Sonntag, 3. Mai 2015

Radfahren im Banater Bergland

Ich hatte dieses coole Kartenpaket erworben - Mountainbiking im Banater Bergland. Außerdem habe ich schon seit längerer Zeit ein Mountainbike, was ich auch sehr gern für Touren rund um Temeswar benutze. Nun wollte ich auch die Bergtauglichkeit des Fahrrads testen und meine Bergtauglichkeit natürlich auch. Vorab - es war eine mäßig gute Idee.



Da der erste Mai dieses Jahr auf einen Freitag fiel und dies auch in Rumänien ein arbeitsfreier Tag war, wollten wir ein verlängertes Wochenende mit Mountainbiking im Banater Bergland verbringen. Ich hatte die Karten rausgesucht, die GPS-Tracks auf mein Handy geladen und meine Radhosen angezogen. Im Rucksack nur leichtes Gepäck für zwei Tage - ich wollte damit ja noch radeln können.

Zuerst nahmen wir den Zug nach Resita (Reschitz). Der Zug wird von der privaten Bahngesellschaft Regiotrans betrieben und für Fahrräder ist direkt im Triebwagen Platz, also ganz vorn im Zug. Es gibt eine einzige kleine Bank in dem Abteil, in dem man den Motor laut dröhnen hört. Am Freitagmorgen, waren natürlich nicht nur wir auf die Idee gekommen, mit dem Fahrrad loszuziehen und so waren bis zu acht Räder in dem Abteil untergebracht. In Reschitza hoben wir die Räder aus dem Abteil und los ging es.


Wir verpassten den kleinen Weg anfangs, der zwischen Tankstellen und Autoreparaturwerkstätten versteckt, abseits von der Hauptstraße in die Felder führte. Abseits heißt auch immer: Akute Hundegefahr. Das merkten wir schnell, denn wir wurden von ein paar Wachhunden angekläfft, die auch eine Weile neben den Rädern herrannten. Kein schönes Gefühl. Wir folgten dem Weg weiter und irgendwann begann eine ziemlich starke Abfahrt, an deren Ende uns wieder zwei knurrende Hunde begrüßten. Zum Glück kam gerade jemand mit dem Auto vorbei und verscheuchte die Hund für uns. Jetzt stellte ich fest, dass wir den falschen Weg genommen hatten - den steilen Hang wieder hinauf war aber keine Option. Wir folgten deshalb einer anderen Route bis ins nächste Dorf. Am Ende standen wir aber wieder vor Dreckpisten, die wer weiß wo hinführten und zum Teil gar nicht mehr zu erkennen waren. Wir schoben die Fahrräder mehr als wir fuhren übers Feld, ehe wir wieder eine befestigte Straße erreichten.



Das war definitiv nichts für micht. Kaum losgefahren, war ich mit dem Kräften am Limit. Diese Wege mochten erfahrene Mountainbiker vielleicht schaffen, aber keine Freizeitradler wie ich. Ich kapitulierte. Wir nahmen die Straße, ignorierten jede Querfeldein-Einbiegung und radelten auf befestigten Wegen unserem Ziel entgegen. Das war eine Pension in dem Ferienort Secu, direkt an einem Stausee gelegen. Auf dem Gelände eines ehemaligen Freibads, wie es schien, hatten unzählige Familien Decken ausgebreitet und grillten. Wir aßen in der Pension etwas zu Mittag - eine andere Option schien es auch nicht zu geben. Auch bei der Erkundung der näheren Umgebung stellten wir fest - hier gab es absolut nichts. Kein anderes Restaurant, keinen Minimarkt, nichts. Und so saßen wir gewissermaßen für zwei Tage im Funkloch fest.


Denn am nächsten Tag regnete es. Mal nieselte es gleichmäßig, dann schüttete es, dann regnete es wieder weniger intensiv. Ich wollte gern trotzdem bis ins nächste Dorf radeln - aber nach drei Kilometern drehten wir um - zu nass, zu kalt, zu schlechte Wege. Wir kapitulierten und machten es uns im Hotelzimmer bequem - unterbrochen nur von den Mahlzeiten. Am Abend wagten wir noch einen Sapziergang in das nahegelegene Ferienlager. Hier war der Rasen sauber gestutzt und alles war eingezäunt, ein ordentlicher Fußballplatz mit Tribüne wartete darauf, genutzt zu werden. Uns kam das irgendwie alles seltsam vor - und prompt wurden wir bestätigt. Denn kaum hatte man uns erblickt, schickte man uns wieder weg. Nein, hier gäbe es keinen Laden und das wäre nur ein Ferienlager für Kinder. Also zurück zu unserer Herberge.



Zum Glück hörte der Regen über Nacht auf und wir konnten am nächsten Morgen sogar bei recht schönem Wetter zurück nach Resita radeln. Wir blieben auf der Hauptstraße, zum Sonntagmorgen war sowieso wenig Verkehr. Dass es fast nur bergab ging trug sicher zum schönen Fahrgefühl bei. Nach einem Stopp in einer Konditorei für ein zweites Frühstück saßen wir wieder im Gepäckabteil der Lok bei unseren Fahrrädern. Diesmal zunächst die einzigen Gäste, doch bald gesellten sich ein paar Raucher dazu, die die weit offen stehenden Schiebetüren des Abteils nutzten, um zu rauchen.


