Mittwoch, 26. Juli 2017

Kreuz und quer durch Tiflis - Georgiens Hauptstadt als Abschluss


Die letzten Tage unseres Urlaubs verbrachten wir in Tiflis, georgisch Tbilisi, und erkundeten die Stadt. Wir hatten drei volle Tage dafür und am vierten mussten wir in aller Frühe am Flughafen sein, um über Istanbul zurück nach Deutschland zu fliegen. Da blieb genug Zeit für Walking Tour, Befreiungstagsfeier, Besichtigung der Riesen-Kathedrale und ganz viel Zeit in Cafés und Restaurants verbringen. 

Mit unserer Unterkunft hatten wir etwas Pech. Zunächst waren wir bei einer skurrilen älteren Russin gelandet, die über ein kleines Reich an Zimmern waltete und ganz genau wusste, wo wir unsere Rucksäcke am Besten abstellen sollten, während sie die Bedienstete schickte, uns das Bett zu beziehen. Eigentlich war das Zimmer (und das Frühstück!) aber sehr gut, gemessen daran, was uns danach erwartete. Wir wollten uns nämlich noch mal so eine richtig schöne Unterkunft gönnen zum Abschluss. Das Hotel Check-In erwies sich da aber als schlechte Wahl. Zunächst konnten wir nicht einchecken, weil sie unsere Buchung versemmelt hatten. Dann war niemand da, als wir morgens die Rucksäcke schon mal dalassen wollten. Die Unterkunft war solala, wie man das so kennt, mehr Schein, als sein. Das Waschbecken hatte ein Loch, besonders sauber war es auch nicht... Und zum Schluss hielt man unsere Rucksäcke als Geiseln, weil sie glaubten, wir hätten den Balkonschlüssel verschlampt.

Davon ließen wir uns aber die Urlaubsfreude nicht trüben - immerhin waren wir in Tiflis! Und gleich am ersten Tag starteten wir zu einer Free Walking Tour, die von einer charismatischen Ukrainerin geführt wurde, die uns in über vier Stunden quer durch die Stadt jagte - super, um einen ersten Überblick zu bekommen. Die Walking Tour ist wirklich zu empfehlen, auch wenn ich etwas bemängelte, dass die nicht so schönen Ecken ausgespart wurden. Dafür erzählte die Ukrainerin sehr viel über die Georgier (sie lebte mit einem zusammen). Schön fand ich auch, dass sie sich anders als Einheimische den Blick von außen ein Stück weit bewahrt hatte. Toughe Person, schöne Tour, klasse Einstieg in die Stadt. Den versteckten Wasserfall mitten in der Stadt hätten wir zum Beispiel auf eigene Faust wohl kaum gefunden. Nach dieser Tour gabelten wir abends einen Türken, der in Kutaisi ein Hostel eröffnen wollte, und einen Syrer, den er im Schlepptau hatte, auf und gingen zusammen trinken. 

Der nächste Tag war dann ganz dem Fest der Befreiung von den Faschisten gewidmet. Es war der 9. Mai, in einem Park in Tiflis war eine große Kranzniederlegung angekündigt. Wir verliefen uns erst ein wenig am Stadion, dann hatten wir es gefunden. Und wow, uns bot sich ein interessantes Bild. Leute stellten Bildchen von Stalin auf, Veteranen umarmten Kinder und nahmen Blumen entgegen und drumherum ganz viele Fernsehkameras. Es zeigte sich zudem wieder mal das fragile Konstrukt der georgischen Identität - ein Mensch mit angeheftetem Andreasband geriet am Rande der Feierlichkeit im Park mit Passanten darüber in Konflikt. Das Andreasband steht für die russischen Streitkräfte. Jemand entriss ihm den Anstecker und versuchte, das Band anzuzünden. Ein Handgemenge entstand, aber keine ernsthafte Prügelei. Trotzdem interessant - die Sowjetunion wird verehrt, aber Russland ist der große Feind? Hach, früher war alles besser (oder nur einfacher?)...

Außerdem besuchten wir an dem Tag noch einen Kunst- und Antiqitäten-Freiluftmarkt und kauften in der Altstadt Wein und Gewürze. In einem Laden, der versprach "no tourist prices" zu haben, gab es nicht nur großartige Gewürze, sondern die Preise waren tatsächlich sehr moderat. Der Verkäufer hielt mir einige Gewürzdosen unter die Nase und in meinem Gehirn explodierten förmlich die Synapsen. Ein Geruch war herrlicher als der andere und nach wenigen war ich unfähig, weiterzuriechen von so vielen Eindrücken. Ich nahm schließlich "Swanetisches Salz", "Für alles"-Gewürz und gemahlenen Koriander mit. Ich habe es bereits getestet und mein Favorit ist tatsächlich das Swanetische Salz. Yummy!

Unser letzter Tag war ab Mittag ziemlich verregnet. Ich wurde stundenlang nicht mehr richtig warm, weil die Nässe meine Hosenbeine hochkroch, aber ich hielt tapfer durch. Dafür hielt der Tag noch kulinarische Entdeckungen für uns bereit später. Zunächst ging es also los, die Post suchen. Ganz nebenbei entdeckten wir noch ein nettes Viertel jenseits des Flusses und abseits der Straßen, die uns als Orientierung dienten. Und die Nutella-Bar. Das war eine Art Eis-Milkshake-Süßigkeiten-Bude, wo man alles mit ganz viel Nutella drauf bekommen konnte. Scheinbar ganz frisch aufgemacht. Wir bestellten zwei Nutella-Shakes, an denen wir fast starben. Vielleicht auch daran, dass der (vermutliche) Besitzer aller drei Minuten neben uns stand und uns noch etwas kostenlos hinhielt - eine Erdbeere mit Nutella, ein kleiner Becher mit Eis oder einfach einen Löffel Nutella! Wir glaubten nicht daran, je wieder essen zu können. 


