Sonntag, 31. August 2014

Sommerzusammenfassung

Nachdem ich hier einen sehr detaillierten Bericht über die Montenegro-Reise veröffentlicht habe, wird es Zeit, auch noch ein wenig zu schreiben, was ich seitdem so getan habe. Bis auf die letzten zehn Tage hatte ich das Gefühl, dass mein Sommer sehr voll war. Ich war zwischenzeitlich ganz schön gestresst und freue mich jetzt, mal ein bisschen runterkommen zu können.

Nach dem Urlaub stand gleich einmal eine Hochzeitsfeier an. Mein Cousin feierte Polterabend und Hochzeit und ich freute mich sehr, bei beidem dabei sein zu können.

Kaum wieder auf Arbeit ging es mit Jugendlichen in ein Mini-Ferienlager mit Journalismus-Workshop. Die Arbeit mit den Jugendlichen, die Unterbringung und das Wetter waren durchwachsen, insgesamt hat es aber sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich darauf, mit ein paar Jugendlichen weiterarbeiten zu können.

Danach reiste ich quer durch Rumänien, ins schöne Buchenland. Dort lernte ich nicht nur, dass man Autos wie traditionelle Ostereier anstreichen kann, sondern auch eine Menge über deutsche Bräuche und Traditionen. Es hat auch hier sehr viel Spaß gemacht, mit den Jugendlichen die Audioaufnahmen zu machen.

Meine erste Kirchweih stand an. Bisher war ich immer noch drum herum gekommen, jetzte musste ich eineinhalb Stunden Predigt über mich ergehen lassen und erlebte dann Trachtentanz bis zum Umfallen. Wobei die jugendlichen Trachtenpaare sich wacker hielten, umgefallen ist solang ich da war keiner. Und das obwohl die Mädchen zehn Röcke trugen und es ordentlich heiß war an dem Tag.

Wieder zurück in Temeswar hatte ich Schülerpraktikanten in der Redaktion, die eine Kindersendung mit dem Thema Zoo erstellten. Das halbstündige Programm wurde bereits im Radio ausgestrahlt.

Außerdem habe ich noch eine neue Wohnung gesucht und bin umgezogen. Die Lage ist nicht mehr so perfekt, aber die Wohnung ist sauber, hell und gepflegt. Zur Arbeit komme ich nach wie vor in zehn bis fünfzehn Minuten, außerdem habe ich einen riesengroßen Kleiderschrank und viel Stauraum für all meinen Krempel.

Mitte August ging es wieder nach Deutschland, um bei der Hochzeit einer Studienfreundin dabei zu sein. Nach nur hundert Kilometern und weniger als einem Kilometer Autobahn, blieb mein Auto stehen. Defekte Lichtmaschine. Nach 24 Stunden mit Teils abenteuerlicher Kommunikation, denn obwohl ich es nicht weit geschafft hatte, waren ich schon in Ungarn und verstand kein Wort, ging es dann weiter. Das Ganze hat mich Unsummen gekostet und zu der Entscheidung beigetragen, mich bald von dem Wagen zu trennen.

Die Hochzeit war dann sehr schön, sehr entspannt. Es war toll, die Studienkolleginnen wiederzutreffen und zu quatschen. Alles perfekt, nur am nächsten Tag hing ich dann durch. Ich hatte es knapp zur Hochzeit geschafft mit ein paar Stunden Schlaf bei einem Kollegen in Prag, aber am Sonntagabend rächte sich dann Alkohol und Schlafmangel.

Noch ein paar Tage habe ich orientierungslos zuhause rumgegammelt und das nächste Wochenende dann im schönen Leipzig verbracht. 