Ich habe an diesem Wochenende einiges gelernt. Dass eine mittelschwere Mountainbiketour für einen Asphalt-Biker wie mich beispielsweise definitiv nichts ist - viel zu anstrengend ohne Training. Trotzdem war es eine gute Erfahrung, denn für ein paar Kilometer, die wirklich schön waren, hat es sich schon gelohnt. Hier eine ultrakurze Zusammenfassung der schönsten Strecken... und das sind bekanntlich vor allem die Strecken bergab. 




Die Videos und einige der Fotos sind mit der GoPro-Kamera meines Radgefährten aufgenommen.


Sonntag, 26. April 2015

Osterreise nach Maramuresch

Maramuresch gehört für mich zu den schönsten Landstrichen Rumäniens. Gerade zur Osterzeit wird ein Besuch dort empfohlen. Wir hatten uns vorgenommen, nun eben zum orthodoxen Osterfest hinzufahren. Das Programm vollgepackt mit Ereignissen, verbrachten wir drei herrliche Tage im hohen Norden. Wir reisten mit dem Zug nach Baia Mare und nahmen von dort am nächsten Morgen einen Mietwagen. Zurück ging es dann von Cluj, wo wir den Mietwagen wieder stehen ließen. Und so sah die Reise aus...


Ostersamstag - auf geht's!


Wir brachen kurz nach zehn Uhr in Baia Mare auf und verließen die Stadt in Richtung Sighetu Marmatiei. Auf dem Weg dahin ging es durch die Wälder, enge Serpentinen immer den Berg hoch. Es war eine wunderschöne Strecke und wir machten ein paar Mal kurz halt, der Aussicht wegen. In Sighet fuhren wir zum Museum und der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus. Die Ausstellung ist relativ groß, man sollte also Zeit mitbringen. Wir waren nicht allzu aufnahmefähig und verschafften uns eher einen Überblick, aber bereuten es trotzdem nicht, das Museum besucht zu haben.
Nach dem Museum fuhren wir weiter nach Sapanta, zum Fröhlichen Friedhof. Vorher fuhren wir aber erstmal noch ein Stück weiter und aßen in einer Gaststätte mit Forellenzucht zu Mittag. Für mich gab es leckere Mamaliga mit Käse und Schmand. Danach besuchten wir den Friedhof. Er heißt fröhlicher Friedhof, weil ein Kunsthandwerker aus dem Ort einst anfing, den verstorbenen Sprüche in die Holzkreuze zu schnitzen, die von ihrem Leben erzählten. Da war auch schon mal ein Schwank und eine lustige Geschichte dabei, um der Tragik des Todes etwas entgegenzusetzen. Auch heute noch wird die Tradition fortgesetzt und man kann auf den Kreuzen über Lebemänner und böse Schwiegermütter lesen. Ein Besuch lohnt sich vor allem, wenn man des Rumänischen mächtig ist.
Nach Sapanta wurde es auch schon langsam Abend und wir wollten eine Unterkunft für die Nacht auf einem der Dörfer suchen. Da uns an der Hauptstraße nichts so richtig zusagte, schauten wir dann doch im Internet und fuhren gezielt zu einer Unterkunft, die uns angezeigt worden war. In der Osternacht wollten wir zur Auferstehungsmesse gehen, deswegen war uns wichtig, dass wir in einem kleinen Ort mit Kirche waren. Nach einem kurzen Spaziergang machten wir ein Nickerchen, ehe es kurz vor zwölf Uhr nachts hieß, aufzubrechen.
Die Ostermesse ist immer interessant. In Maramuresch ist es oft so, dass ein Großteil des Dorfes in traditioneller Tracht kommt. Wir waren etwas außen vor, außerdem hatten wir keine Kerze dabei. Nach der Predigt geht man mit Kerze dreimal um die Kirche. Ein Mann wies uns darauf hin, dass es in der Kirche vielleicht noch Kerzen gäbe und wir durch den Seiteneingang hinein sollten. Wir hätten auch wieder durch den Seiteneingang hinaus sollen, als wir keine Kerze fanden, aber warum auch immer nahmen wir den Haupteingang. Damit standen wir direkt vorm Priester, praktisch auf dem Altar. Die alten Weiber in der ersten Reihe warfen uns bitterböse Blicke zu und es gab scheinbar keinen Weg zu entkommen. Entschuldigungen murmelnd kämpften wir uns schließlich durch die Gläubigen, um wieder in den hinteren Reihen zu stehen. Nun ging auch bald die Prozession los. Zuvorderst gingen die Frauen, dahinter die Männer. Was sollte ich nun machen? Ich wollte mich ungern von meinem Begleiter trennen. Inzwischen auch in Besitz einer brennenden Kerze schlossen wir uns in den letzten Reihen der Männer an - ich hoffe, Gott ist nicht so kleinlich, meine vollkommene Überforderung mit der Situation als Sünde zu werten. Mir gefiel die Atmosphäre, beispielsweise, dass auch fast jedem Grab Kerzen brannten. Nach so viel Aufregung mussten wir dennoch nicht bis zum Ende der Messe bleiben und wir entfernten uns unauffällig, nach dem wir dreimal um die Kirche gegangen waren.



