Donnerstag, 25. Dezember 2014

Weihnachten altfel

Altfel ist rumänisch für anders. Weihnachten in Rumänien ist anders. Auf den ersten Blick würde ich sagen mehr blinkende Lichter, mehr Kitsch und mehr Konsum. Aber das stimmt nicht ganz. In Deutschland habe ich nie Leute erlebt, die ein Spektakel auf der Straße aufgeführt haben oder nachts Lieder singend um die Häuser gezogen sind. Irgendwie scheint es also doch auch Herz zu haben.



Ich habe den Entschluss, den ich seit Jahren hege, Weihnachten ja nicht zu Hause zu verbringen, erstmals umgesetzt. Habe bei einer rumänischen Familie Weihnachten gefeiert. Und hier gibt es schon das erste Problem – was ist im Banat eigentlich rumänisch? Die Familie jedenfalls eine typische Banater Mischung, mit ungarischen, deutschen und rumänischen Anteilen. Ein typisch rumänisches Weihnachtsfest durfte ich zudem nicht erwarten, weil die Hausfrau aus gesundheitlichen Gründen Diät halten muss und somit Krautwickel und Sahnetorten für alle unter den Tisch fielen – darüber war ich aber gar nicht böse. Also war es in jeder Hinsicht anders als gedacht. Es gab kein Protokoll, keine Zwänge, keine Essenszeiten, keine Kirche, keine Gäste. Nur vier Personen, die einen Tag lang auf der faulen Haut lagen, so gut es eben ging. Es wurde natürlich viel gegessen und viel genascht zwischendurch, Geschenke gab es auch, aber irgendwie fand ich es alles sehr enstpannt. Kein „Oh, ist der Baum aber schön, so gleichmäßig gewachsen“ - zu meiner Freude gab es keinen echten Baum. 


Behinderte Weihnachtsbäume

Das alles ist natürlich ein sehr persönlicher Eindruck, aber es war ein sehr schönes Weihnachten. Heiligabend gibt es keinen Kartoffelsalat sondern Nudeln mit Mohn und Zucker. Den lärmenden Zigeunern, die verkleidet vorbeiziehen muss man etwas geben, wenn man das Fenster öffnet und herausschaut. Am zweiten Weihnachtsfeiertag haben die Geschäfte wieder offen, damit der Rumäne seiner Lieblingsbeschäftigung – Konsum – nachgehen kann. Viel mehr Erkenntnisse habe ich auch nicht aus meinem ersten halbwegs rumänischen Weihnachtsfest gezogen.


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Leben auf der Dauerbaustelle


Temeswar ist eine einzige Baustelle. Sobald man in der Innenstadt zu tun hat, kann man seine frisch geputzten Schuhe vergessen. Wenn es regnet, klebt der Dreck an den Strumpfhosen oder Hosenbeinen, an den Stiefeln und Turnschuhen sowieso. In den Läden schleppen die Leute den Schmutz herein, in den Cafés... ganz Temeswar ist wie von einer feinen Dreckschicht überzogen.

Klar, wer Fortschritt möchte, muss in den sauren Apfel beißen, dass eben Späne fallen, wo gehobelt wird. Aber das Hobeln sollte von Anfang an zwei Jahre dauern, findet in der gesamten Innenstadt gleichzeitig statt und verzögert sich ständig. Denn sobald man mit dem Spaten in die Erde sticht, trifft man hier in der Stadt auf irgendwelches antikes Gerümpel, dass die Römer, die Daker, die Osmanen oder im Zweifelsfall die Habsburger hier gelassen haben. Ich als Historikerin verstehe natürlich, dass man sich das auch ansehen sollte und es ordentlich konservieren muss, aber im Endeffekt bedeutet es für mich, als Bewohnerin dieser Stadt, noch länger über irgendwelche Holzplanken an den Bauarbeitern vorbei zu balancieren.