Nachdem wir dann die Post erledigt hatten, steuerten wir die gigantische Kathedrale an. Größer als die St. Sava in Belgrad (und das will was heißen), einfach nur riesig. Und sogar fertig (kann man von der St. Sava immer noch nicht sagen, oder?). Ich will nicht wissen, was das Ding gekostet hat. Größenwahn in seiner Reinform. Haben wir das also auch mal gesehen. Was sollten wir noch mit dem Regentag anfangen? Im Café rumsitzen ist natürlich im Urlaub die absolut richtige Antwort. Wir entdeckten das zauberhafte Café Leila und blieben stundenlang. Limonadenlang. Inzwischen konnten wir auch wieder essen und taten es. Es gab eine leckere vegetarisch-vegane Auwahl. Bevor es aber dazu kam, wärmte ich meinen ausgekühlten Körper im Schwefelbad. Und das war so... 


Die Schwefelbäder in Tiflis gibt es mit privaten Becken zu unterschiedlichen Preisen, aber man muss schon sehr viel Glück haben oder zu einer seltsamen Zeit kommen, um ein freies Becken zu erwischen. Tags zuvor war uns das nicht vergönnt. Außerdem gibt es das öffentliche Bad - allerdings gab es hier nur für die Herren auch Becken, für die Damen lediglich Duschen mit Schwefelwasser. Da gingen auch die Georgier*innen hin, um sich mal gründlich zu schrubben. Ich beschloss also, durchgefroren, wie ich war, eine heiße Schwefeldusche könne nicht schaden. Und begab mich zum Bad. Ich bezahlte Eintritt und irrte durch ein Gewirr von Gängen. Hier machte eine Frau der anderen die Haare, hier aß eine ihr mitgebrachtes Abendbrot, hier unterhielten sich zwei. Schließlich kam ich er Sache näher. Ob ich Seife kaufen wollte? Öh, nee. Man gab mir ein einfaches Baumwolltuch, also ohne Frottee - mein Handtuch und eine Dame wies mir einen Spind an. Nun hieß es blankziehen und ab in die Gruppendusche. Hier standen schrumpelige und nichtschrumpelige, aber tatsächlich überwiegend alte Frauen und schrubbten sich gründlich. Ich suchte mir einen Platz, drehte das Wasser auf und ließ das Heilwasser auf mich prasseln. Tat das gut! Ich genoss eher einfach das fließende heiße Wasser, dessen Temperatur man regulierte, in dem man normales kaltes Leitungswasser dazu mischen konnte. Ich brauchte es aber gerade sowieso sehr warm. Minutenlang stand ich da, ich kann gar nicht sagen, wie lange ich einfach nur die Kälte abwusch. Irgendwann war ich fertig, mein Spind wurde wieder aufgeschlossen, ich zog mich wieder an. Und fühlte mich augenblicklich viel besser. Frohgemut ging ich ins Café Leila zurück, wo meine Reisegenossin auf mich gewartet hatte...

Ich aß nun auch noch was von dem super leckeren Angebot des Cafés und wir saßen noch etwas rum. Was sollten wir noch mit dem Tag anfangen? Noch ein wenig durch die Stadt streifen? Eigentlich war der Plan gewesen, vielleicht auch noch in einer Bar einzukehren, aber bei dem Regenwetter hatten wir wirklich überhaupt keinen Spaß daran. Wir endeten unsere Georgien-Reise im wunderbaren Abajuri und ließen uns dort auch ein Taxi zum Flughafen rufen. Den Plan, mit dem Bus zu fahren hatten wir aufgrund des strömenden Regens aufgegeben. Im Taxi dann noch eine kleine Offenbarung - der Taxifahrer sprach Französisch! In all den Tagen hatten wir uns mit dem Russisch meiner Reisegefährtin gut durchgeschlagen, ein bisschen Englisch hier und da, aber auf die Idee, es mit Französisch zu probieren, war ich nicht gekommen. 


Meine Empfehlungen in Tiflis:
  • Der Blick von oben! Von Mutter Georgien oder der Burg aus bietet sich ein schönes Panorama ebenso vom Café Flowers auf der anderen Seite des Flusses. Und eine Seilbahnfahrt ist auch zu empfehlen (ganz normal mit einem Ticket vom öffentlichen Nahverkehr). 
  • Abends und nachts werden der Fernsehturm und die Freiheitsbrücke angestrahlt. Die Freiheitsbrücke sieht dann aus wie eine überdimensionierte EU-Flagge... Der Fernsehturm leuchtet in georgischen Nationalfarben rot-weiß, wenn nicht gerade Europatag ist, dann natürlich auch blau-gelb. Die Georgier wissen schon, wo sie liegen auf der Landkarte, oder? Naja, ist wohl noch Eurasien, meinen manche... 
  • Den Blick von oben mit der Nachtansicht kombinieren :) 
  • Durch die Straßen treiben lassen und wunderschöne Gassen entdecken, aber auch Orte, wo die Häuser nur noch von schweren Metallpfeilern vorm Einstürzen bewahrt werden. Schrottreife Autos und witzige Streetart - zum Beispiel die ganzen Schafe...