Montag, 25. August 2014

Wunderschönes Montenegro – ein Fazit

Ich wollte seit Jahren nach Montenegro – und habe es nicht bereut, es endlich getan zu haben. Das Land ist wunderschön. Die Küste ist bei Weitem nicht so unberührt, wie ich es mir vorgestellt habe. Um an wirklich einsame Küstenabschnitte heranzukommen, braucht man wohl ein Auto. Aber ob es wirklich Geheimbuchten gibt, weiß ich nicht. Was aber toll ist, sind die Tretboote, die man an den Küstenorten meist ausleihen kann. Auch damit kann man die Bucht erkunden. Aber immer schön auf Seeigel aufpassen und nicht die Zehen unbedacht auf Felsen vor der Küste setzen!
Kulinarisch fand ich die mediterrane Küche toll, auch wenn wir jetzt nichts super exotisches probiert haben. Aber alles war soweit lecker und ein Stück Pizza zu einem vernünftigen Preis kriegt man auch überall. Was eher umhauen kann, sind die Getränkepreise in den historischen Altstädten von Kotor und Budva – da sind eben die betuchten Kulturtouristen unterwegs.
Die Altstädte sind dennoch sehr sehenswert und auch die Festungen sollte man schon besuchen, denn von den Mauern der Festung hat man noch mal einen ganz anderen Ausblick. Natürlich ist das im Abendlicht besonders toll. Ein Museum haben wir gar nicht besucht, das hat uns aber auch nicht gefehlt. Ob es da etwas besonderes zu entdecken gibt, kann ich somit nicht sagen. Wir haben mehr Aktivurlaub gemacht – lieber mal ein Fahrrad ausgeliehen oder einen Berg bestiegen. Das Fahrrad ausleihen ist sinnvoll, wenn man vor Ort ein wenig Radeln will. Lange Strecken würde ich mir in Montenegro nicht zutrauen – es ist doch arg bergig.
Außerdem sollte man an Bootstouren nicht sparen. Der Blick vom Wasser eröffnet noch einmal eine neue Perspektive, auf dem Meer (oder See) weht einem ein frischer Wind auf die Nase. Die Ausflüge mit dem Boot waren das Geld wirklich wert. Außerdem haben wir die Möglichkeit genutzt, so ein Ausflugsschiff einfach ohne Rückfahrt zu nutzen und so den Bus zum nächsten Ort zu sparen. Die Busse an den Busbahnhöfen an der Küste kamen mir recht zuverlässig vor. Fast immer gab es ein paar Informationen, wann ein Bus fährt und meist sogar Verkaufsschalter.

Wenn ich nochmal nach Montenegro fahre, dann würde ich den Nationalpark im Norden des Landes besuchen. Ich würde wohl auch Rafting machen – der kleine Parasailing-Ausflug hat gezeigt, dass so eine Aktivität zwar teuer, aber auch wirklich beeindruckend und einmalig ist. Von den Orten, die wir besucht haben, würde ich am ehesten auf Cetinje und Sutomore verzichten. Petrovac, Budva und Kotor fand ich sehr schön und auch Virpazar hatte seinen Reiz, wenn ich es auch am letzten Tag nicht mehr so recht genießen konnte. 

Ich finde Montenegro nach wie vor großartig und wenn sich mal wieder die Möglichkeit bietet, würde ich wieder hinfahren. Hier noch ein kleiner Film eines anderen Reisenden, der vielleicht inspiriert.