Dazu kommt die Absurdität. Da wird mit dem Presslufthammer vor ein paar Wochen gegossener Beton wieder aufgerissen. Oder an der neuen Brücke der zwei Monate alte Fußweg mit großen Kratern versehen. Zwischen den Abraumhalden wirkt die Kunstinstallation, als gehöre das so. Die Vögel suchen wohl nach dem Sinn, aber der ist in den Erdhügeln auch nicht zu erkennen. 
Foto: Eye in the Sky
Für viele Lokale in der Innenstadt bedeutete die Dauerbaustelle bereits das Aus. Rumänien ist dynamisch, so ist es nicht - ständig entstehen an anderer Stelle neue Lokale. Aber das was einst einer der schönsten und belebtesten Plätze der Stadt war, ist nun seit über einem Jahr Dauerbaustelle. Dafür ist ein anderer Platz fast fertig, der Piata Libertatii / Freiheitsplatz. Ziegelrotes glattes Betonpflaster mit Altstadtpflaster zu Ringen um eine der ältesten Statuen der Stadt angeordnet ist so ziemlich der Gipfel des schlechten Geschmacks. Den Fotografen von Eye in the Sky hat es zu der Feststellung verleitet: Heute auf dem "Roten" Platz, ehemals Freiheitsplatz.




Donnerstag, 27. November 2014

Ausflug nach Norden

Ich hatte mir einen Tag frei genommen - Mehrstundenausgleich, wie sich das im Behördendeutsch schimpft - um mit einem lieben Menschen ein verlängertes Wochenende zu genießen. Ich hatte die Idee, nach Baile Felix zu fahren und danach nach Cluj. Es sollte eine kleine Rundreise werden, der Rückweg sollte dann über die Strecke östlich des Gebirges erfolgen. Ich buchte eine einfache Unterkunft in Baile Felix und ein dafür extravagantes Hotel in Cluj - eines, in dem ich immer schon mal wohnen wollte. Freitagnachmittag ging es also los...

Shhh... wo geht es hin?


Zunächst fluchte ich kräftig, den für die ersten fünf Kilometer der Reise brauchten wir bestimmt über eine halbe Stunde. Der Stadtverkehr war zum frühen Freitagnachmittag superzäh und ich atmete auf, als wir endlich auf der Autobahn waren. Autobahn gibt es hier nur leider nicht so viel, so dass es schließlich auf Bundesstraßen weitergehen musste. Irgendwann kamen wir trotzdem in Baile Felix an. Ich hatte die Koordinaten der kleinen Pension, wo ich ein Zimmer reserviert hatte, glücklicherweise herausgesucht, so dass wir es schnell fanden. Wir zogen uns die Badesachen an und nichts wie zum Aquapark. In der Pension, die etwas unter 15 Euro für das Doppelzimmer verlangte, hatten wir ermäßigte Tickets bekommen, die etwa 10 Euro für uns beide kosteten. Eine sehr kostengünstige Variante also. Wir planschten gut - zwei der drei Rutschen und einige der Außenpools waren trotz des kühlen Wetters geöffnet, außerdem gab es mehrere Innenpools, ein Dampfbad und eine Sauna. Der Aquapark kann es nicht mit einem großen Spaßbad aufnehmen und auch nicht mit einer Wellness-Therme, sondern liegt irgendwo dazwischen. Ein Kompromiss - kein schlechter und auch kein besonders herausragender. Es hat jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, ein bisschen im heißen Thermalwasser rumzuliegen und ein paar Mal rutschen zu gehen. Bei mir machte sich danach extreme Erschöpfung breit und ich schlief sehr gut.

Am Samstagmorgen fuhren wir recht früh nach Cluj weiter. Da wir ohne Frühstück gestartet waren, war unser erster Anlaufpunkt ein schönes Café am Museumsplatz. So gestärkt mit Bundáskenyér (Arme Ritter) bzw. Apfelkuchen, konnte es weiter gehen. Wir fuhren zum Hotel und da musste der arme Karl mal wieder ganz schön ran. Ich schaltete runter und mit viel Schwung nahmen wir den Festungshügel. Am Hotel Belvedere parkten wir und bezogen unser Zimmer im dritten Stock mit Balkon und Ausblick über die Stadt.