Ostersonntag






Wir hatten in unserer Pension um Frühstück gebeten und dieses wurde uns auch vorbereitet - als wir aufstanden, stand alles schon bereit. Gekochter Schweineschinken, Würste, Drob (eine Art Pastete aus Schaf, Innereien und Ei), Ei, Tomaten, Meerrettich, Rote-Beete-Salat, süßes Osterbrot und Kuchen. Ich vergaß mal wieder mein Vegetarierdasein, denn es war Ostern, auch wenn mir später mein Bauch etwas böse dafür war - ich war eben einfach kein Fleisch mehr gewöhnt. Danach gingen wir zur zweiten Messe, wo wir auch zahlreiche Fotos von den Menschen in Tracht schießen konnten. Die Dorfbewohner hatten traditionelle Beutel mit Speisen gefüllt, die nun gesegnet werden sollten. Wieder trugen alle Tracht. Auch wir bekamen ein paar Spritzer Weihwasser ab. Unser Herbergsvater freute sich kindisch, dass er Kaffee in den Beutel zur Segnung geschmuggelt hatte und bot uns später vor dem Abschied noch davon an. So gestärkt waren wir für einen weiteren abenteuerlichen Tag vorbereitet. Außerdem nahmen wir selbst noch gewebte traditionelle Taschen, sogenannte Traiste, mit und ein Tuch für mich. Meine Tasche war gerade kaputt gegangen, da bot sich das an.
Nur wenige Kilometer weiter besuchten wir das Kloster Barsana. Es handelt sich um eine riesige Klosteranlage, die im traditionellen Stil mit sehr viel Holz erbaut ist und unzähliche Touristen anzieht. Es scheinen auch noch ständig weitere Gebäude hinzuzukommen, jedenfalls sah es so aus, als würde ständig erweitert. Wir aßen noch ein Eis und setzten uns an den vorbeifließenden Fluss, dann ging es weiter.

In Ieud machten wir noch Halt, um die Holzkirche zu besichtigen, die aber leider verschlossen war. Dann ging es weiter nach Borsa, wo wir dem Skigebiet einen Besuch abstatteten. Obwohl in den Bergen gelegen, lag auch hier kein Schnee mehr. Dennoch funktionierte der Sessellift. Nachdem wir uns in einem einfachen Gasthaus gestärkt hatten, fuhren wir die 2km lange Strecke mit dem Sessellift den Berg hoch. Oben lag noch Schnee und der Ausblick war beeindruckend. Auch ein paar Skiläufer und Wanderer waren hier oben noch unterwegs gewesen. Wir konnten nichts weiter unternehmen, da schon gleich die letzte Abfahrt ins Tal war. Wir kamen noch ein Wenig mit dem Mann, der den Lift oben betreute ins Gespräch. Witzigerweise hatte er einmal im Banat gearbeitet, und zwar in einer Firma, die damals der Großvater eines Freundes meines Begleiters leitete. Ja, Rumänien ist doch klein.
Wieder unten wurde es Zeit für uns, nach Viseu de Sus / Oberwischau zu fahren. Dort wollten wir im Hotelzug übernachten und am nächsten Tag einen Ausflug mit der Wassertalbahn machen. Der Hotelzug ist ein auf dem Bahnhof feststehender Zug, in dem in zwei Waggons aus den Abteilen Hotelzimmer gemacht wurden, außerdem wird das Essen im Speisewagen serviert. Ab 19 Uhr würde uns das Abendessen serviert, was im Paket enthalten war, also mussten wir uns sputen. Als wir ankamen, hatten wir dann aber doch noch Zeit, in aller Ruhe unser Abteil zu beziehen. Es war ein altes Schlafwagenabteil, mit zwei Liegen übereinander, einem kleinen Waschbecken neben dem Fenster und einer Garderobe. WCs waren am Ende des Zugs und Duschen in Containern neben dem Zug. Die WCs waren aber moderne Toiletten, die offensichtlich nachträglich eingebaut worden waren, ansonsten hatte das Zugabteil aber viel von seinem ursprünglichen Charme. Es war alles sehr gut gepflegt. Ein paar Nachteile gibt es aber schon - da der Zug ja nicht fährt und die Abteile sehr hellhörig sind, kann man praktisch alles von den Nachbarn mithören. Für große Menschen sind die kleinen Kojen sicher auch nicht so komfortabel. Es war ein nettes Abenteuer für eine Nacht und die Verpflegung zum Abendessen und zum Frühstück war ebenfalls sehr gut. Für einen längeren Aufenthalt sollte man aber vielleicht lieber die weiteren Nächte in einer Pension buchen, von denen es in Viseu reichlich gibt.


 

Ostermontag


Wir krochen zeitig aus den Betten und waren die ersten, die morgens um acht am Frühstücksbuffet standen. Es war übersichtlich, aber ausreichend, mit kalter Platte mit Wurst- und Käseaufschnitt, Müsli und Cornflakes, Joghurt, Marmelade, Saft und Milch sowie Brötchen und Brot. Dazu konnte man Kaffee oder Tee bestellen.


