann man natürlich Wetten abschließen, wie lange ich es da dann aushalte. Ich sehe mich noch nicht mehrere Monate auf meinem Hintern sitzen. 


Als ich zuhause war, haben schon ein paar Leute gefragt, wann ich wiederkomme. Es ist wahnsinnig schön, den Wunsch zu hören, ich solle mich doch wieder in ihrer Nähe niederlassen. Da ich auch sehr gern in ihrer Nähe wäre, scheint es vernünftig, das auch umzusetzen. Während mir schon wieder hundert Ideen durch den Kopf schießen, müssen praktische Fragen natürlich noch warten. Aber während ich das hier so für mich beschließe, fühlt es sich gut an. Auch wenn ich weiß, dass es weh tun wird, die Menschen, die mir hier lieb geworden sind, hinter mir zu lassen.  


Also wieder ein bisschen Veränderung dieses Jahr. Auch wenn es noch fast ein dreiviertel Jahr dauert. Wäre ja sonst auch langweilig. Während andere sich nach Routine sehnen, muss ich mich in ein neues Abenteuer stürzen.