Wir trafen uns dann mit meinem ehemaligen Sprachtandempartner und tranken ein Bier im "Klausen", dann aßen wir noch einmal richtig beim Inder im Studentenviertel. Ich musste meinem Begleiter unbedingt noch das "Insomnia. Dort tranken wir noch eine pudding-dicke heiße Schokolade, dann reichte es aber auch - wir überlegten noch in den Hotelswimmingpool zu gehen. Als wir am wunderschönen Hotel Continental vorbeikamen, hatte das glücklicherweise gerade mal wieder für irgendeine Veranstaltung geöffnet - wir schlichen uns zum Bilder machen rein. 
Das Hotelschwimmbad hingegen war abends um acht leider bereits nicht mehr geöffnet, also mussten wir das auf den nächsten Morgen verschieben. Nach einem frühen Weckerklingeln machte ich mich lustig angezogen auf dem Weg zum Fitnsse- und Wellnesscenter. Da dieses laut Aussage des Personals nur zu erreichen war, wenn man kurz das Hotel verließ, hatte ich mir den Mantel übergeworfen und trug zur dreiviertelkurzen Sporthose meine Schnürstiefel. Ulkig sah ich aus. Ich habe dann aber im Fitnesscenter schnell die Laufschuhe angezogen und ab ging es für ein paar Minuten aufs Laufband. Nachdem ich ins Schwitzen gekommen war, belohnte ich mich noch mit ein paar Bahnen Schwimmen im Hotelpool und der Start in den Tag war perfekt. Zurück ging es direkt durch die Verbindungstür zur Hotelhalle, von der der Rezeptionist scheinbar noch nie was gehört hatte. Jetzt konnte das Frühstück kommen. Das Frühstück war solide, vielleicht ein wenig unter dem sonstigen Standard des Hotels, aber ausreichend. Wir drehten noch eine kurze Runde am Belvedere-Hügel und blickten auf die Stadt, dann brachte Karl uns wieder Richtung Temeswar. 

Beim Blick auf die Karte wurde klar, dass wir fast an Rosia Montana vorbeikamen. Da wir noch nie in der Bergbaustadt waren, in der ein heftiger Kampf um das für und wieder eines riesigen Goldbergbauprojektes inklusive Giftsee tobt, dass Rumänienweit und sogar Europaweit Wellen geschlagen hat, beschlossen wir hinzufahren. Und es war tatsächlich sehr seltsam - eine ganz normale rumänische Gemeinde mit ein paar wenigen super aufgehübschten Häusern - von der kanadischen Bergbaufirma gesponsort, die hier schürfen will, wie ich wusste. Dann ein Museum in der Ortsmitte. Über das Gold. Ebenfalls gesponsort von eben dieser Gold Mine Corporation. Als wäre das alles noch nicht seltsam genugt, bietet das Museum freien Eintritt und ein angestellter eben der Corporation - allerdings weise gewählt, ein Ureinwohner von Rosia Montana - leiert den Werbetext der Firma runter, während er die Ausstellungsstücke erklärt. Sehr sehr suspekt. Wir hatten noch einiges an Weg vor uns, haben daher nur kurz den römisch-katholischen ungarischen Friedhof besucht und rollten daraufhin den Berg wieder runter, weiter in Richtung Temeswar. 


Die weitere Strecke war zum Verzweifeln, überall Bauarbeiten und Ampeln und einspurig, dazu LKWs und lebensmüde Rumänen. Irgendwann gegen sechs, sieben am Abend landeten wir wieder in Temeswar - um einige Eindrücke und ein schönes Wochenende reicher.




Samstag, 15. November 2014

Veränderungen, wohin das Auge blickt...

Ein Jahr bin ich nun in Timisoara- und es hat sich doch etwas getan seitdem. Die Baustellen, darauf werde ich noch kommen, bringen mich noch genau so zum verzweifeln wie vor Monaten, aber es gibt ein paar neue Sachen in der Begastadt.

Erstmal auf Arbeit, da ist mir folgendes auf der Hinweisetafel für Notfälle aufgefallen. Links neu, rechts alt.