Sonntag, 24. August 2014

Es war einmal ein Käse, der reiste durch Montenegro

Hier nun also die versprochene Geschichte. Wir stapften, schweißgebadet und fast ohne Wasserreserven, den Vrmac wieder herunter. Uns waren sehr wenige Zeichen der Zivilisation begegnet, wenige verstreute Wanderer, darunter ein Nudistenpaar und zu Anfang sogar eine Gruppe mit Auto, die etwas im Schilde zu führen schien. Spätestens als der Weg aber unpassierbarer war, waren wir die meiste Zeit allein – von den unzähligen Spinnen, die mit Vorliebe ihre Netze zum Fangen von Touristen quer über den Wanderweg woben, mal abgesehen. Unsere Erfahrungen aus Rumänien sagten uns, dass Hunde und Berge keine gute Kombination sind. Als wir also die zwei kläffenden Exemplare bemerkten, waren wir sehr froh, zu sehen, dass sie angekettet waren. Ich bin zwar prinzipiell kein Freund der Kettenhaltung, aber zerfleischt werde ich auch nicht gern. Zu den Hunden gehörte ein Haus und dazu eine Besitzerin. Ich fragte sie sogleich, ob sie Wasser hätte und zwar in einem schönen zurechtgelegten Serbokroatischen Satz. Mein „Imate li vi vodu?“ wurde beantwortet und ich verstand so viel: Izvor. Das bedeutet nämlich nicht nur in den slawischen Sprachen sondern auch auf Rumänisch Quelle. Wasser hatte sie also keines für uns, aber ob wir nicht Käse kaufen wollten? Das war so ungefähr das naheliegendste, was man zwei dehydrierte Wanderer, die großen Respekt vor den Hunden hatten, fragen konnte. "Danke, außerdem zwei Karten für die Sieben-Uhr-Vorstellung.", wäre wohl eine passende Antwort gewesen. Wo wir aber schon mal da waren, kauften wir ein Laib Käse. Er war relativ hart, also schon ein wenig gereift, weiß und hatte kleine Löcher. Irgendwas zwischen dem frischen Schafs- oder Ziegenkäse im Feta-Stil und einem Gouda. Er kam auch von den Ziegen, die wir auf dem Berg gesehen hatten, zumindest entnahmen wir das der Konversation. Wir: „What kind of cheese?“ Große Augen bei der Käsefrau. Wir: „Mäh?“ Sie: „Mäh!“ Vielleicht also auch von Schafen. Wir bekamen eine Tüte für den Käse und verstauten ihn im Rucksack. Außerdem gab es noch den Hinweis, dass der Käse schon mal einen Tag ohne Kühlschrank aushalten könne, dann sollte er aber wieder rein. Alles klar. Und auf gings, den Berg hinunter. Was dann kam, habt ihr ja im Kotor-Kapitel bereits erfahren. Ich möchte nur noch anfügen, wie es dem Käse erging. Er wurde natürlich sogleich probiert und über Nacht im Kühlschrank verstaut. Am Morgen kam er wieder in seine Tüte und seine Tüte in den Rucksack. An der nächsten Station in Cetinje, gab es ebenfalls einen Kühlschrank. Wir steckten den Kühlschrank in die Steckdose und packten den Käse rein. Einen Tag später hieß es weiterziehen. Der Käse verströmte da schon einen etwas intensiveren Geruch. Wir stellten fest, dass der Kühlschrank zwar am Stromnetz hing, aber auf Stufe „0“ von fünf möglichen Stufen stand. Trotzdem, der Käse wurde in drei Tüten gepackt und wanderte wieder in den Rucksack. Und wir wanderten weiter. Verbrachten einen heißen Tag am Skadarsee und stiegen in einen noch heißeren Nachtzug nach Belgrad. Im Abteil müffelte es schon ganz schön. Aber das könnte auch an den Stinkefüßen der vier Mitreisen und unseren vier Duftpfötchen gelegen haben, an der Tatsache, dass wohl alle schwitzen und ihren Urlaub ausdünsteten in das enge stickige Abteil. Der Rucksack mit dem Käse wurde auf die obere Ablage neben der obersten Liege befördert. Da war es richtig schön warm, denn warme Luft zieht ja immer schön nach oben. Mein Mitreisender behauptet, er hätte die ganze Nacht von Käse geträumt. Ich halte das für eine Lüge. Nicht zu verleugnen war der Geruch dann allerdings, als ich den Rucksack wieder sattelte und wir ausstiegen. Es stank extrem käsig. Ich stank extrem käsig, wenn ich den Rucksack auf dem Rücken hatte. Der Käse sah so nicht viel von Belgrad. Gleich am Bahnhof neben den Toiletten landete er in einem Mülleimer. Hoffentlich hat sich kein Penner den Magen dran verdorben. Das Käsewasser hatte sich indessen durch drei Plastiktüten in meinen Rucksack durchgearbeitet und ihn durchtränkt. Ich wurde den Geruch nicht los. Ich hätte jeder Käseverkäuferin auf dem Markt das Geschäft für den ganzen Tag ruinieren können, wenn ich mich einfach nur neben ihren Stand gestellt hätte, meinte mein Reisebegleiter.

Die gute Nachricht ist: Der Rucksack ist von allein wieder geruchsneutral geworden. Die schlechte: Wir hatten bloß ein paar Häppchen vom Käse gegessen. Schade.

Mittwoch, 20. August 2014

Ein Umweg nach Hause – Montenegro Tag 6

Bevor es wieder Richtung Heimat ging, fuhren wir erstmal fast nach Albanien. Genauer gesagt, wollten wir zum Skadarsee. Wir warteten morgens in Cetinje auf einen Bus nach Podgorica und nahmen von dort – blöde Entscheidung – den Bummelzug nach Virpazar. Der hielt bei jeder angepflockten Ziege, während er Richtung Meer ratterte. Vor der Abfahrt hatten wir noch ausreichend Zeit in Podgorica um zu entscheiden, dass wir noch am gleichen Abend nach Belgrad zurück fahren wollten und uns die letzte Nacht in Virpazar schenkten. Ohne den Nationalpark gesehen zu haben, war dies eine gute Entscheidung. Ein paar falsche sollten noch folgen, aber so ist das nun mal. Beispielsweise die, einen stinkigen überfüllten Zug Richtung Küste zu nehmen. Dann die, vom Bahnhof in Virpazar entlang Straße beziehungsweise direkt an den Bahnschienen Richtung Ortschaft zu laufen, den Giftschlangenfeldweg rechts liegen lassend.