Und hier noch eine Auswahl an Lokalen in Tiflis: 

Das Prosepero's Books and Caliban's Coffee auf der Rustaveli Ave. 34 liegt in einem schönen Hinterhof, hat Snacks, Tee und Kaffee. Im Buchladen gibt es viele englische Bücher und eine kleine feine Auswahl Postkarten.

Das Zoestan auf der Vakhtang Beridze Str. 5 ist ein cooler Ort zum Abhängen, Trinken und Locals kennenlernen (die aber leider im Versuchsfall, sehr jung und sehr betrunken und sehr schnell hoffnungslos in die Fremde verliebt waren). Eine eher Underground-Bar und ein bisschen heruntergekommen, aber mit viel Charme. 


Das Abajuri, weil einfach wunderschön! Ganz wunderbar lässt sich auf der Gallerie um den Innenhof sitzen, die Inhaber sind super nett und auch das Interieur ist sehr schön. Zu finden in der Kote Afkhazi 5/7. 

Und das Café Leila, welch ein zauberhafter Ort. Super leckeres Essen und hausgemachte Limonaden, sehr gemütlich und hübsch orientalisch. In einer kleinen Gasse gelegen und zwar der Erekle 2. 



Sonntag, 16. Juli 2017

Von den Weinhängen Georgiens in die Steppe - Signagi und Dawit Garedscha

Die Reise nach Georgien führte uns nach dem Aufenthalt in Kutaissi und einem kurzen Zwischenstopp in Gori weiter nach Signagi. Hier sind wir im Herzen der Weinregion, in einem zauberhaft schönen Ort gelandet.


Signagi liegt auf einem Hügel und ist umgeben von einer weitläufigen Wehrmauer. Der Ort ist malerisch, kaum ein hässlicher Neubau verschandelt das Bild der Kopfsteingassen, Ziegeldächern und Holzbalkone. Einige Kirchtürme dazugetupft und die Betrachterin schwelgt im idyllischen Anblick. Wenn dann am Horizont auch noch die schneebedeckten Gipfel auftauchen, grenzt das Bild an Perfektion.

Unsere Unterkunft war einfach und das Zimmer sehr klein, aber die Tür ging direkt auf die schöne Veranda der Gastgeber,  auf der sie uns auch das Frühstück servierten und zum Weintrinken nötigten. Ansonsten machten wir einfach viel die Umgebung unsicher. Da gibt es einiges zu entdecken. Zum einen lohnen sich Streifzüge durch den Ort. Es gibt zwei Kirchen, wovon eine scheinbar nur noch eine Ruine ist. Dafür kann man auf die St.-Stefans-Kirche hochsteigen und schöne Bilder machen. Auch die Wehrmauern kann man erklimmen und ein Stück darauf lang laufen. Am Ende befindet sich ein Aussichtsrestaurant mit Blick über die weite Landschaft. Natürlich nahmen wir diese Möglichkeit zur Stärkung gern an.

Um nicht nur den kulinarischen Genüssen in Georgien zu fröhnen, sondern auch von der kulturellen Seite etwas mitzubekommen, wollten wir auch das Kloster Bobde aufsuchen. Der Komplex rund um ein Frauenkloster überrascht mit für Georgien exzellenter touristischer Infrastruktur - Toiletten und ein Besuchercafé. Allerdings kamen Touristen auch Busladungsweise an. Wir unternahmen den Spaziergang zur Quelle der Heiligen Nino, was ein schöner Weg durch den Wald war und ein etwas anstrengenderer Wiederaufstieg zum Kloster. Bobde liegt nur wenige Kilometer von Signagi entfernt und ist gut zu Fuß zu erreichen, auch wenn wir an der Landstraße entlang laufen mussten. 

Das Bobde-Kloster war nun nach Gelati und Motsameta bei Kutaisi das dritte, das wir besuchten. Kaum verwunderlich in einem Land, in dem die Orthodoxie gerade wieder erstarkt und das sich rühmt, neben Armenien das erste christliche Land gewesen zu sein. Da wir noch mehr vom Land sehen wollten, suchten wir auch noch eines der Höhelnklöster, von denen es in Georgien mehrere gibt, auf. Dawit Garedscha liegt nahe der aserbaidschanischen Grenze in einer steppenartigen Landschaft. Wir hatten mit einem Taxifahrer um den Preis gefeilscht und dann beinahe das Taxi doch nicht genommen, weil uns einige Lehramtsstudentinnen unbedingt mit ihrem Minibus mitnehmen wollten. Das sorgte für etwas Irritation mit dem Taxifahrer, der auch entsprechend miesgelaunt startete. Wir fuhren zunächst Richtung Sagaredscho, was aufgrund des Fahrverhaltens des Mannes am Steuer schon abenteuerlich genug war und dann auf immer dreckpistenartiger werdenden Wegen zum Kloster. Wir wurden ordentlich durchgeschüttelt, Steine flogen zur Seite, wir sahen die Tierwelt der Steppe und die eindrucksvollen Sedimentsschichten der umliegenden Hügel. Hier sagten sich vielleicht nicht Fuchs und Hase "Gute Nacht" (oder doch?), aber eine Schildkröte sagte uns am Straßenrand zumindest auf der Rückfahrt "Auf Wiedersehen!" 