"Do not express the fear" fand ich zugegebenermaßen besser. Aber die Infografik daneben ist immer noch super.


Dann ist Timisoara jetzt auch offiziell hipp, denn hier gibt es jetzt eine Suppenbar. Für nur 7 Lei erhält man einen Becher Suppe mit Brot zum Mitnehmen oder vor Ort essen. Die negativen Punkte vorweg - nur eine kleine Bank bietet außen Sitzgegelegenheiten und auch bei Verzehr vor Ort erhält man einen Wegwerfbecher und Plastiklöffel. Da ist noch Raum für Verbesserung, auch wenn das mit dem Freisitz wohl aufgrund der Lage Wunschtraum bleiben muss. Auf jeden Fall sehr lecker und Veggie-Optionen gibt es auch immer.

Zusätzlich dazu gibt es eine Menge neue superschicke Cafés. Am Domplatz hat inzwischen so ziemlich alles dicht gemacht - nach einem Jahr Baustelle kommt da wohl wirklich zu selten jemand vorbei.


Die Radwege - sie sind jetzt tatächlich an vielen Stellen fertig. Und auf diesem Schmuckstück hier kann man zum Beispiel an der Bega lang Richtung Serbien fahren. Ein europäisches Projekt, dass nicht nur ich gut finde - an sonnigen Sonntagen ist die Hölle los auf dem schmalen Asphaltstreifen.

Donnerstag, 6. November 2014

Fotoausflug zur Kirchenburg

Letztes Wochenende durfte ich mit einem genialen Fotografieworkshop in Bekokten bei Fogarasch weilen und ein bisschen Jugendherbergsathmosphäre schnuppern. Ich hatte für wenige Tage einen riesigen Trekkingrucksack mit Klamotten dabei und stellte mich seelisch auf erfrieren ein. Kalt war es tatsächlich, aber ich habe überlebt. Es sollte um analoge Fotografie gehen und für die Zeit des Workshops bekam ich eine schöne Kamera, Marke "Voigtländer" geliehen. Ich hatte sie eigentlich nur wegen ihres schicken braunen Lederetuis genommen, aber bin dann doch ganz gut mit ihr klargekommen.
Bei meiner Ankunft in Fogarasch inspizierte ich zunächst einmal das Büro der Evangelischen Kirche Fagaraş und die Kletterwand in einer Turnhalle, dann ging es auch schon los mit dem Minibus in die Berge. Mit drei Jugendlichen aus Brasov und meinem Kollegen brausten wir nach Bekokten (rum. Barcuţ) und kamen da gegen Abend an. Wir bekamen das Haus gezeigt und probierten ein wenig mit Lichtmalerei und Photographie herum. Die Teilnehmer aus Suceava würden noch eine Weile brauchen und so vertrieben wir uns die Zeit. 

Das Haus der evangelischen Kirche ist direkt neben der Kirchenburg. Es sind mehrere Schlafsäle vorhanden, die alle mit Holz geheizt werden. Außerdem gibt es einen Aufenthaltsraum, den wir auch zum Essen genutzt haben. In einem anderen Gebäude gibt es noch Seminarräume. An Räumlichkeiten fehlt es jedenfalls nicht, nur sollte man besser im Sommer kommen. Als wir da waren, waren die Zimmer doch ziemlich ausgekühlt. 

Am ersten Workshoptag beschäftigten wir uns dann mit Bau und Funktion von Lochkameras. Ich schoss ein Bild mit einer Lochkamera, auf das ich mächtig stolz bin. Tag zwei war dann der Interviewvorbereitung gewidmet, außerdem gab es eine kleine Fotosafari über die Felder. Und dann am dritten Tag wurde es ernst - wir trafen uns in Zweiergruppen jeweils mit einer Person aus der deutschen Minderheit und führten ein Interview mit ihr. Außerdem, und das war vielleicht das Wichtigste, sollten wir viele Fotos von ihr und ihrer Umgebung machen. Ich erwischte mit meiner Partnerin eine sehr junge und sehr nette Frau, die für die evangelische Kirche arbeitet und mir mal wieder eine neue Perspektive auf die Siebenbürger Sachsen gab. 