In Virpazar leben die Leute vom Tourismus. Es gibt ein paar kitschige Stände mit Rakija, Honig und Souvenieren. Es gibt einen Fahrradverleih mit äußerst klapprigen Gefährten. Es gibt eine Menge Bootstouren, ein paar Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants. Außerdem einen Supermarkt. Zuerst verschafften wir uns einen Überblick über die Bootstouren. Fragten hier, fragten da. Sollten bei dem einen nur noch eine halbe Stunde warten, dann würden wir fahren. Aßen also in der Zwischenzeit noch zu Mittag. Nur um dann zu erfahren, dass leider keine Tour gehe. Nahmen dann den anderen teureren, der aber eine Privattour für uns zur ehemaligen Gefängnisinsel machte. Wir sahen unzählige Wasservögel – Pelikane leider nicht, aber dafür eine Menge Komorane. Wir konnten viele Bilder knipsen, durften uns auch selbst mal für ein Foto ans Steuer setzen und wurden auch vom Kapitän abgelichtet, damit wir ein Bild hatten, wo wir zu zwei drauf waren. Die Tour war sehr schön und eigentlich war es auch ganz nett, so allein zu fahren. Ich weiß leider nicht mehr, was es kostete, aber es war natürlich teurer, als die organisierte, die 10 Euro pro Person gekostet hätte.
Nach der Bootstour wollten wir es noch mal mit Radeln probieren. Die klapprigen Leihräder brachten uns an der Küste entlang ins nächste Dorf, wo überall Buden standen, an denen man Rakija und Wein kaufen konnte. Meist übernahmen Jugendliche den Verkauf. Ob sie wohl auch heimlich naschten? Bis zum Strand schafften wir es nicht, denn ich hatte ein wenig Angst, dass wir den Zug verpassen würden. Wir gaben die Räder schließlich vorzeitig wieder ab, was kein Verlust war bei den Schrottmühlen. Vorher entdeckten wir aber noch einen anderen Radverleih, dessen Räder sehr viel brauchbarer aussahen. Es war eben der Tag der falschen Entscheidungen, irgendwie. Am Touristenmarkt im „Zentrum“ von Virpazar kaufte ich noch Honig und im Supermarkt dann Wein und die leckere Eurocreme zum mit nach Hause nehmen. Denn jetzt musste ich ja den Rucksack nicht mehr weit schleppen und konnte mir ein paar Kilo mehr leisten.
Ich hatte etwas Angst, dass wir in Podgorica den Anschlusszug nach Belgrad verpassen würden, also machten wir uns recht früh auf den Weg zur Haltestelle. Diesmal nahmen wir den Giftschlangenpfad. Vorher hatten wir nachgefragt, wie man zum Bahnhof kommt ohne überfahren zu werden.
Ein längerer Besuch in Virpazar hätte sich sicher auch gelohnt, man hätte eine längere Radtour machen können und baden gehen können, eine längere Bootstour ebenfalls. Man hätte auch ein bisschen wandern können oder den Abend mit Aussicht auf den See und einem lokalen Wein genießen können. Irgendwie war aber bei uns die Luft raus – die Rückfahrt stand an und damit der Wunsch, doch schnell wieder in Temeswar anzukommen.


