Mittwoch, 20. August 2014

Ein Umweg nach Hause – Montenegro Tag 6

Bevor es wieder Richtung Heimat ging, fuhren wir erstmal fast nach Albanien. Genauer gesagt, wollten wir zum Skadarsee. Wir warteten morgens in Cetinje auf einen Bus nach Podgorica und nahmen von dort – blöde Entscheidung – den Bummelzug nach Virpazar. Der hielt bei jeder angepflockten Ziege, während er Richtung Meer ratterte. Vor der Abfahrt hatten wir noch ausreichend Zeit in Podgorica um zu entscheiden, dass wir noch am gleichen Abend nach Belgrad zurück fahren wollten und uns die letzte Nacht in Virpazar schenkten. Ohne den Nationalpark gesehen zu haben, war dies eine gute Entscheidung. Ein paar falsche sollten noch folgen, aber so ist das nun mal. Beispielsweise die, einen stinkigen überfüllten Zug Richtung Küste zu nehmen. Dann die, vom Bahnhof in Virpazar entlang Straße beziehungsweise direkt an den Bahnschienen Richtung Ortschaft zu laufen, den Giftschlangenfeldweg rechts liegen lassend.

In Virpazar leben die Leute vom Tourismus. Es gibt ein paar kitschige Stände mit Rakija, Honig und Souvenieren. Es gibt einen Fahrradverleih mit äußerst klapprigen Gefährten. Es gibt eine Menge Bootstouren, ein paar Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants. Außerdem einen Supermarkt. Zuerst verschafften wir uns einen Überblick über die Bootstouren. Fragten hier, fragten da. Sollten bei dem einen nur noch eine halbe Stunde warten, dann würden wir fahren. Aßen also in der Zwischenzeit noch zu Mittag. Nur um dann zu erfahren, dass leider keine Tour gehe. Nahmen dann den anderen teureren, der aber eine Privattour für uns zur ehemaligen Gefängnisinsel machte. Wir sahen unzählige Wasservögel – Pelikane leider nicht, aber dafür eine Menge Komorane. Wir konnten viele Bilder knipsen, durften uns auch selbst mal für ein Foto ans Steuer setzen und wurden auch vom Kapitän abgelichtet, damit wir ein Bild hatten, wo wir zu zwei drauf waren. Die Tour war sehr schön und eigentlich war es auch ganz nett, so allein zu fahren. Ich weiß leider nicht mehr, was es kostete, aber es war natürlich teurer, als die organisierte, die 10 Euro pro Person gekostet hätte.
Nach der Bootstour wollten wir es noch mal mit Radeln probieren. Die klapprigen Leihräder brachten uns an der Küste entlang ins nächste Dorf, wo überall Buden standen, an denen man Rakija und Wein kaufen konnte. Meist übernahmen Jugendliche den Verkauf. Ob sie wohl auch heimlich naschten? Bis zum Strand schafften wir es nicht, denn ich hatte ein wenig Angst, dass wir den Zug verpassen würden. Wir gaben die Räder schließlich vorzeitig wieder ab, was kein Verlust war bei den Schrottmühlen. Vorher entdeckten wir aber noch einen anderen Radverleih, dessen Räder sehr viel brauchbarer aussahen. Es war eben der Tag der falschen Entscheidungen, irgendwie. Am Touristenmarkt im „Zentrum“ von Virpazar kaufte ich noch Honig und im Supermarkt dann Wein und die leckere Eurocreme zum mit nach Hause nehmen. Denn jetzt musste ich ja den Rucksack nicht mehr weit schleppen und konnte mir ein paar Kilo mehr leisten.
Ich hatte etwas Angst, dass wir in Podgorica den Anschlusszug nach Belgrad verpassen würden, also machten wir uns recht früh auf den Weg zur Haltestelle. Diesmal nahmen wir den Giftschlangenpfad. Vorher hatten wir nachgefragt, wie man zum Bahnhof kommt ohne überfahren zu werden.
Ein längerer Besuch in Virpazar hätte sich sicher auch gelohnt, man hätte eine längere Radtour machen können und baden gehen können, eine längere Bootstour ebenfalls. Man hätte auch ein bisschen wandern können oder den Abend mit Aussicht auf den See und einem lokalen Wein genießen können. Irgendwie war aber bei uns die Luft raus – die Rückfahrt stand an und damit der Wunsch, doch schnell wieder in Temeswar anzukommen.


So schnell sollte das dann nicht passieren. Obwohl mit dem Zug alles klappte und wir rechtzeitig für den Anschlusszug in Podgorica waren, mussten wir dann doch ewig warten, denn der Anschlusszug kam nicht. Als er dann kam war unser 6er-Abteil schon mit vier anderen Leuten besetzt und sehr warm und stickig. Wir standen noch ein wenig im Gang und staunten über Berge, Brücken, Landschaft und dieses wunderschöne Land. Außerdem genehmigten wir uns eine Käsesemmel im Bordbistro. Warum ein Brötchen mit einer Scheibe Käse als „Sandwich“ bezeichnet wurde, gibt mir noch jetzt ein Rätsel auf. Wieder im Abteil stellte sich heraus, dass einer der anderen Fahrgäste Kampfchrist war. Er versuchte meinen Reisebegleiter davon zu überzeugen, dass er mich schleunigst heiraten sollte. Zu seinen anderen Äußerungen zählten die Meinung, dass Serben schon zivilisiert waren, als Deutsche noch im Mittelalter lebten – die haben nämlich schon viel eher mit Messer und Gabel gegessen – und dass Jugoslawien die UNO gegründet hat. Ach ja, gegen Homosexuelle hatte er natürlich auch was. Dabei hatte das Gespräch ganz harmlos mit Gebrauchtwagen angefangen... Irgendwann hielt der Christ dankenswerterweise die Klappe und wir schliefen ein wenig.

In Belgrad gab es so schnell keinen Anschlusszug und so zogen wir durch die Stadt. Wir aßen einen (vegetarischen) Döner an der Knez Mihailova und gingen noch ein wenig zur Kalemegdan. Es herrschte regnerisches Wetter. Zwar war das eine nette Abkühlung nach einigen Tagen brütender Hitze, aber so richtig toll dann auch wieder nicht. Schließlich begaben wir uns doch zum Bahnhof „Dunav“ um den Zug nach Temeswar zu erwischen und stellten nach einer Weile fest, dass wir eine Stunde zu früh dran waren. Umdrehen lohnte da aber nicht mehr und so gammelten wir ein wenig am Bahnhof herum. Als wir schließlich Umsteigen und Passkontrolle hinter uns gebracht hatten und nach Ewigkeiten in Temeswar ankamen, war das schon ein gutes Gefühl, da zu sein. Vielleicht hätten wir nicht geizen sollen und auch für die Rückfahrt wieder einen Transfer mit Gea-Tours organisieren.

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