Für den Rest der Zeit verschwand immer ein Teil von uns in der Dunkelkammer, so dass wir wirklich den ganzen Prozess von Einstellen der Tiefenschärfe und Blende übers eigentlich Fotografieren bis hin zum Entwickeln und auf Fotopapier vergrößern mitmachen konnten. Das war super spannend und echt lehrreich. Und jedesmal, wenn man das Fotopapier in den Entwickler warf, auch irgendwie magisch.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Kalte Herbsttage in Sibiu

Letztes Wochenende machte ich mich mal wieder auf, um ein bisschen Touristin in Rumänien zu sein. Um ein bisschen zu entspannen, abzuschalten, rauszukommen aus der üblichen Umgebung. Nach Hermannstadt / Sibiu sollte es gehen und ich nahm eine schier nimmerendende Zugfahrt auf mich. Gewappnet mit einer Brotbüchse, einem Buch und einem Audiobook stand ich diese auch irgendwie durch. 

In der Kirche
In Sibiu war es schön, die Sonne schien durch die kalten Herbsttage. Ich wollte wirklich Urlaub machen, deswegen war ein häufiger Stopp in Cafés genauso eingeplant, wie in diesem kleinen netten Designerlädchen vorbeizuschauen und vielleicht auch noch in einem Schuhladen und natürlich viel zu schlafen.Was soll ich sagen - die Stadt ist schnuckelig. Wir nächtigten unweit des Erlenparks und konnten durch ihn hindurch Richtung Innenstadt spazieren. Es war kalt und die Lokale in Sibiu kamen mir überteuert vor. 20 Lei (fast 5 Euro!) für den Eintritt beim Historischen Museum erschien mir viel zu viel. Immerhin, es hat sich doch gelohnt. Gegen die 5 Lei zur Kirchenrenovierung als Eintritt in der evangelischen Kirche hatte ich dagegen nichts. Ich hatte die Kirche noch nie ohne Bauarbeiten von innen gesehen. 

Sibiu ist doch immer wieder eine Reise wert, aber auch sehr touristenüberlaufen, mit entsprechenenden Preisen. Wir übernachteten außerhalb der Innenstadt zwar recht billig, liefen aber auch eine halbe Stunde bis zum Zentrum. Unser erster Versuch, ein Brunch, also ein verspätetes in ein Mittagessen umgewandeltes Frühstück zu uns zu nehmen, scheiterten kläglich. Als wir im sehr schönen Pardon angekommen waren, fand sich dort auch grad eine Hochzeitsgesellschaft ein, um Fotos zu machen. Schöne Kulisse, werden sich auch die glitzernde Braut und ihr breitschultriger Ehemann gedacht haben. Oder der angeheuerte Fotograf hat den Neureichen diesen Vorschlag gemacht. Jedenfalls passten die ganzen übergeschminkten Frauen mit ihren Betonfrisuren und Bonbon-Kleidern ebenso wenig herein, wie ihre Macker - und zwar wörtlich. Als eine Dame dann die doch schon sehr eng neben mir sitzende fragte (und nicht mich), ob der Platz mir gegenüber besetzt sei, weil mein Begleiter sich kurz auf die Suche nach einer anderen Sitzgelegenheit gemacht hatte, kam ich mir endgültig deplatziert vor. Wir aßen dann beim Italiener am Ratsturm, ich für meinen Teil ausgzeichnete Käseravioli mit Salbeibutter. Nach ewigem Hin- und Her machten wir später auch noch im gemütlichen Café Wien halt, wo ich ein Stück Sachertorte und eine angeschwippste heiße Schoki nahm. 