So schnell sollte das dann nicht passieren. Obwohl mit dem Zug alles klappte und wir rechtzeitig für den Anschlusszug in Podgorica waren, mussten wir dann doch ewig warten, denn der Anschlusszug kam nicht. Als er dann kam war unser 6er-Abteil schon mit vier anderen Leuten besetzt und sehr warm und stickig. Wir standen noch ein wenig im Gang und staunten über Berge, Brücken, Landschaft und dieses wunderschöne Land. Außerdem genehmigten wir uns eine Käsesemmel im Bordbistro. Warum ein Brötchen mit einer Scheibe Käse als „Sandwich“ bezeichnet wurde, gibt mir noch jetzt ein Rätsel auf. Wieder im Abteil stellte sich heraus, dass einer der anderen Fahrgäste Kampfchrist war. Er versuchte meinen Reisebegleiter davon zu überzeugen, dass er mich schleunigst heiraten sollte. Zu seinen anderen Äußerungen zählten die Meinung, dass Serben schon zivilisiert waren, als Deutsche noch im Mittelalter lebten – die haben nämlich schon viel eher mit Messer und Gabel gegessen – und dass Jugoslawien die UNO gegründet hat. Ach ja, gegen Homosexuelle hatte er natürlich auch was. Dabei hatte das Gespräch ganz harmlos mit Gebrauchtwagen angefangen... Irgendwann hielt der Christ dankenswerterweise die Klappe und wir schliefen ein wenig.

In Belgrad gab es so schnell keinen Anschlusszug und so zogen wir durch die Stadt. Wir aßen einen (vegetarischen) Döner an der Knez Mihailova und gingen noch ein wenig zur Kalemegdan. Es herrschte regnerisches Wetter. Zwar war das eine nette Abkühlung nach einigen Tagen brütender Hitze, aber so richtig toll dann auch wieder nicht. Schließlich begaben wir uns doch zum Bahnhof „Dunav“ um den Zug nach Temeswar zu erwischen und stellten nach einer Weile fest, dass wir eine Stunde zu früh dran waren. Umdrehen lohnte da aber nicht mehr und so gammelten wir ein wenig am Bahnhof herum. Als wir schließlich Umsteigen und Passkontrolle hinter uns gebracht hatten und nach Ewigkeiten in Temeswar ankamen, war das schon ein gutes Gefühl, da zu sein. Vielleicht hätten wir nicht geizen sollen und auch für die Rückfahrt wieder einen Transfer mit Gea-Tours organisieren.

Montag, 18. August 2014

Kotor und Umgebung - Montenegro Tag 4 und 5

(Das Bild hat man Reisegefährte gemacht.)

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, lag Rauch über der Bucht. Es hatte wohl am anderen Ufer gebrannt. Wo auch immer der Rauch herkam, man konnte ihn für Nebel halten, der der Bucht einen romantischen Schleier überwarf. Wir hatten uns die Besteigung des Vrmac vorgenommen. Das ist der Berg, der zwischen Tivat und Kotor auf der Landzunge liegt. Wir starteten zeitig und stiegen beharrlich auf. Es dauerte Stunden. Wir waren verschwitzt, die Sonne nervte uns, und der Weg nahm kein Ende. Es kamen uns auch fast keine Menschen entgegen und auch sonst sahen wir nur wenige – so eine blöde Idee hatten wohl nicht viele gehabt. Wir trabten also so dahin und je näher wir dem Gipfel kamen, desto mehr Tierkacke lag auf dem Weg. Wir tauften den Berg kurzerhand in Mount Klo um. Von oben hatte man natürlich eine fantastische Aussicht über Kotor und Richtung Meer.
Ich habe trotzdem irgendwie nur ein einziges Bild gemacht, eine Panaromaaufnahme. Aber das ist weniger verwunderlich, wenn man bedenkt, dass wir immer mit zwei Kameras unterwegs waren. Nach dem stundenlangen Aufstieg hatten wir gar keine Lust auf den stundenlangen Abstieg. Wir trotten so vor uns hin, als zwei Hunde uns beinahe anfielen, wären sie nicht angekettet gewesen. Es gab ein Haus und offenbar wohnte hier auch jemand. Eine Frau war an der Gartenpforte zu sehen. Unser Wasser neigte sich dem Ende zu, also fragte ich sie, ob sie welches hätte. Die geschäftstüchtige Frau meinte, es gäbe irgendwoe eine Quelle, aber ob wir vielleicht Käse haben wollen? Und hier nahm die Käsegeschichte ihren Anfang, die aber separat erzählt werden sollte. Wasser bekamen wir jedenfalls keines und die vermeintliche Quelle fanden wir auch nicht.
 