Zunächst sahen wir uns aber das Kloster an. Da es noch von Mönchen bewohnt wird, sind nicht alle Bereiche zugänglich. Die Toilettenanlagen und die touristische Infrastruktur lassen hier eher zu wünschen übrig - man sollte selbst Snacks und Wasser und Klopapier mitbringen. Das Kloster an sich ist eine recht große, beeindruckende Anlage. Auch hier gibt es eine Quelle, die am Fels oberhalb des Klosters zu entspringen scheint. Und wenn man noch weiter läuft, kommt wohl noch eine kleine Kapelle. Ich habe mich auf den Weg gemacht und ein paar beeindruckende Blick über die Hügel gewonnen, aber schließlich doch vor der Sonne und Hitze kapituliert und bin umgedreht. Vielleicht war das gar keine schlechte Entscheidung und ich habe einen schlimmen Sonnenbrand vermieden. 

Bei der Rückfahrt ließen wir uns von unserem Taxifahrer in Sagaredscho rauslassen. Hier wollten wir eine Marschrutka Richtung Tiflis nehmen, die wir auch schnell fanden und die uns schon bald in die Hauptstadt brachte. 


Donnerstag, 15. Juni 2017

Frisch!

Ich hatte einen richtig schönen Abend gehabt. Dass ich das Landleben genieße, das passiert ja eher selten in letzter Zeit. Meistens hetze ich hin und her und sehe nur, was alles noch zu erledigen ist, den Kopf voller Sorgen. Aber dieser Abend war anders: Ich habe mich mit diesen Menschen, die ich kaum kannte, sofort wohl gefühlt. Ich habe eher aus Vernunft kurz vor zwölf gesagt, dass ich mich besser hinlege. Und ich hätte mich am Liebsten auf Arbeit krank gemeldet und wäre mit ihnen weitergereist. Aber am Ende bin ich doch ein pflichtbewusster Mensch und nach ein wenig Bier und Schnaps, nach spannenden Gesprächen, mit übervollem Magen voller Grillgut knüllte ich schließlich auf der Couch und checkte nochmal, ob der Wecker auch auf 6:30 gestellt war. 

Als es hell wurde, wachte ich jedoch schon auf und um sechs beschloss ich dann, nicht weiter zu versuchen, zu schlafen. Ich schmierte mir noch ein Brötchen, putzte mir die Zähne, zog mir das nach Mückenspray und Schweiß riechende Shirt vom Abend wieder über und beschloss, bevor ich auf Arbeit fuhr, noch beim Steinbruch zu halten und die Dusche durch ein Bad im kühlen Wasser zu ersetzen. Ich packte alles ins Auto, was ich mitnehmen musste, legte mir mein Handtuch bereit und lenkte nach wenigen Kilometern auf den Feldweg ein, der zum See im Steinbruch führte. Ich parkte am Feldweg, nahm das Handtuch und lief die letzten Meter zum See. Mir fiel das Schild des Anglervereins ("Vereinsgewässer! Angeln nur für Mitglieder") und "Betreten verboten!" auf, beim letzten Besuch hatte ich das nicht gesehen.

Es war kurz nach sieben, höchstens 7:15 Uhr. Der Anblick des Steinbruchs war bezaubernd - das Wasser kräuselte sich nur ganz leicht und der See lag sehr ruhig. Ich war ganz allein. Ich hängte mein Handtuch an einen Baum, ließ die Klamotten zurück und stieg nackt in das kalte Wasser. Es war kalt, aber angenehm und ich fühlte mich nach der kurzen Nacht und trotz des kleinen Katers, den ich hatte, erfrischt. Ich schwamm nicht lange, nur eine winzige Runde, nur um einen klaren Kopf und einen guten Start in den Morgen zu haben. Als ich wieder draußen war, rubbelte ich mich ab und stellte noch fest, dass ich ausreichend nüchtern war, um Auto zu fahren - das Balancieren auf einem Fuß, um die Socken und Schuhe anzuziehen, gelang mir recht gut. Ich warf auch das Shirt wieder über und schlüpfte in die Jeans, ich würde doch noch kurz zuhause vorbeischauen, um zu duschen, bevor ich auf Arbeit ging. 

So schlenderte ich mit dem Handtuch auf dem Arm zurück zum Auto. Und mir entgegen kam ein Polizeiauto. Die Polizisten schienen Streife zu fahren. Kurz nach sieben Uhr morgens, auf einem Feldweg an einem Steinbruch zwischen kleinen Dörfern irgendwo in der sächsischen Provinz. Sie hielten an und stiegen aus. Ich verlangsamte meine Schritte und überlegte, ob ich auf sie zugehen sollte. Ich konnte nicht leugnen, dass ich gerade gebadet hatte, oder was sollte ich sagen? Schließlich waren meine Haare nicht nass, also vielleicht konnte ich es auch abstreiten. Und mein Auto, durfte das da am Feldweg stehen? Der ältere der Polizist unterbrach meine Bedenken. "Alles in Ordnung.", meinte er und schickte ein "Frisch!" hinterher. Ja, frisch fühlte ich mich.

Samstag, 10. Juni 2017

Gori - Stalin und Völkerfreundschaft

Ich werde es gleich zu Anfang sagen: Stalins Geburtsstadt ist wirklich nicht besonders sehenswert. Das Museum ist interessant, vor allem wie es aufgezogen ist, ansonsten kann man noch einmal zur Burg hochklettern und das war es dann auch - eigentlich muss man hier keine Übernachtung einplanen. 