Am nächsten Tag bestand ich auf Frühstück - ich bin eine leidenschaftliche Frühstückerin, leider  wird mir das in Rumänien mit dem omnipräsenten Omelett auf der Karte aber oft verleidet. Ich recherchierte, wir studierten schon am Vortag zur Vorbereitung Speisekarten und fanden im Café Einstein, was einem leckeren Frühstück für mich am nächsten kam. Beim Energy Frühstück bekam ich Müsli mit Früchten und Joghurt, Toast mit Frischkäse, frischgepressten Orangensaft und Tee oder Kaffee. Ich nahm lieber eine heiße Schokolade dazu, und alles war perfekt. Was das Café mit Einstein zu tun hatte, war uns nicht so ganz klar, gemütlich war es trotzdem. Schließlich schafften wir es auch noch für ein dringend notwendiges heißes Süppchen ins Pardon - diesmal ohne Hochzeitsgesellschaft glücklicherweise. Und so waren zwei Tage ruck-zuck essend und trinkend dahingegangen. 

Sonntag, 19. Oktober 2014

Novi Sad

Die Donau rauf, die Donau runter, dieses Jahr habe ich das Flüsschen ja schon an einigen Stellen gesehen (z.B. in Ulm). Jetzt war wieder eines meiner Lieblingsländer dran - Serbien. Diesmal ging es nicht nach Belgrad sondern nach Novi Sad. Ich war eigentlich beruflich da, hatte aber doch Zeit, auch ein wenig die Stadt zu durchlaufen und zu genießen.



Mit Kollegen traf ich mich zum 12. Internationalen MitOst-Festival. Bis wir in Novi Sad waren, dauerte es aber eine Weile. Ich hatte Google Maps vertraut und so waren wir an einem geschlossenen Grenzübergang gelandet, und fuhren bestimmt 100km Umweg. Ensprechend verloren wir auch Zeit, aber immerhin schafften wir es pünktlich zur Eröffnung. In Novi Sad hatten wir Glück - als ich nicht mehr weiter wusste, hielt ich einfach an. Durch Zufall standen wir direkt, wirklich direkt, vor der Touristeninformation. Ich konnte meiner Kollegin vom Auto aus zusehen, wie sie sich den Weg zum Hotel erklären ließ.



Drei Tage lang rannten wir von Workshop zu Lesung zu Diskussionsrunde, am vierten hatten wir dann frei. Natürlich ließ man die Abende in lockerer Athmosphäre, meist in der Bar Izba ausklingen. Und es war schön, eine ganze Menge Leute zu treffen, die ähnlich dachten, es war toll, sich auszutauschen und interessanten Menschen zu lauschen. Ich konnte mich mit Eurocrem eindecken und mal wieder ein paar Worten serbischer Sprache lauschen (und mir weiter vornehmen, diese selbst zu lernen). Die Stadt hat ziemlich viel zu bieten und durch das Festival lernte man besonders die weniger touristischen Ecken ein wenig kennen - wie das Café mit angeschlossenem Bike Kitchen, oder die vor sich hin verfallende Stadt Peterwardein unterhalb der Festung. Alles in allem eine Dienstreise, die ich öfter machen würde.



 



Freitag, 10. Oktober 2014

Wo Ungarn bergig ist - Pécs / Fünfkirchen

Ich war mit einer Truppe rumänischer Journalisten und einigen Radioworkshop-Teilnehmern im jugendlichen Alter zu einer Kollegin nach Ungarn aufgebrochen. Ich hatte die Stadt noch nie gesehen, war aber gespannt. Der türkische Einfluss musste noch besser sichtbar sein, als hier bei uns in Temeswar. Das Stadtzentrum schöner, die Stadt kleiner, irgendwie gemütlich stellte ich mir Pécs vor. Und ich freute mich darauf, meine Kollegin zu sehen.

Gleich nach der Ankunft und dem anschließenden Mittagessen ging es los auf Stadterkundung. Von der langen Fahrt war wohl nur ich platt, alle anderen schienen mopsfidel. Wir verliefen uns ein wenig in der Stadt, so dass wir gerade so zum nächsten Termin, einer Buchvorstellung, wieder da waren. Am Abend spazierten wir ein wenig durch die Altstadt und sahen uns die Stadtmauern an. Für einen Fröccs reichte die Zeit auch noch. Abends dann fiel ich todmüde ins Bett in unserer Unterkunft, einem Schulinternat.