Nach dem Käsekauf, trotteten wir weiter den Berg herab und verliefen uns im nächsten, zugegeben niedlichen, Dorf gleich mal. So sahen wir immerhin die Kirche. Wirklich, man konnte kaum sagen, ob das hier ein montenegrinisches oder italienisches Bergdorf sein sollte. Wir marschierten weiter und weiter und weiter – und auf einmal geschah das Unfassbare: Ein Auto tauchte auf. Ich winkte sofort, dass wir mitgenommen werden wollten, denn nach fast 18km überwiegend Aufstieg hatten wir wirklich genug. Die Männer brachten uns nach Tivat und wir ließen uns am Strand absetzen. Damit war der Wanderausflug offiziell beendet. Die Tour ist ganz nett, aber der Aufstieg ist wirklich anstrengend und viel gibt es nicht zu sehen, bis man oben ist. Es gibt bestimmt bessere Wanderwege in der Umgebung von Kotor. Eine nette Abwechslung ist das Dorf zwischen Berg und Mount Klo, äh, Vrmac. 

Gleich an der Straße, wo wir uns hatten absetzen lassen, war auch noch ein Supermarkt. Dort deckten wir uns ersteinmal mit Nahrung und Wasser ein. Dann sprangen wir ins Wasser und nach dieser Abkühlung ging es zurück zur Unterkunft. Mit dem Bus, der etwa stündlich an der Küstenstraße entlang von Tivat nach Kotor fährt, fuhren wir nach Muo und ließen uns direkt vor der Haustür absetzen. Wir gingen uns frisch machen und waren bereit für das nächste Abenteuer – eine kleine Radtour entlang der Küste. Wir suchten eine ganze Weile, bis wir einen Radverleih fanden und nahmen schließlich für 10 Euro pro Fahrrad zwei akzeptable Exemplare. Angeblich gibt es noch einen anderen Radverleih, den fanden wir aber nicht. Zehn Euro für die zwei klapprigen Räder war jedenfalls schon ganz schön viel. Wir fuhren an Kotor vorbei und noch ein ganzes Stück weiter Richtung Dobrota. Die Strecke ist gut zum Spazierfahren und unterwegs gibt es hübsche Villen und eine schöne Strandpromenade. Schließlich brachten uns die Drahtesel zurück zur Unterkunft. Von dort gingen wir noch in das Restaurant gegenüber und gönnten uns Risotto mit Meeresfrüchten respektive Scampi, Rakija und Wein. 

Am nächsten Morgen hieß es weiter nach Cetinje. Von dort wollten wir zum Njegos-Mausoleum im Lovcen-Nationalpark. Wir brachten morgens die Räder zum Fahrradverleih, von dort waren es nur wenige Schritte bis zum Busbahnhof. Im Bus stellte mein Reisegefährte fest, dass er sein Tablet in der vorherigen Unterkunft vergessen hatte. Wir fuhren trotzdem erstmal nach Cetinje und von dort mit einem Taxi für 20 Euro hoch zum Mausoleum. Der Preis ist ok, bei zwei Leuten macht das 10 Euro pro Person hin und zurück mit Wartezeit zum Besuch der Anlage. Wir staunten in alle Richtungen, suchten das Meer, den Skadarsee und Podgorica, Sachen, die man von oben alle sehen müsste. Und wir fanden sie auch alle. Eigentlich hat man von dem Berg einen guten Überblick über fast ganz Südmontenegro, den bergigen Nordteil ausgenommen. 
 


Das Mausoleum an sich ist gigantisch, und die Statuen von dem gleichen Bildhauer, der auch den Avala-Hügel bei Belgrad gestaltete, beeindrucken. Ivan Meštrović ist ein sehr bekannter Bildhauer in Serbien und zu seiner Zeit international sehr erfolgreich. Wenn man mit jugoslawischer Geschichte nicht soooo viel anfangen kann und vor allem nicht mit dem Dichterfürsten, bleibt das Mausoleum eher eine Randnotiz. Nachdem das abgehakt war, begaben wir uns wieder nach unten, also nach Cetinje. Dort ruhte ich mich ein wenig aus und mein Reisegefährte begab sich zurück nach Kotor, um das verlorengegangene Tablet einzusammeln. Cetinje an sich beeindruckte mich jetzt nicht besonders. Es war einst die Hauptstadt gewesen, aber inzwischen war es zwar viel hübscher als Podgorica, aber absolut schnarchlangweilig. Einen einzigen Platz gab ich, auf dem ich so etwas wir städtisches Leben ausmachen konnte. Die Montenegriner verbringen ihren Sommer am Meer und im Binnenland ist dann kaum mehr was los. 