Wir hatten uns für einen Besuch in Gori entschieden, weil es strategisch günstig zwischen Kutaissi und Tiflis liegt, mit dem Zug zu erreichen ist und, eben, weil es doch irgendwie interessant ist, Stalins Geburtsort zu besuchen, umso mehr, wenn es da noch ein Museum ihm zu Ehren gibt. Wir stolperten aus dem Bahnhof heraus gleich mal instinktiv in die falsche Richtung, um dann einen relativ langen Fußweg Richtung Innenstadt anzutreten. Hinter dem Stalin-Museum gab es zwar eine Touri-Info, die aber entgegen der angezeigten Öffnungszeiten geschlossen hatte. Sie wurde von der deutschen GTZ finanziert, wie auf einem kleinen Schild zu lesen war, weswegen uns das Nicht-an-die-Öffnungszeiten-halten unverschämter vorkam, als ohnehin schon. Schließlich nahmen wir ein Taxi zu unserer Unterkunft, da wir einfach überhaupt keine Orientierung hatten. 

Wir waren in einer kleinen Pension untergebracht, wo gleichzeitig fünf Tschechen nächtigten und uns wurde gleich noch ein Abendessen angeboten, was wir gleich noch "zubuchten". Allzu vielversprechend erschienen uns die kulinarischen Möglichkeiten nach unserem Fußmarsch zu urteilen nicht in Gori. Wir erklommen vorm Abendessen noch die Festung, von der man einen schönen Ausblick über die Stadt hatte und ließen uns dann mit drei der Tschechen am Tisch nieder. Die Hausherrin hatte gekocht und aufgetischt und, verkaufstüchtig wie sie war, schwatzte sie uns gleich noch ein paar Flaschen selbstgemachten Wein auf. Wir sprachen dem Wein zu, wir unterhielten uns prächtig und fielen irgendwann zufrieden in unsere Betten. Die Tschechen erfüllten das Klischee, dass ich von ihnen habe: Außerhalb ihres Wohnsitzes sind sie eigentlich nur mit voller Trekking-Ausrüstung anzutreffen und auch gerade dabei, die nächste Bergtour zu planen. Ich habe auch schon Tschechen getroffen, die nicht in dieses Muster passten, aber unsere Abendgesellschaft war defintiv gerade am Überlegen, welche Berge sie sich aufgrund der Witterung am Besten vornehmen sollten. Unsere Wege trennten sich also nach dem Frühstück am nächsten Morgen, denn wir wollten das Stalinmuseum angehen. Doch vorher kam noch die ernüchterte Feststellung - kein Kater, kein Kopfschmerz, kein flauer Magen. Ein Weingelage ohne Folgen? War es vielleicht wirklich ein ganz besonderer Wein, den die Georgier da kelterten?

Das konnten wir an dem Tag nicht weiter klären, erstmal ging es zum Stalinmuseum. Das Museum wurde 1957 dem Generalissimus gewidmet. Seither scheint sich darin nicht viel verändert zu haben. Prächtige Hallen mit hohen Decken, ein cleverer Aufbau, der die Aufmerksamkeit immer wieder auf Portraits oder Büsten lenkt - das Gebäude ist ziemlich prunkvoll. Der Inhalt ist voll an Glorifzierungen, Bildern von Stalin und allen möglichen Menschen, die ihm die Hand schütteln. In einem Schaukasten war dann mal zu sehen, welche Georgier*innen während des Stalinismus verfolgt wurden, aber ansonsten drehte sich alles um die Verherrlichung dieses Mannes. Wir haben etwa eine Stunde gebraucht, uns aber auch nicht jede Info durchgelesen (wenn es nur auf georgisch und russisch war, musste ich eh passen). Danach ging es noch zu Stalins Reisewaggon, der nichtssagender kaum hätte sein können - meines Erachtens waren alle Gegenstände mit Hussen verhüllt, was ja auch Sinn macht, bei ziemlich alten Möbeln, wofür ich aber wiederum nicht extra Eintritt zahlen möchte. Das kann man meiner Meinung nach weglassen. 

Interessant war, dass es Menschen gab, die da weniger touristisch rangingen als wir. Vor dem Waggon machte eine Abordnung der chinesischen kommunistischen Partei (wie ich vermutete, ich kann aber auch komplett daneben liegen) ein Foto. Wenn man noch nicht genug von Stalin hat, kann man sowohl im Museumsshop als auch hinter dem Museum noch Touristennippes kaufen. Ich hätte ja eine Postkarte vom jungen Stalin mitgenommen, um jeden zu zeigen, dass der heute als heißer Hipster durchgehen würde, die gab es aber leider nicht. 

Auch in Gori holte uns die neueste Geschichte wieder ein - 2008 gab es Kampfhandlungen in der Stadt, als die russische Armee im Land war. Gebäude wurden bombardiert, noch heute sieht man an vielen Gebäuden Einschusslöcher. Und wieder schaffen es die Georgier, ihr nationales Gefühl irgendwie zurechtzubasteln. Stalin war ein Guter, aber die Russen sind die bösen - da wird ganz schön viel Geschichte passend gemacht auf nur ein paar Quadratkilometern.

Wir hatten in Gori am Wein genippt und daher zog es uns an Tiflis vorbei nach Kachetien - die Weinregion Georgiens. Nach einem Marshrutka-Wechsel in Tiflis saßen wir in einem Kleinbus nach Signagi - wo weitere Abenteuer auf uns warteten... 

