Bevor es wieder Richtung Heimat ging,
fuhren wir erstmal fast nach Albanien. Genauer gesagt, wollten wir
zum Skadarsee. Wir warteten morgens in Cetinje auf einen Bus nach
Podgorica und nahmen von dort – blöde Entscheidung – den
Bummelzug nach Virpazar. Der hielt bei jeder angepflockten Ziege,
während er Richtung Meer ratterte. Vor der Abfahrt hatten wir noch
ausreichend Zeit in Podgorica um zu entscheiden, dass wir noch am
gleichen Abend nach Belgrad zurück fahren wollten und uns die letzte
Nacht in Virpazar schenkten. Ohne den Nationalpark gesehen zu haben,
war dies eine gute Entscheidung. Ein paar falsche sollten noch
folgen, aber so ist das nun mal. Beispielsweise die, einen stinkigen
überfüllten Zug Richtung Küste zu nehmen. Dann die, vom Bahnhof in
Virpazar entlang Straße beziehungsweise direkt an den Bahnschienen
Richtung Ortschaft zu laufen, den Giftschlangenfeldweg rechts liegen
lassend.

In Virpazar leben die Leute vom
Tourismus. Es gibt ein paar kitschige Stände mit Rakija, Honig und
Souvenieren. Es gibt einen Fahrradverleih mit äußerst klapprigen
Gefährten. Es gibt eine Menge Bootstouren, ein paar
Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants. Außerdem einen
Supermarkt. Zuerst verschafften wir uns einen Überblick über die
Bootstouren. Fragten hier, fragten da. Sollten bei dem einen nur noch
eine halbe Stunde warten, dann würden wir fahren. Aßen also in der
Zwischenzeit noch zu Mittag. Nur um dann zu erfahren, dass leider
keine Tour gehe. Nahmen dann den anderen teureren, der aber eine
Privattour für uns zur ehemaligen Gefängnisinsel machte. Wir sahen
unzählige Wasservögel – Pelikane leider nicht, aber dafür eine
Menge Komorane. Wir konnten viele Bilder knipsen, durften uns auch
selbst mal für ein Foto ans Steuer setzen und wurden auch vom
Kapitän abgelichtet, damit wir ein Bild hatten, wo wir zu zwei drauf
waren. Die Tour war sehr schön und eigentlich war es auch ganz nett,
so allein zu fahren. Ich weiß leider nicht mehr, was es kostete,
aber es war natürlich teurer, als die organisierte, die 10 Euro pro
Person gekostet hätte.

Nach der Bootstour wollten wir es noch
mal mit Radeln probieren. Die klapprigen Leihräder brachten uns an
der Küste entlang ins nächste Dorf, wo überall Buden standen, an
denen man Rakija und Wein kaufen konnte. Meist übernahmen
Jugendliche den Verkauf. Ob sie wohl auch heimlich naschten? Bis zum Strand schafften wir es nicht, denn
ich hatte ein wenig Angst, dass wir den Zug verpassen würden. Wir
gaben die Räder schließlich vorzeitig wieder ab, was kein Verlust war bei den Schrottmühlen. Vorher entdeckten
wir aber noch einen anderen Radverleih, dessen Räder sehr viel
brauchbarer aussahen. Es war eben der Tag der falschen
Entscheidungen, irgendwie. Am Touristenmarkt im „Zentrum“ von
Virpazar kaufte ich noch Honig und im Supermarkt dann Wein und die
leckere Eurocreme zum mit nach Hause nehmen. Denn jetzt musste ich ja
den Rucksack nicht mehr weit schleppen und konnte mir ein paar Kilo
mehr leisten.

Ich hatte etwas Angst, dass wir in
Podgorica den Anschlusszug nach Belgrad verpassen würden, also
machten wir uns recht früh auf den Weg zur Haltestelle. Diesmal
nahmen wir den Giftschlangenpfad. Vorher hatten wir nachgefragt, wie
man zum Bahnhof kommt ohne überfahren zu werden.
Ein längerer Besuch in Virpazar hätte
sich sicher auch gelohnt, man hätte eine längere Radtour machen
können und baden gehen können, eine längere Bootstour ebenfalls.
Man hätte auch ein bisschen wandern können oder den Abend mit
Aussicht auf den See und einem lokalen Wein genießen können.
Irgendwie war aber bei uns die Luft raus – die Rückfahrt stand an
und damit der Wunsch, doch schnell wieder in Temeswar anzukommen.
So schnell sollte das dann nicht
passieren. Obwohl mit dem Zug alles klappte und wir rechtzeitig für
den Anschlusszug in Podgorica waren, mussten wir dann doch ewig
warten, denn der Anschlusszug kam nicht. Als er dann kam war unser
6er-Abteil schon mit vier anderen Leuten besetzt und sehr warm und
stickig. Wir standen noch ein wenig im Gang und staunten über Berge,
Brücken, Landschaft und dieses wunderschöne Land. Außerdem
genehmigten wir uns eine Käsesemmel im Bordbistro. Warum ein
Brötchen mit einer Scheibe Käse als „Sandwich“ bezeichnet
wurde, gibt mir noch jetzt ein Rätsel auf. Wieder im Abteil stellte
sich heraus, dass einer der anderen Fahrgäste Kampfchrist war. Er
versuchte meinen Reisebegleiter davon zu überzeugen, dass er mich
schleunigst heiraten sollte. Zu seinen anderen Äußerungen zählten
die Meinung, dass Serben schon zivilisiert waren, als Deutsche noch
im Mittelalter lebten – die haben nämlich schon viel eher mit
Messer und Gabel gegessen – und dass Jugoslawien die UNO gegründet
hat. Ach ja, gegen Homosexuelle hatte er natürlich auch was. Dabei
hatte das Gespräch ganz harmlos mit Gebrauchtwagen angefangen...
Irgendwann hielt der Christ dankenswerterweise die Klappe und wir
schliefen ein wenig.

In Belgrad gab es so schnell keinen
Anschlusszug und so zogen wir durch die Stadt. Wir aßen einen
(vegetarischen) Döner an der Knez Mihailova und gingen noch ein
wenig zur Kalemegdan. Es herrschte regnerisches Wetter. Zwar war das
eine nette Abkühlung nach einigen Tagen brütender Hitze, aber so
richtig toll dann auch wieder nicht. Schließlich begaben wir uns
doch zum Bahnhof „Dunav“ um den Zug nach Temeswar zu erwischen
und stellten nach einer Weile fest, dass wir eine Stunde zu früh
dran waren. Umdrehen lohnte da aber nicht mehr und so gammelten wir
ein wenig am Bahnhof herum. Als wir schließlich Umsteigen und
Passkontrolle hinter uns gebracht hatten und nach Ewigkeiten in
Temeswar ankamen, war das schon ein gutes Gefühl, da zu sein.
Vielleicht hätten wir nicht geizen sollen und auch für die
Rückfahrt wieder einen Transfer mit Gea-Tours organisieren.