Donnerstag, 14. August 2014

Höhenflüge in Montenegro – Tag 3

Am Morgen des dritten Tages begaben wir uns gleich zum Strand, denn wir wollten Parasailing probieren. Ich hätte es sicher allein nie gemacht, weil es ganz schön teuer war, aber mein Reisebegleiter bestand darauf und so machte ich natürlich mit. Wir warteten eine Weile am Strand, bis ein Boot und Parasailing-Schirm frei waren. Dann ging es auch für uns los. Ohne Schuhe, mein Begleiter nur in Badeshorts, ich in Jeansshorts, wurden wir mit den Sicherungsgurten um Beine und Bauch ausgestattet. Mein Gefährte bekam noch einen Helm mit Actioncam auf den Kopf, dann konnte es losgehen. Der Schirm war im Wind rasch entfaltet und zog uns in die Höhe, sobald die im Boot mehr Seil ließen. Mir schlug das Herz wie wild und ich atmete heftig. Es ging ganz schön hoch. Der Anblick war wirklich beeindruckend. Wir drehten ein paar Schleifen zwischen Sankt Nikolaus und der Budvarer Bucht. Am Ende holten sie das Seil langsam wieder ein, nicht ohne uns noch einmal kurz ins Wasser zu tütschen mit dem Hosenboden – ich bin mir ziemlich sicher, dass eine kleine Landung mit dem Hintern im Wasser voll einkalkuliert war. Blöd nur, dass ich Jeans und keine Badehose anhatte, die blieb dann relativ lang nass. Wir wurden dann an Bord geholt und erhielten die Möglichkeit, für teuer Geld das Video der Helmkamera und die Fotos, die jemand vom Boot aus gemacht hatte, zu erwerben. Natürlich wollten wir die haben, es war ja schließlich eine ziemlich einmalige Sache gewesen. Clever trotzdem, nochmal Geld zu machen. 



Da unser Geld nicht mehr reichte, mussten wir später nochmal zurück kommen, und die Fotos holen. Das mussten wir aber sowieso, denn ich hatte in der ganzen Aufregung auch meine Schuhe stehen lassen und war nur in Flip Flops zurück zur Unterkunft getrottet. Gleich nach dem Fotos holen und Schuhe wechseln gingen wir zum Busbahnhof, um einen Bus nach Kotor zu nehmen. Über gewundene Bergstraßen ging es zu unserer nächsten Station. 

Kotor war wirklich wunderschön. Die Altstadt noch viel mehr Altstadt, die Bucht noch viel mehr Bucht. Das Wasser war natürlich nicht so sauber, es war ja auch eine Hafenstadt und kein Badeort.
Unsere Unterkunft lag ein ganzes Stückchen vom Busbahnhof entfernt und so richtig hatten wir keine Ahnung, wo. Irgendwo entlang der Straße in Muo. Obwohl ich erst meinte, es würde zu nichts führen, fragten wir ein paar Mal und kamen schließlich nach einem bestimmt zwei drei Kilometer langen Marsch an. Unterwegs kamen wir unter anderem an einem halb verrotteten Kriegsschiff vorbei. Die Gastgeberin servierte uns sofort Limonade und zeigte uns das gemütliche Zimmer unterm Dach. Nach der anstrengenden Suche wollte ich nichts sehnlicher, als ins Wasser springen. Wie gesagt, das Wasser war nicht so toll und einen Strand gab es hier keinen, dennoch wagte ich mich ins Wasser. 

Danach hieß es noch Kotor zu erkunden. Wir gingen in die Altstadt und hoch zur Festung. Wir wollten es schaffen, bis es dunkel war und es war wirklich ein ausgezeichneter Zeitpunkt: Gerade, als wir oben waren, ging die Sonne unter. Als wir oben waren, war ich auch schweißgetränkt, denn die über 1000 Stufen waren anstrengend gewesen. Wir trafen ein paar Rumänen, die uns auf Geckos beim Sonnenbaden aufmerksam machten. Dann hieß es natürlich fotografieren – der Blick auf Kotor von der Festung ist atemberaubend. Wir schlenderten zurück in die Stadt, aßen noch ein unglaublich teures Eis und hörten einer ziemlich schlechten Schülerband zu. Vielleicht sprachen sie auch einfach nur grottenhaftes Englisch, es war jedenfalls kaum zu ertragen. Doch Kotor war nach wie vor schön, besonders die Altstadt.