Sonntag, 28. Mai 2017

Vom Festhängen


Es ist ein lustiges Geräusch, wie die Biene in der Blüte der Akelei brummt. Als würde sie feststecken. Vielleicht tut sie das sogar, aber der süße Nektar ist eben so lecker, dass sie trotzdem immer wieder sie glockenförmigen Blüten anfliegt.

Ich liebe die Bienen und das Herumgeschwirre, wenn ich hinterm Haus meiner Großeltern sitze. Es steht leer, weil meine Oma bereits tot ist und mein Opa im Betreuten Wohnen lebt. Das ist nun schon seit ein paar Jahren so und deshalb hat sich die Wildnis den Garten zurückerobert. Ich liebe Akelei und es stört mich nicht, dass sie sich inzwischen unkrautartig über den gesamten Garten ausgebreitet hat. Ich liebe es zum Frühstück im Bademantel an der Hintertür zu sitzen mit einem Buch, einem Tee und einer Schale Müsli. Während ich mein Müsli löffele, denke ich an zu organisierende Dinge und wie ich heute heldenhaft den Dschungel bezwingen werde, der der Garten inzwischen geworden ist. Soviel Bienennahrung wie möglich stehen lassen, das ist selbstverständlich mein Ziel. Ich will eigentlich nur Schneisen schlagen. Damit ich noch ein bisschen wegkomme von all den schweren Gedanken, die da sonst noch so auftauchen, lese ich etwas in Margarete Stokowskis „Untenrum frei“. Ich bin ganz verliebt in das Buch – es ist ein angenehm entspanntes Plädoyer für Feminismus.

Eine halbe Stunde später stehe ich fluchend neben dem Rasenmäher. Er will nicht anspringen. Keine Chance. Ich zerre und zerre am Starter. Ich pumpe Benzin mit dem Primer zum Anlasser. Ich zerre wieder. Ich schwitze inzwischen, mein Pferdeschwanz hat sich gelockert, mein Arm fällt fast ab. Nach dutzenden Versuchen gebe ich auf. Nicht um bei jedem Vorbeilaufen später noch fünf mal am Starter zu ziehen. Gerade noch ein Feminismus-Buch gelesen, jetzt scheitere ich an einem beknackten Benzinrasenmäher. Ich will das können. Resigniert schreibe ich meinem Bruder, ob er helfen könne. Und schaffe es trotzdem, das für mich positiv zu werten, dass ich Hilfe annehmen möchte und sogar darum bitte. Er kommt später am Nachmittag, schreibt er zurück.

Mein Arm ist zwar immer noch gefühllos vom vielen Ziehen, trotzdem beschließe ich, dass ich dann eben zuerst die Hecke schneide, wenn der Rasenmäher nicht mitmacht. Ich lege mir Verlängerungsschnur und wuchte die kiloschwere elektrische Heckenschere durch die Gegend. Bestimmt 25m Hecke gilt es zu bezwingen und zum Teil ist diese 2m hoch. Nach einigen wenigen Metern will die Heckenschere nicht mehr. Ich tippe auf Wackelkontakt, da sie mal geht, mal nicht. In diesem Moment kommen mir die Tränen und ich bin nah dran, vor Überforderung zu kapitulieren. Überlege, ob sie beim Baumarkt Heckenscheren verleihen oder ob ich es einfach bleiben lasse und einen Scheiß auf alles gebe. Geknickt lege ich das Kabel in Schlaufen und will es zurückhängen, da fällt mir auf – mit dem anderen Kabel ging es ja vorhin. Ich probiere noch mal und siehe da, es lag nur am Verlängerungskabel. Also weiter. Und jedes Mal, wenn ich an der Straße stehe und die Hecke mehr zerrupfe denn zurechtstutze, sehe ich mich, wie die Leute mich sehen – „Die Kleine mit der schweren Heckenschere, na Mensch, hat die denn keinen Mann, der das machen kann?“. Vielleicht denken sie das gar nicht. Vielleicht finden sie es unglaublich cool. Ich fände es gerade unglaublich cool, wenn früher jemand zu mir gesagt hätte: Hier ist eine Heckenschere, so bedient man die. Hier ist ein Rasenmäher, schau, so macht man das. Vielleicht wäre dann die Hecke nicht zerrupft und ich würde den Rasenmäher anbekommen. Aber ich war halt immer eher beim Marmelade-Kochen dabei. Zweifelsohne auch eine wichtige Aufgabe, aber wie ich gerade merke, nicht die einzige, die in einem Haus mit Garten anfällt.

Ich sitze später nach dem Mittagessen mit einem Eis in einem schief gewachsenen Apfelbaum. Ich werde mir eingestehen, dass ich kapituliere. Ich kapituliere, weil ich Schönheit sehe, wo andere einen ungepflegten Garten sehe. Ich kapituliere, weil ich nicht wie alle Nachbarn jeden Samstag damit verbringen möchte, den Vorgarten in Schuss zu halten, den Rasen zu mähen und die Büsche und Bäume zu beschneiden. Ich kapituliere aber vor allem, weil ich das nicht schaffe. Das liegt nicht daran, dass ich eine Frau bin und mir der richtige Mann fehlt. Das liegt daran, dass ich allein kämpfe. Gemeinsam mit einer anderen Frau, die weiß, wie man die Zündkerze am Rasenmäher überprüft, wäre es schon viel leichter.