Wir checkten aus unserem Abteil aus und deponierten unsere Sachen im Auto, welches am Bahnhof bleiben konnte, dann gingen wir die Zugfahrtickets kaufen. Uns wurde empfohlen, uns gleich einen Platz im Zug zu sichern, was wir auch taten. Ich hatte ein bisschen Angst, auf der Fahrt zu verhungern, denn der Ausflug dauert etwa 6 Stunden und unterwegs gibt es nur Fleisch. Ein Steak musste ich jetzt nicht noch haben, also deckte ich mich am Bahnhof noch mit Krapfen ein. Leider gab es nichts anderes, nirgends gab es Kekse oder Schokolade zu kaufen. Ich würde empfehlen, besonders als Vegetarier, ein kleines Lunchpaket mitzunehmen. Außerdem kam schnell Angst vor schreienden Kindern auf. Gerade in dem Abteil, wo wir uns niedergelassen hatten, tauchten auf einmal eine Menge schreiener verzogener Bälger auf, nebst Eltern, die so gar nicht gingen. Wir beschlossen, umzuziehen, riskierten dann dadurch aber fast komplett irgendeinen Platz. Schließlich gelang es uns zwei wunderbare Plätze in einem Abteil mit drei etwa sechs- bis achtjährigen Jungs zu erwischen, die aber im Vergleich zum zweijährigen Schreikind aus dem anderen Abteil eine wahre Wohltat waren. Hier schoss auch keine Mutter unablässig Handybilder von ihrer ach-so-süßen Tochter, eine halbe Stunde bevor der Zug überhaupt losgefahren war.  
Die Fahrt an sich war wirklich schön, noch dazu, weil die Sonne praktisch die ganze Zeit über schien. Die Lokomotive dampfte kräftig und fuhr durch enge Täler und spektakuläre Landschaften. Als wir am Endbahnhof ankamen, hatte die Volkstanzgruppe schon losgelegt und Volksmusik schmetterte durchs Tal. Zu für Rumänien unerhörten Preisen wurden Grillteller verkauft und man konnte ein kleines Museum über das Wassertal besuchen. Alles in allem ganz schön, wenn auch nicht spektakulär. Nach über eineinhalb Stunden ging es dann zurück und wir landeten wieder am Ausgangspunkt.



Mit dem Auto fuhren wir noch bis Bistrita / Bistritz und gingen dort eine Pizza und ein Eis essen, bevor wir uns in einem Hotelzimmer zur Ruhe legten. Die letzte Etappe der Reise stand an.

Rückreise


Da wir das Auto in Cluj / Klausenburg wieder abgeben wollten, mussten wir noch bis dorthin fahren. Wir starteten frühmorgens, um noch Zwischenstopps machen zu können. Das taten wir dann auch am Banffy-Schloss in Bontida, wo seit ein paar Jahren im Sommer das Electric Castle Festival stattfindet. Das alte Schloss ist zum Teil noch eine Ruine, zum Teil bereits restauriert. Gegen ein geringes Eintrittsgeld kann man es besuchen. Wenn Bauarbeiter da sind, kann man sich leider nicht in dem Teil herumtreiben, der noch baufällig ist, sondern nur von außen schauen. Auf zahlreichen Tafeln wir die Geschichte der einzelnen Gebäude erklärt. Meines Erachtens lohnt es sich nicht unbedingt, das Schloss unbedingt zu besuchen, wenn man nicht ohnehin einmal von Cluj einen kleinen Ausflug machen will oder es auf dem Weg liegt, aber so ist es schon interessant.
In Cluj gingen wir noch beim Inder Mittagessen, danach ging es mit dem Zug nach Hause. 

Das war die Route: 



Und nun noch ein paar Infos:


Museum in Sighet: Memorial Sighet
Öffnungszeiten: täglich 9:30 - 18:30 (Sommer), dienstags bis sonntags 9:30 - 16:30 (Winter)
Eintritt: 6 Lei, 3 Lei ermäßigt
Weitere Infos (z.B. Öffnungszeiten an Feiertagen): http://www.memorialsighet.ro/ (4. Überschrift auf der linken Seitenleiste: Museum)

Wassertalbahn
Tägliche Fahrten 9:00 oder 10:00, Dauer ca. 6 Stunden incl. längerer Pause
Infos, auch zur Übernachtung im Hotelzug: http://www.cffviseu.ro/content/de

Übernachtung in einer privaten Pension:
www.agrotur.ro
Unsere Pension war folgende: www.agrotur.ro/bud - die Herbergsleute waren sehr nett und die Zimmer in Ordnung

Die Bilder sind nicht nur von mir, sondern auch von meinem Begleiter, trotzdem bitte nicht ohne anzufragen verwenden. 


Freitag, 17. April 2015

Lieblingsort: Ausblick vom Belvedere-Hügel in Cluj

Fast jedes Mal, wenn ich in Cluj bin, schaue ich mir die Stadt von oben an. Ich habe Fotos von 2008, als ich, gerade angekommen, mit anderen Erasmus-Studenten hochgeklettert bin. Damals war das Stadion noch alt und hässlich, ich dafür jung und kämpferisch.


Und die Stadt? Natürlich wunderschön!


