| (Das Bild hat man Reisegefährte gemacht.) |
Als wir am nächsten Morgen aufwachten, lag Rauch über der Bucht. Es hatte wohl am anderen Ufer gebrannt. Wo auch immer der Rauch herkam, man konnte ihn für Nebel halten, der der Bucht einen romantischen Schleier überwarf. Wir hatten uns die Besteigung des Vrmac vorgenommen. Das ist der Berg, der zwischen Tivat und Kotor auf der Landzunge liegt. Wir starteten zeitig und stiegen beharrlich auf. Es dauerte Stunden. Wir waren verschwitzt, die Sonne nervte uns, und der Weg nahm kein Ende. Es kamen uns auch fast keine Menschen entgegen und auch sonst sahen wir nur wenige – so eine blöde Idee hatten wohl nicht viele gehabt. Wir trabten also so dahin und je näher wir dem Gipfel kamen, desto mehr Tierkacke lag auf dem Weg. Wir tauften den Berg kurzerhand in Mount Klo um. Von oben hatte man natürlich eine fantastische Aussicht über Kotor und Richtung Meer.
Ich habe trotzdem irgendwie nur ein
einziges Bild gemacht, eine Panaromaaufnahme. Aber das ist weniger
verwunderlich, wenn man bedenkt, dass wir immer mit zwei Kameras
unterwegs waren. Nach dem stundenlangen Aufstieg hatten wir gar keine
Lust auf den stundenlangen Abstieg. Wir trotten so vor uns hin, als
zwei Hunde uns beinahe anfielen, wären sie nicht angekettet
gewesen. Es gab ein Haus und offenbar wohnte hier auch jemand. Eine Frau war an der Gartenpforte zu sehen.
Unser Wasser neigte sich dem Ende zu, also fragte ich sie, ob sie
welches hätte. Die geschäftstüchtige Frau meinte, es gäbe irgendwoe eine
Quelle, aber ob wir vielleicht Käse haben wollen? Und hier nahm die
Käsegeschichte ihren Anfang, die aber separat erzählt werden
sollte. Wasser bekamen wir jedenfalls keines und die vermeintliche Quelle fanden wir auch nicht.
Nach dem Käsekauf, trotteten wir
weiter den Berg herab und verliefen uns im nächsten, zugegeben
niedlichen, Dorf gleich mal. So sahen wir immerhin die Kirche.
Wirklich, man konnte kaum sagen, ob das hier ein montenegrinisches
oder italienisches Bergdorf sein sollte. Wir marschierten weiter und
weiter und weiter – und auf einmal geschah das Unfassbare: Ein Auto
tauchte auf. Ich winkte sofort, dass wir mitgenommen werden wollten,
denn nach fast 18km überwiegend Aufstieg hatten wir wirklich genug.
Die Männer brachten uns nach Tivat und wir ließen uns am Strand
absetzen. Damit war der Wanderausflug offiziell beendet. Die Tour ist ganz nett, aber der Aufstieg ist wirklich anstrengend und viel gibt es nicht zu sehen, bis man oben ist. Es gibt bestimmt bessere Wanderwege in der Umgebung von Kotor. Eine nette Abwechslung ist das Dorf zwischen Berg und Mount Klo, äh, Vrmac.
Gleich an der Straße, wo wir uns hatten absetzen lassen, war auch noch ein Supermarkt. Dort deckten wir uns
ersteinmal mit Nahrung und Wasser ein. Dann sprangen wir ins Wasser und nach dieser Abkühlung ging es zurück zur Unterkunft. Mit dem Bus, der etwa stündlich
an der Küstenstraße entlang von Tivat nach Kotor fährt, fuhren wir
nach Muo und ließen uns direkt vor der Haustür absetzen. Wir gingen
uns frisch machen und waren bereit für das nächste Abenteuer –
eine kleine Radtour entlang der Küste. Wir suchten eine ganze Weile,
bis wir einen Radverleih fanden und nahmen schließlich für 10 Euro
pro Fahrrad zwei akzeptable Exemplare. Angeblich gibt es noch einen anderen Radverleih, den fanden wir aber nicht. Zehn Euro für die zwei klapprigen Räder war jedenfalls schon ganz schön viel. Wir fuhren an Kotor
vorbei und noch ein ganzes Stück weiter Richtung Dobrota. Die Strecke ist gut zum Spazierfahren und unterwegs gibt es hübsche Villen und eine schöne Strandpromenade. Schließlich brachten uns
die Drahtesel zurück zur Unterkunft. Von dort gingen wir noch in das
Restaurant gegenüber und gönnten uns Risotto mit Meeresfrüchten
respektive Scampi, Rakija und Wein.
Am nächsten Morgen hieß es weiter
nach Cetinje. Von dort wollten wir zum Njegos-Mausoleum im
Lovcen-Nationalpark. Wir brachten morgens die Räder zum Fahrradverleih,
von dort waren es nur wenige Schritte bis zum Busbahnhof. Im Bus
stellte mein Reisegefährte fest, dass er sein Tablet in der
vorherigen Unterkunft vergessen hatte. Wir fuhren trotzdem erstmal
nach Cetinje und von dort mit einem Taxi für 20 Euro hoch zum
Mausoleum. Der Preis ist ok, bei zwei Leuten macht das 10 Euro pro
Person hin und zurück mit Wartezeit zum Besuch der Anlage. Wir
staunten in alle Richtungen, suchten das Meer, den Skadarsee und
Podgorica, Sachen, die man von oben alle sehen müsste. Und wir
fanden sie auch alle. Eigentlich hat man von dem Berg einen guten
Überblick über fast ganz Südmontenegro, den bergigen Nordteil
ausgenommen.
Das Mausoleum an sich ist gigantisch,
und die Statuen von dem gleichen Bildhauer, der auch den Avala-Hügel
bei Belgrad gestaltete, beeindrucken. Ivan Meštrović ist ein sehr bekannter Bildhauer in Serbien und zu seiner Zeit international sehr erfolgreich. Wenn man mit
jugoslawischer Geschichte nicht soooo viel anfangen kann und vor
allem nicht mit dem Dichterfürsten, bleibt das Mausoleum eher eine Randnotiz.
Nachdem das abgehakt war, begaben wir uns wieder nach unten, also
nach Cetinje. Dort ruhte ich mich ein wenig aus und mein
Reisegefährte begab sich zurück nach Kotor, um das
verlorengegangene Tablet einzusammeln. Cetinje an sich beeindruckte
mich jetzt nicht besonders. Es war einst die Hauptstadt gewesen, aber
inzwischen war es zwar viel hübscher als Podgorica, aber absolut
schnarchlangweilig. Einen einzigen Platz gab ich, auf dem ich so
etwas wir städtisches Leben ausmachen konnte. Die Montenegriner
verbringen ihren Sommer am Meer und im Binnenland ist dann kaum mehr
was los.
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