Wenn es mir dann noch gelingt, meiner Kapitulation hinterherzuschicken: „Ich muss das nicht. Ich muss mir die Verantwortung nicht aufbürden.“, dann kann ich auch wieder den Bienen zuhören, wie sie in den Akelei-Blüten festhängen. 


Montag, 22. Mai 2017

Kutaisi, Georgiens verschlafener Parlamentssitz

Ankunft


Kutaisi ist die drittgrößte Stadt Georgiens, hier steht das futuristische neue Parlamentsgebäude, hier befindet sich einer der Flughäfen, der besonders von den Billigairlines angeflogen wird. Ohne einen billigen Wizzair-Direktflug von Memmingen / Allgäu-Aiport aus, wären wir da wohl auch nie gelandet. Und nach Memmingen wäre ich wohl auch nie wieder gekommen in meinem Leben. Aber so war es, nach drei Stunden Flug landeten wir gegen Mitternacht am hochmodernen Flughafen und ließen uns ganz klassisch gleich mal von einem privaten Schlepper übers Ohr hauen (er bot uns an, uns für "20" ins Zentrum zu bringen, nur dachten wir Lari und er meinte Euro, was einen gewaltigen Unterschied macht, da 26 Lari etwa 10 Euro sind). Also Achtung, besser ordentlich absprechen und ein richtiges Taxi nehmen. All zu viele gab es davon nicht, als wir ankamen, dafür umso mehr Privatmenschen, die Touristen ausbeuten wollten. Da wir uns das Taxi mit zwei anderen Deutschen geteilt hatten, war das aber auch noch zu verkraften.

Wir kamen in unserem Hotel an, in einer ranzigen, schlecht beleuchteten Straße und wurden nicht enttäuscht von unserem Zimmer - Kitsch und Rosa und Schnörkel überall. Wir hatten uns den Spaß gemacht, das Lux Palace zu buchen, in der Erwartung osteuropäischer Übertreibung an den Grenzen jeglichen Geschmacks und das Hotel enttäuschte uns nicht. Das Frühstück war reichlich und gut, das Zimmer war billig, der Service zuvorkommend, nur der Weg in die Stadt war etwas weit.

Am nächsten Tag erkundeten wir selbige und stellten fest - so viel gab es da jetzt auch nicht zu erkunden. Für den nächsten Tag nahmen wir uns deshalb gleich den Naturpark mit "Dinosaurierfußabdrücken" vor, für den Tag darauf das Weltkulturerbe-Kloster Gelati und dann wollten wir uns mit einem der zwei täglichen Züge weiter in Richtung Tiflis begeben. Kutaisi ist hübsch und dadurch, dass es nicht viel zu sehen gab, verbrachten wir umso mehr Zeit in Cafés und Restaurants, von denen es einige hübsche gab. Wir entdeckten die pappsüße georgische Limonade für uns, die es in seltsamen Geschmacksrichtungen wie Sahne und Vanilie gab, wir streiften durch die Innenstadt und stiegen zur Bagrati-Kathedrale den Hügel hoch. Wir entdeckten schöne kleine Eckchen, die sich uns unerwartet offenbarten, wie nach dem Besuch der Kathedrale an einer kleineren Kirche in der Nähe, deren schattiger Garten ein überwucherter Friedhof war.





Sataplia-Nationalpark mit "Dinosaurierspuren"

 



Die Touristeninfo in Kutaissi zog während unseres Besuches in ein tolles frisch renoviertes Gebäude nahe des Flusses um, aber zumindest als wir da waren, waren die Infos immer noch ähnlich spärlich und die Mitarbeiter*innen zwar bemüht, leider wussten sie aber auch nicht mehr, als auf ihren Flyern stand. Der Tipp, mit der Mashrutka zum Nationalpark rauszufahren, war zwar ganz gut, nur wies uns niemand darauf hin, dass wir da nie wieder wegkommen würden. Wir fuhren also nach Sataplia, wo irgendjemand angeblich vor fast einhundert Jahren Dinosaurierspuren entdeckt hatte. Und als sei das nicht genug, auch noch Spuren zweier unterschiedlicher Saurierarten, die Millionen von Jahren zeitlich voneinander getrennt gelebt hatten. Für mich klingt das ziemlich absurd. Aber wir konnten ja noch nicht wissen, was uns erwartete, als wir die Marschrutka dorthin nahmen. Die fuhr an der Eissporthalle ab- es gab tatsächlich eine schlecht isolierte Eishalle im Mai, in der einige Kinder unter einem Trainer Eishockey trainierten. Der Fahrer fuhr uns bis zu dem Parkplatz, wo schon einige Menschen saßen, allerdings augenscheinlich überwiegend Angestellte des Nationalparks. Uns wurden Karten verkauft und eine ganze Zeit lang sage man uns, dass es in zehn Minuten eine Führung geben würde. Warum man uns nicht allein hereinließ war uns da noch nicht ganz klar. Jedenfalls fand schließlich wirklich eine Führung statt, natürlich auf Russisch, so dass ich außer "Dinoßaurrrr" nichts verstand und als besonders auflussreich erwiesen sich die Hinweisschilder auf Englisch jetzt auch nicht. Die Dinosaurierfußstapfen waren recht wenig beeindruckend, die Höhle, durch die wir gingen, ganz schön, aber auch hier gab es nicht viel zu tun. Vielleicht wäre es noch ganz nett gewesen ein Eis zu essen, aber das Besuchercafé sah nicht so aus, als habe es jemals schon geöffnet gehabt, obwohl es kaum ein paar Jahre alt sein konnte, ebenso wie die gläserne Besucherplattform, die einen fantastischen Blick ins Tal bieten sollte - aus Sicherheitsgründen geschlossen. Interessant fand ich viel eher, dass überall gebaut worden war - Besucherzentrum und Infokiosk und Plattform und das mitten im Naturschutzgebiet. Außerdem fuhr ein Kleinwagen mit Warnblinke die ganze Zeit kreuz und quer über die asphaltierten breiten Wege. Er hielt bei uns an, der Fahrer stieg aus, und fragte uns, ob wir schon an der Höhle gewesen seien. Wir bejahten, daraufhin ging er den riesigen Generator ausschalten, der offensichtlich die Höhle mit Strom für die Beleuchtung versorgte. 