2011 habe ich mich nicht bis ganz nach oben begeben und meine Kamera hat gestreikt - eine interessante Perspektive gibt es trotzdem oder gerade deswegen.




2012 dann wieder mit funktionierender Kamera - siehe da, das Stadion ist fertig! Und der letzte Schnee liegt auch noch.



Als der Schnee weg ist, wurde die Aussicht des Öfteren bei einem Eis oder einer Limo genossen, wie hier im Bild...


Im Herbst 2012 entstand dann noch eine Nachtansicht. 
 
 
Ein beliebtes Fotomotiv auch 2014...
 

 
Zu finden ist dieser Lieblingsplatz ganz einfach, denn das Belvedere Hotel ist weithin zu sehen.
 

 

Freitag, 20. März 2015

Irgendwo in Rumänien - Das Paket

Ich hatte nichts böses im Sinne, ich wollte einfach nur ein kleines, leichtes Paket verschicken. In einen Briefumschlag passte der Inhalt leider nicht, also habe ich mir eine alte Verpackung von Kopfhörern geschnappt, das zu verschickende Objekt rein, die ausgedruckte Adresse drauf geklebt und ab damit auf die Post. Bei der Hauptpost standen überall Schlangen vor den Schaltern, außerdem weiß ich bei großen Postämtern immer nicht, an welchen Schalter ich mich jetzt wenden muss. Also habe ich das Paket mit nach Hause genommen und bin bei mir um die Ecke in die kleinere Postfiliale. Das mit den rumänischen Postämtern ist ja ohnehin so eine Sache. Es kann sein, dass man Ewigkeiten wartet, weil davor drei alte Menschen sind, die sich ihre Rente auszahlen lassen oder jemand will seine Nebenkosten bezahlen... ein Einschreiben oder Paket abholen oder Post aufgeben scheint mir hier fast schon zum Nebengeschäft zu hören. Arbeiten im Übrigen auch. Als ich hereinkam war einer der zwei Schalter der kleinen Post besetzt, der zweite theoretisch auch, aber die Dame telefonierte in aller Seelenruhe, offensichtlich privat. Also wartete ich geduldig, bis sie aufgelegt hatte. Ich versuchte ihr das Paket rüberzuschieben, aber da kam gleich ein entschiedenes "Nu!" [Nein]. Ich setzte zum Sprechen an, nochmal "nu!". Ich formulierte schließlich, dass ich das gern nach Sibiu schicken wollte und nun hörte ich die ganze Auskunft "Nu merge asa" [So geht das nicht]. Ich müsste das Päckchen nochmal einpacken. In meinem Hinterkopf hatte ich diese Information sogar noch gespeichert gehabt - war ich vielleicht schon mal in der gleichen Situation gewesen? Jedenfalls verzog ich bloß das Gesicht, versuchte aber gar nicht erst zu diskutieren - Diskussionen mit Schalterbeamten sind in Rumänien sowas von sinnlos. Also zog ich wieder ab und schlug das Paket am nächsten Tag ein. Der nächste Versuch, eine andere Postbeamte. Sie telefonierte nicht, sondern war sofort bereit mir zu helfen. Sie schob mir einen Zettel rüber, auf dem ich Empfänger und Absender in winzige Felder einzutragen hatte - obwohl alles bereit gut leserlich, weil mit Computer geschrieben und ausgedruckt auf dem Paket stand. Witzigerweise mühte sie sich dann auch noch ab, den Zettel zu entziffern und schaute nicht etwa aufs Paket. Sie tippte alles mit zwei-Finger-Technik in den PC vor ihr - was ungefähr fünf Minuten dauerte, gab mir dann einen Ausdruck, kassierte etwa 50 Cent von mir und schob das Paket irgendwo neben ihren Schreibtisch. Mir kommt der Preis immer noch viel zu gering vor, obwohl das Päckchen nur innerhalb Rumäniens gesendet werden soll, aber größere Sorgen bereitet mir eigentlich, wie sie es beiläufig neben ihrem Schreibtisch abgestellt hat.

Dienstag, 17. März 2015

Eine Woche Co-Working im Ambasada in Timisoara

Temeswar hat seit neuestem einen gemütliches Lokal mehr. Aber es ist mehr als ein schönes, liebevoll eingerichtetes Lokal. Es ist ein Ort für kreative Ideen - ein Creative Hub und Co-Working Space. Aber wenn man möchte, ist es auch einfach ein gemütliches Café. Kreative Geister werden sich hier wohlfühlen - so viel ist sicher.


Ambasada heißt auf Deutsch Botschaft. Es soll ein Ort des Zusammentreffens sein, für einzelne Menschen genauso wie für Vereine und Organisationen. Im Café kann man einfach seine Arbeit mitbringen und sich mit Freunden, Kollegen oder Geschäftspartnern treffen. Unterschiedlich große Tische bieten Platz für unterschiedlich viele Menschen, im hinteren Bereich kann man sich es auch auf Sesseln oder Sitzsäcken bequem machen. Für Non-Profit-Organisationen kostenlos ist auch die Nutzung des Seminarraums und des Veranstaltungssaals. Hier kann man Konferenzen abhalten oder Teambesprechungen organisieren.