Am nächsten Tag verbrachten wir die meiste Zeit mit dem Radioworkshop, sahen uns aber auch die Räume des Funkhauses Fünfkirchen an und schauten einmal beim wunderschönen Palatinus Hotel herein. Abends machten wir noch einen kleinen Stadtrundgang. Die Lokale der Pecser Innenstadt wirken sehr einladend. Da es schön warm war, konnte man aber auch vor der imposanten, nächtlich angestrahlten Basilika sitzen und Kürtöskalacs futtern. Die Kopfsteinpflastergassen und Plätze sind verwinkelter als beispielsweise in Temeswar. Das sieht man auch gleich bei einem einfachen Vergleich der Pläne der Innenstadt:



Am letzten Tag blieb noch Zeit für die Erkundung des Zsolnay-Viertels. Das Viertel liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Porzellanmanufaktur. Heute beherbergt es Museen und andere Kulturinstitutionen, auch die Kunstuni beispielsweise. Es wurde für das Jahr 2010, als Pecs Europäische Kulturhauptstadt war, hergerichtet. Auf jeden Fall sehr sehenswert, zum Einen wegen der interessanten Industriearchitektur im Mix mit majestätischen Villen, zum anderen wegen der Keramik, die zu sehen ist.  




Sonntag, 21. September 2014

Jahr II - Auf geht's!

Über ein Jahr bin ich jetzt schon hier in Timisoara. Die Zeit verflog natürlich rückblickend, aber ich habe das eine Jahr auch mit vielen interessanten Erlebnissen angefüllt. Ich fühle mich sehr wohl hier und das ist wohl auch der wichtigste Grund, warum ich nun in mein zweites Jahr starte. Ich könnte jetzt mal wieder über das Zuhause-Sein philosophieren und wo ich mich wohlfühle und wie ich mich doch noch fremd fühle und und und...

Aber das lasse ich bleiben. Ich werde nur sagen, wie schön die Zeit hier war und ist, auch aufgrund vieler toller Menschen die hier meinen Weg kreuzten. Ich will aber auch festhalten, dass ich manchmal extreme Anflüge von Heimweh habe, bedingt vor allem durch das Fehlen einiger Menschen, die in meinem Leben enorm wichtig sind. Mal wieder bewahrheitet sich, dass Orte austauschbar sind, aber wirklich großartige Menschen das Herz doch wieder an einen Punkt der Erde ziehen, der dann zu einem Lieblingspunkt wird. Über mein Lieblings-Leipzig zum Beispiel, habe ich ja erst kürzlich geschrieben.

Genug der Worte, die ich mir ja sparen wollte. Wenn der geneigte Leser drei Minuten Zeit hat, kann er ja stattdessen einer kleinen Diashow beiwohnen... Viel Spaß!


Montag, 15. September 2014

Love & Peace & Plai - Neuigkeiten von der Festival-Lichtung

Quelle: plai.ro
Das Plai-Festival hielt mich das ganze Wochenende gefangen. Plai ist ein Weltmusik-Festival in Timisoara, auf dem Gelände des Dorfmuseums im Jagdwald (Muzeul Satului in Padurea Verde). Ein sehr kleines Festival mit sehr vielen gut-gelaunten Menschen. Neben einer Hauptbühne mit drei Konzerten jeden Abend gab es zahlreiche Stände mit Infos über lokale Organisationen, Werkstätten für Kinder und Erwachsene - von Töpfern über Fotografie bis zu Upcycling alles Mögliche. Auf einer kleinen Bühne wurden ebenfalls Workshops geboten oder lokale Musiker spielten. Daneben gab es noch ein Filmzelt. Natürlich auch jeden Menge Essen und Trinken. Auch hier wurde lokal ganz groß geschrieben. Wenn man sich mit seinem Bier zurückzog und von der Wiese einen Blick zurück auf den Stand warf, stellte man fest, dass man das Bier gerade von seiner Lieblingskneipe gekauft hatte. Auch das Essen war lokal, wenn auch interkulturell gemischt. Von Schmalzbroten über indisches Essen hin zu einer Suppenbar war alles dabei. Die Preise für ein Bier waren sehr vernünftig (5 Lei, also 1,20 Euro) und fürs Essen natürlich auch weit unter deutschen Festivalstandards. Für die richtige Athmosphäre war auch gesorgt - auf der Wiese konnte man sich auf Europaletten und Fake-Strohsäcken gemütlich machen oder auf mit Stoff bespannten Autoreifen. Alles sehr gemütlich, aber leider aufgrund des Regens oft nur im riesigen Chill-Zelt zu genießen.