 

Gelati-Kloster




Wir hatten genug, gingen zurück Richtung Ausgang, nicht ohne uns noch über die infantilen Dinosaurierzeichnungen kaputt zu lachen, die den Weg säumten. Dann fragten wir, ob es denn auch eine Marschrutka gäbe, die irgendwann Richtung Kutaisi zurück fahre. Gab es natürlich nicht. Wir wollten also einfach den Berg runter laufen bis zur nächsten Ortschaft und schauen, ob dort eine vorbeikommen würde, aber ein Georgier gabelte uns auf und nahm uns bis in die Stadt mit. Das witzige ist, dass sich die fehlene Marschrutka für den Rückweg am nächsten Tag wiederholte. Wir fuhren zum Gelati-Kloster, schön gelegen in den Hügeln um Kutaisi. Der Marschrutka-Fahrer lud uns ab und auf Nachfrage erfuhren wir, dass in drei Stunden eine Marschrutka zurück fahren würde. Das Kloster ist tatsächlich ganz schön, aber es war unmöglich, drei Stunden hier zu verbringen. Wir quatschten schließlich ein ukrainisches Pärchen an und teilten uns ein Taxi zurück mit ihnen, was uns zusätzlich noch zum nahegelegenen Kloster Mozameta, das uns viel schöner vorkam. Eine Treppe führte zum Kloster herab und nachdem wir eine Bogenbrücke überquert hatten, gelangten wir schließlich zu dem kleinen Klosterkomplex. Die Aussicht auf die Flußbiegungen ist herrlich. Ich würde einen Besuch unbedingt empfehlen! 

Militär-Museum


Nun hatten wir wirklich alles gesehen, was es in und um Kutaissi zu sehen gab und wir konnten beruhigt weiterfahren. Als nächstes hatten wir uns Gori vorgenommen, hier wollten wir mit dem Zug hinfahren, was gut möglich ist, aber nur entweder früh um fünf oder zwölf Uhr mittags. Wir entschieden uns eindeutig für die Mittagsvariante, wir waren ja schließlich im Urlaub. Außerdem wollten wir uns noch das Museum über die Heldentaten des georgischen Militärs ansehen, das passte gut rein. Nachdem wir die Fahrkarten gekauft hatten, gingen wir also noch mal fix zum Museum. Es war tatsächlich interessant. Aus irgendeinem Grund ist die georgische Armee im Irak unterwegs (warum auch immer, Teil der NATO sind sie ja nicht, die Museumsführerin konnte uns auch nicht genau erklären warum). Außerdem wird natürlich der Krieg mit Russland um Abchasien und Südossetien illustriert. Aber am wichtigsten ist wohl der zweite Weltkrieg. Der Generalissimis war schließlich georgischer Herkunft, da muss man ihn schon entsprechend verehren. Und genau das fand ich die interessanteste Stelle der ganzen Ausstellung - in ein und dem selben Raum wurde der ruhmreichen Sowjetunion gehuldigt und das böse Russland für den Einmarsch in Georgien 2008 verurteilt. Was für ein kompliziertes Gebilde muss dieses Geschichtsbild sein, damit beides irgendwie reinpasst. Wir verließen das Museum, nicht ohne gefragt zu werden, ob es in Deutschland auch solche Museen gäbe. Ich gab zu Bedenken, dass es aufgrund des Zweiten Weltkriegs ja recht wenig ruhmreiche Militärgeschichte gäbe, meine Reisebegleiterin erwähnte aber, dass es durchaus militärhistorische Museen gäbe. Naja, nur sehen die halt etwas anders aus, als dieser Soldatenverehrungsort...

Noch mehr Stalin-Huldigungen sollten wir am nächsten Tag im Museum in dessen Geburtsstadt Gori erleben. Unreflektiert scheint mir eine unzureichende Beschreibung für den Personenkult, der dort immer noch betrieben wird. 

Sonntag, 14. Mai 2017

Blogfutter: Georgien.

Ich war endlich mal wieder so richtig urlaubsmäßig unterwegs und habe etwas, womit ich diesen Blog füttern kann. Es wird vermutlich wieder Wochen dauern, bis ich ein paar Texte geschrieben habe, erst recht jetzt im Sommer, wo draußen-sein auch sehr verlockend ist. Aber ich nehme es mir ganz fest vor, zumindest über ein paar Facetten der Reise zu berichten. 


Georgien hat mich ziemlich beeindruckt, es ist an einigen Ecken kitschig schön, es ist tatsächlich verdammt bergig, es gibt ein paar Sachen, die ich gern vorher gewusst hätte und georgischer hausgemachter Rotwein verursachte selbst nach dem Konsum mehrerer Gläser keine Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Soviel als Preview, mehr gibt es demnächst.