Die Idee stammt von den Organisatoren des Plai Festivals. Dieses Festival bringt zum einen Weltmusik auf die Bühne, zum anderen ist es ein Ort, wo sich Organisationen präsentieren können, Leute in Kontakt kommen können und das alles bei guter Musik, gutem Essen, guter Getränkeversorgung in einer super-chilligen Athmosphäre. Ich berichtete vom letzten Jahr. Der Traum von den Machern des Plai war es nun, einen solchen Ort für das ganze Jahr zu haben. Und sie haben es schließlich auch umgesetzt, denn die Devise ist: Wenn dir etwas nicht passt in deinem Umfeld, dann arbeite daran, es zu verändern! 



Ich habe nun das Ambasada ausprobiert und muss sagen, ich bin begeistert. Wir hatten eine Woche lang jeden Tag Arbeitstreffen dort. Dabei haben wir den kleinen Seminarraum und das Café genutzt. Was macht das ganze nun so angenehm?
  • Es ist rauchfrei. Geraucht werden darf nur draußen auf der Terrasse. 
  • Die Musik ist nicht zu laut und vor allem gut. 
  • Es gibt guten Kaffee, mit Sojamilch!, und entkoffiniert, als Latte, Cappuccino...
  • Die Kellner sind freundlich.
  • Es gibt leckere Snacks, wie kleine Käsecroissants oder eine Suppe zu günstigen Preisen.

Irgendwie scheinen manche der Punkte nicht so außergewöhnlich, aber Orte wie dieser sind eben doch außergewöhnlich. Leider ist es in Rumänien nicht selbstverständlich, dass die Kellner nett sind. Aber im Ambasada lächelt der Kellner noch, nachdem er auf einem Tisch einen Espresso mit Sojamilch, einen Cappuccino entkoffiniert, einen koffeeinfreien Caffe Latte mit Sojamilch und einen normalen mit Sojamilch endlich richtig zugeordnet hat. Total fasziniert hat mich auch das kabelfreie Boxensystem, bei dem man jeden Lautsprecher einzeln leiser drehen kann. Alles in allem ein hipper Hang-out, wie man ihn eher in Berlin erwarten würde. 


Donnerstag, 5. März 2015

Sibiu, du schöne Stadt

Ach Sibiu, oder Hermannstadt auf Deutsch, ist schon ein echt hübsches Städtchen. Zwei wunderbare Tage verbrachte ich letztes Wochenende da, denen man die Dienstreise, die der Kern des Ausflugs war, gar nicht anmerkte.


Sibiu ist von Timisoara mit dem Zug in ca. 7 Stunden zu erreichen. 2 Direktverbindungen gibt es täglich. Da ich auf Dienstreise war, durfte ich glücklicherweise einen Tag auf Arbeit fehlen und konnte am Freitag früh um acht starten. Ansonsten ist ein Wochenendausflug wirklich ein bisschen schwierig. Man hätte dann ziemlich genau einen Tag in der Stadt, wenn man am Samstag um acht starten würde, um 15 Uhr da wäre und am nächsten Tag um 15 Uhr zurück fährt und gegen elf Uhr nachts wieder in Timisoara landen würde. Ein bisschen wenig Aufenthalt für eine recht lange Fahrtdauer - aber vielleicht etwas für Leute, die in Zügen gut schlafen können.


Ich hatte also zwei Übernachtungen, und wenn ich auch am Samstag fast den ganzen Tag beschäftigt war, lohnte es sich vollkommen. Ich bin in der riesigen Wohnung von einer Arbeitskollegin und Freundin und ihrem Freund untergekommen. Die zwei waren nicht nur extrem nette Gesellschaft, sondern kümmerten sich auch ganz wunderbar um mich. Da ich Hermannstadt schon kenne, musste ich keine Museen besuchen oder Stadtmauer erkunden oder Kirchen anschauen - ich erkundete vor allem das kulinarische Sibiu ein wenig und lernte den lokalen Flohmarkt kennen

Mehrere Tipps kann ich weitergeben von diesem Aufenthalt:

In die Schiller-Buchhandlung am Piata Mare schaue ich eigentlich bei jedem Besuch in Hermannstadt herein. Und zwar eigentlich gar nicht so sehr wegen der Bücher, sondern wegen diesem Ständer mit Karten. Rumänienkarten und Wanderkarten für die verschiedensten Regionen. Jedes Mal suche ich, ob ich etwas für das Banat finde. Und diesmal bin ich sowas von fündig geworden - eine Radwanderkarte für das Banater Bergland mit insgesamt 28 Tourenvorschlägen.


Das Café Lili's an der Piata Mica ist ein schnuffeliges Lokal mit Kuchen, Speisen- und Frühstücksangebot. Auf zum Teil riesigen Sesseln und neben riesigen Gemälden, die Lili, scheinbar den kleinen Hund der Besitzer, zeigen, kann man sich niederlassen und wenn man Glück hat und am Fenster sitzt, sogar den Piata Mica betrachten. Das Lili's ist wie alle Lokale recht verraucht, aber am Sonntagmorgen hatten wir beispielsweise Glück und saßen sogar eine Weile, bis es zu frisch wurde, am offenen Fenster. Das Frühstücksangebot ist keine Offenbarung, aber solide. Imkerhonig oder selbstgemachte Marmelade sucht man vergeblich, aber der Obstsalat mit Joghurt und Müsli war lecker. Croissants gab es aber zum Beispiel zum Sonntagmorgen keine, das französische Frühstück fiel also aus.