Der Regen war irgendwie dennoch gar nicht schlimm. Der schönste Festivalmoment war für mich, cu fetele [mit den Mädels] vom Deutschen Kulturzentrum in eben diesem Zelt zu sitzen und zu quatschen. Die Konzerte waren natürlich auch toll. Meine Lieblingsband des Festivals war, würde ich sagen, Asian Dub Foundation. Aber auch alle anderen Bands waren toll und jede in ihrem jeweiligen Musikstil einfach top. Es war eben Weltmusik, was natürlich heißt, dass es bei Flamenco oder Fado auch mal etwas ruhiger zugeht. Für die meisten Gäste waren wohl die Subcarpaţi das Highlight. Eine rumänische Band, die traditionelle rumänische Musik mit HipHop verbindet. Ich habe irgendwie das halbe Konzert gebraucht, um reinzukommen, dann war es ganz gut, aber erst hat es mir gar nicht gefallen. Ja, die Rumänen würden für diesen Kommentar auf mich einschlagen, denn die Leute sind total abgegangen. Naja, da zeigt sich mal wieder, dass Anpassung nicht vollkommen und ohne Vorbehalte möglich ist. 

Es waren jeden Fall drei ganz tolle Abende und das nicht nur wegen der Musik. Die Location im Dorfmuseum ist optimal, ich war mit netten Leute unterwegs, das Essen war gut, es war rundum zum Wohlfühlen. Außerdem ist der Riesenvorteil eines Heimspiels nicht zu unterschätzen - jeden Abend nach den Konzerten nach Hause zu radeln und in sein eigenes gemütliches Bett zu fallen ist schon ein Luxus. Der einzige Wermutstropfen war ein Bremsen- oder Wespenstich am Samstag, der am Sonntag mein Bein kräftig hat anschwellen lassen. Hässliches Souvenir, dass ich hoffentlich bald wieder los werde. Da ist mir doch mein Plai-T-Shirt lieber, dass ich auf dem Festival käuflich erwarb. 

Das Festival wird übrigens komplett von Freiwilligen organisiert. Vielleicht ist deswegen die Stimmung auch bei strömendem Regen noch gut, wer weiß. Die Leute können jedenfalls sehr stolz sein auf das, was sie da zustande bringen. Ich musste die ganze Zeit an Leute denken, denen die Musik und die Stimmung und das Drumherum auch so gut gefallen hätte. Ich denke hier an die Leute, die mit mir bei meinen ersten Festivals waren, die Leute, die gern durch meinen Garten hopsen, an das Fräulein aus Berlin und ein paar andere Erasmus-Kollegen von meinem Auslandssemester in Cluj, wie unseren Lieblingsschweden, an meinen Lieblingscouchsurfer aus Belgrad, an einige meiner jetzigen und gewesenen Kollegen auf unseren Ost-, Mittel- und Südosteuropaaußenposten und an Leute, die ich hier kennengelernt habe, die aber Temeswar leider wieder hinter sich gelassen haben. Aber naja, vor dem Plai ist nach dem Plai und vielleicht überlegt sich ja die oder der eine oder andere, bei der nächsten Edition vorbeizuschauen? 

Hier noch ein paar Bilder, die vielleicht Lust auf mehr machen...







Regenwolken? Die Sonne versteckt sich nur...


Mehr Infos zum Festival und ganz viele Bilder gibt es unter plai.ro und auf der Facebookseite (PLAIFestival).