Das Café L'Atelier am Piata Mare bietet an einigen Plätzen eine wunderbare Sicht auf den Platz durch die großen Fenster. Leckere Limonaden gibt es auch, und wenn man allein kommt, hat man sicher genug Beschäftigung damit, die Leute auf dem Platz zu beobachten. Auch schön in den Abendstunden, wenn die Gebäude am Platz schön angeleuchtet sind.
 

 Das Restaurant La Cuptor in der Strada 9 Mai. Ein nicht zu sehr auf Touristen und die Leerung ihrer Taschen ausgerichtetes Lokal, mit für Rumänien, zumindest für mich, ungewöhnlich exquisiten Angebot. In Hermannstadt mag man noch das ein oder andere feine Lokal finden, in Temeswar fällt mir da jetzt abgesehen vom Sky Restaurant nichts ein. Ich war jedenfalls positiv überrascht - ich hatte die Vorspeise Polenta mit Ziegenkäse bestellt und bekam eine Platte, auf der ein Turm aus Käse- und Polentatalern neben verschiedenen Kleinigkeiten angerichtet war, dekoriert mit einer Spur Meersalz. Das Auge isst mit, ich fand es sehr gut. Das Auge hat leider bei der Einrichtung des Lokals ein wenig zu leiden, irgendwie passt alles nicht so recht zusammen und ein einheitlicher Stil fehlt komplett. Das Restaurant ist sehr neu und hat erst eröffnet, aber schon jetzt ist es irgendwie ein eigenwilliger Mix verschiedener Einrichtungsaccessoires. Noch ein Punkt, den ich eher negativ fand: Es gab kein rumänisches Bier auf der Karte. Ich hatte am Ende ein gezapftes Staropramen, auch sehr gut. Die Preise sind für Rumänien gehoben, aber für deutsche Standards sehr ok.

Ja, das ist ein Kofferraum...

Der Flohmarkt! In Sibiu heißt dieser Piata Obor und ist wieder ganz anders, als der in Timisoara und der in Cluj. Da scheint jede Stadt so ihre Besonderheiten zu haben. Aber auch hier, eine Mischung aus Second Hand Klamotten, Haushaltsauflösungen, Fahrrädern. Daneben gibt es, anders als auf dem Flavia in Timisoara, auch Tiere und Autos. Wahlweise auch Tiere aus Autos. Der Trödel kam mir in Sibiu nicht so ramschig vor und die Stände übersichtlicher. Nur so ein persönlicher Eindruck. Ich fand ein deutschsprachiges Scrabble-Spiel, was mich eh total von dem Flohmarkt überzeugte. Ob es tatsächlich komplett ist, habe ich noch gar nicht geschaut.







Montag, 2. März 2015

Vorfrühlingsglück - ein sonniger Samstag in Timisoara

In Timisoara ist es bereits Ende Februar schon ziemlich mild. Hier im Banat dauert der Winter meistens nicht so lange und ist weniger streng als in anderen Regionen Rumäniens. Wenn man sich wie ich darauf freut, endlich wieder draußen was zu unternehmen, ist es natürlich toll, wenn an einem lauen Februarsamstag um die zwölf Grad Celsius vorherrschen. Und so habe ich den Samstag vor einer Woche genutzt.


Nach einem Frühstück mit Smoothie und Haferbrei – meine Lieblings-Morgenkombination im Moment, startete ich zum Flohmarkt. Ich wollte nach einer Jacke Ausschau halten und auch sonst, einfach mal sehen, was mir so über den Weg läuft. In Temeswar gibt es, soweit mir bekannt, drei Flohmärkte am Wochenende. Einmal der Ocsko – Er befindet sich am Stadtrand hinter dem Stadtteil Mehala vom Zentrum ausgesehen. Man erreicht ihn mit dem Bus Nummer 13 vom Piata Marasti. Dann gibt es noch Piata Flavia und Piata Aurora. Diese zwei Märkte sind direkt nebeneinander und am Besten mit der Straßenbahn Nummer 9 oder 7 (Haltestelle Transilvania) zu erreichen. Auf dem Piata Flavia gibt es fast alles – von deutscher Importschokolade und Joghurt, über pseudo-antike Möbel, bis hin zu Wohnungsauflösungen aus Deutschland, Second Hand Klamotten und Schuhen. Der Aurora-Markt ist nur Kleidung und Schuhen vorbehalten. Samstags ist der Eintritt im Flavia kostenlos, am Sonntag kostet es ein paar Lei. Bei Aurora zahlt man zwei Lei Eintritt (50 Cent). Ich stöberte ein wenig nach Jacken, und probierte sogar einige, aber das meiste was ich fand, war zu klein, zu hässlich, zu abgeranzt – irgendwas war immer. Dann sprang mir eine schwarze Softshell-Jacke in den Blick, sogar in meiner Größe – perfekt. Unübersehbar handelte es sich um eine Werbejacke einer deutschen Biermarke. Auf dem Kragen war eine Stickerei angebracht, an allen Reißverschlüssen baumelten kleine stilisierte „K“s zur Verzierung und ein großes K auch auf die Brust gedruckt. Und wenn ich mir auch nie so eine Jacke in Deutschland zulegen würde – wobei, zu dem Preis und fürs Radfahren in der Freizeit vielleicht schon – hier fand ich es so witzig, dass ich jetzt in meiner Freizeit, zum Wandern und Radfahren für das Team „Köstritzer“ unterwegs bin. Schwarzbier habe ich aber meist keins dabei.



Die Jacke war gekauft und wollte ausgefahren werden. Mein Drahtesel stand nach einer etwas missglückten Tour vor zwei Wochen, als sich schon mal so etwas wie schönes Wetter ankündigte, total verdreckt in meinem Flur rum. Ich hatte mich damals für eine Route über Feldwege entschieden, die aber bei matschigem Wetter vor allem in sumpfartige Feuchtgebiete führten. Irgendwann konnte ich in einer schienenbeinhohen Pfütze mein Rad im Schlamm nicht mehr manövrieren und hatte Absteigen müssen. Das Resultat waren schlammdurchtränkte Schuhe und nasse Füße auf der ganzen Heimfahrt gewesen. Und eben ein ziemlich dreckiges Fahrrad. Froh, dass der meiste Dreck nun abfallen würde, trug ich mein Mountainbike also die Treppen aus dem vierten Stock herunter und machte mich in Richtung Serbien auf. Kein Scherz! An der Bega entlang, dem langsam-dahinsickernden Kanal, der durch Temeswar und weiter Richtung Serbien führt, wurde seit Herbst letzten Jahres eine Radpiste angelegt. Ich war schon ein paar Mal dagewesen und auch vor der Fertigstellung bis zur serbischen Grenze einmal bis zum Ende, ich glaube das waren damals so 20km einfach, gefahren. Inzwischen ist die Strecke wohl 37km lang bis zur Grenze und im Sommer soll wohl sogar ein saisonaler Grenzkontrollpunkt für Radtouristen eingerichtet werden. Diesmal fuhr ich nur bis Sanmihaiu Roman und drehte wieder um. Jedoch sah ich schon hier, dass man gearbeitet hatte. Zum Beispiel muss man nicht mehr wie im letzten Jahr sein Fahrrad über die Bahnstrecke und die Gleise tragen sondern es gibt eine Unterführung am Fluss entlang. Auch wurden mehrere Schranken aufgestellt, damit die Strecke nicht mehr von Autofahrern benutzt wird. Diese Schranken haben aber den Nachteil, dass der Radfahrer auch nicht durch kommt, sondern sich daran vorbeischlängeln muss, also kurz den Radweg verlassen. Bei viel Betrieb werden diese Stellen sicher zum Nadelöhr werden, außerdem führt es den Radweg etwas ad absurdum. Es war wichtig und notwendig, eine Sperre aufzustellen, Poller wären aber in jedem Falle besser gewesen.

Nach meiner Radtour ruhte ich noch ein wenig aus, ehe es dann abends zu einem Jazzkonzert im Hostel Costel ging. Dieses gemütliche Hostel – ich habe nie hier genächtigt, aber schon ein paar Mal im Garten gesessen – ist eine Institution in Temeswar. Die Besitzer sind immer wieder an Veranstaltungen beteiligt und haben nun offensichtlich eine Konzertreihe in einem der Schlafsäle ins Leben gerufen. Letzten Samstag stand ein Jazz-Duo auf dem Plan, zusammengesetzt aus den Pianisten zwei der bedeutendsten Temeswarer Jazzbands – Spanache Trio und Jazzybit. Teodor Pop und Sebastian Spanache improvisierten und battleten sich zum Teil förmlich am Klavier. Wir waren früh gekommen und hatten somit freie Platzwahl – ich schlug eines der Hochbetten vor, aufgrund der guten Sicht. Wir blieben die einzigen mit dieser Idee, die Mehrheit der Zuhörer begnügte sich mit einem Platz im Hintergrund und auf den unteren Etagen. Das Konzert war ganz große Klasse, auch wenn ein wenig lang. Offensichtlich verlor nicht nur ich, sondern einige der Zuhörer nach zwei Stunden ein wenig die Geduld, was an der allgemeinen Unruhe zu spüren war. Man merkte den Jungs an den Keyboards echt an, dass sie Spaß am Musizieren hatten, aber zum Schluss wurde das Privatvergnügen, miteinander zu Jammen, etwas zu langwierig fürs Publikum. Das nächste Mal also vielleicht einfach privat fortsetzen...


Nicht alle Samstage hier sind so ereignisreich, manchmal hänge ich auch den ganzen Tag faul rum. Aber was ich sagen will – Timisoara hat durchaus Potential. Gerade jetzt im Frühling sprießen an allen Ecken nicht nur die Frühlingsblüher sondern auch die Ideen, scheint es. Im Moment entstehen so viele kreative Projekte, bei denen man Lust bekommt, hineinzuschnuppern, dass keine Langeweile aufkommt.